Kräuter im Mittelalter

 

Artemisia

Pulegium Papaver Mentha Paratella
Abrotanium Feniculum Cepa Cyperus Lalium
Absinthium Acidula Buglossa Paeonia Cicuta
Urtica Portulaca Sinapis Barrocum Piper
Allium Lactuca Caulis Senecion Pyrethrum
Plantago Rosa Pastinaca Chelidonia Gingiber
Ruta Lilium Origanum Centaurea Cyminum
Apium Satureia Serpillum Colubrina Galanga
Althaea Salvia Viola Gaisdo Zedoar
Anethum Ligusticum Aristolochia Elleborus Gariofilum
Betonica Ostrutium Marrubium Elleborus Cinnamum
Sabina Cerefolium Iris Verbena Eostus
Porrum Atriplex Enula Maurella Spica
Chamomilla Nasturtium ysopum Iusquiamus Thus
Nepeta Eroca Asarum Malva Die Aloe

 

Die Medizintheorie des Mittelalters

Die Lere von Urstoffen - Philosophie in Kleinasien

Vor mehr als 2500 Jahren ereignete sich etwas sehr Seltsames. Für die Menschen in Europa in der Zeit um das Jahr 2000 mag das Besondere an diesem Ereignis als etwas Selbstverständliches erscheinen, versetz man sich jedoch in die Zeit zwischen 700 und 600 v. Ch., so war es eine echte Sensation: Ein Mann stellte die Frage: Woher kommen eigendlich wie Menschen und die vielfältigen Dinge um uns herum? Diese Frage war noch nicht das Neue, das Sensationekke; denn Fragen dieser Art waren auch der Ursprung der Religionen. Das Verblüfende war die Antwort: >>Alles kommt aus dem Wasser<< Bis dahin hatte man diverse Gottheiten für die Entstehung der Welt und des Lebens veranwortlich gemacht; nun sagte ein wohlhabender Grieche, Thales mit Namen, aus der Stadt Milet (an der Mittelmeerküste der heutigen Südtürkei): Alles was existiert, hat seinen Ursprung im Wasser was im Bezug auf das Leben keine so schlechte Beobachtung war.


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Macer floridus

Der Macer floridus war im Mittelalter das Standardwerk der Kräuterheilkunde. Der Mönch Odo Magdunensis aus dem Loire-Tal beschrieb die Heilkräfte von 77 Pflanzen in lateinischen Hexametern.
Der "Macer floridus": Übersetzung des Kräuterbuchs von Konrad Goehl
Macer, der Blumendichter spricht über die Kräfte der Kräuter
 

 

1. Artemisia, der Beifuß

Die Entdeckerin, Artemis genannt, soll ihre Hilfewirkung als erst entdeckt haben; deshalb trägt die Pflanze ihren Namen.Vorzüglich heilt die Pflanze alle Frauenleiden; nimmt man ihre Abkocheung ein, so fördert sie den Monatsfluß; sie tut das auch wenn die Gebärmutter mehrmals einen wärmenden Wickel von ihr erhält, oder sofern man sie roh, in Lauterwein gestampft, genießt,oder, grün und gestampft, nachtsüber auf dem Leib festbindet.Sie treibt die Leibesfrucht ab, wenn man sie trinkt oder auch nur als Zäpfchen von unten her eingeführt. Verhärtungen in der Gebärmutter löst sie, vertreibt auch Geschwülste, regt den Harnfluß an, treibt Nieren-und Blasenstein aus; Gelbsüchtige hilft sie, wenn man sie oft genug mit Wein genießt. Plinius empfiehlt, sie, mit Schmalz gemischt, einer Beule aufzulegen, und ordnet ferner an, sie gestampft mit Wein zu genießen. Falls jemanden der Trunk von Opium allzusehr schädigt(und er also nicht gebrauchen kann),nützt Artemisia ausnehmend gut, wenn sie mit Wein verquickt genommen wird.

 

2. Abrotanium, die Eberraute


Abrotanum ist warm im dritten Grade, wie man liest; und sein Samen ist noch erwfumender und trocknender als das Kraut selbst. Deshalb hilft es den Muskeln und allen Krankheitsfallen in der Brust, wenn es gesotten und seine Abkochung getrunken wird, es hilft also bei Atemnot, auch drangt es den Husten zurtick; femer nUtzt es den Lenden und allen Beschwerden der weiblichen Scham. FUr die folgenden Dinge ist es gut, wenn man es roh mit Wein genieBt: es purgiert durch den Ham und reinigt Herz und Brust, tut gut bei HUftgicht und sorgt fUr geordneten MonatsfluB. Durch seinen Geruch vertreibt es Schlangen; wenn man es trinkt, nimmt's deren Giften seine Kraft; wenn man's gemischt mit Wasser trinkt, stillt es die Fieberfroste, noch bevor sie kommen, desgleichen wenn du die Glieder mit 01 salbst, in dem es gekocht wurde. Trinkst du es haufig, so wirst du die SpulwUrmer tOten. Gib dem Kraut Brotkrume und Quitten bei, koch alles das im Wasser, und leg die Abkochung bei Augenschmerzen auf oder bei Augenbrennen, es wird die Leiden beide heilen. Hast du dir SpreiBel oder Dornen eintrieben, so zieht es diese aus, wenn du es auflegst, wie es ist, oder mit Schmalz verquickst. / Auch die Liebeskraft regt es an, sobald du es nur unters Kissen legst; und wenn du's trinkst, widersetzt es sich aHem, was der Liebeskraft schaden kann.

 

3. Absinthium, das Wermutkraut


Absinthium ist, wie es heiBt, im ersten Grade warm, und trocken im zweiten. Das Kraut, ganz gleich, wie man es nimmt, kraftigt den Magen; doch besser wirkt es noch, wenn es in Regenwasser abgekocht und, unter freiem Himmel abgekUhlt, getrunken wird. So kann es verschiedenen Leiden von Magen oder Bauch zu Hilfe kommen: es treibt SpulwUrmer aus, erweicht den Leib und stillt daher, wenn man es nimmt, auch unmaBiges Bauchgrimmen. /Ferner befördert es durch seinen Trunk den Harnabgang und führt den Monatsfluß herbei. Gibst du ihm noch Marien-Magdalenen-Blume (nardus Celtica) zu, welche in Frankreich wachst, stampfst das Gemisch, lost das Geriebene in Met, so kannst du vorzliglich mit diesem Trank den ordentlichen Monatsflu13 befOrdem; dieselbe Wirkung bringt dir dies Gemisch, mit weicher Wolle als ein Zapfchen eingeflihrt. Fligst du ihm Seidelbasrl, Narde und Essig bei, wirst du mit diesem Trank schadlichen Abscheu vor Speise beheben. Gibst du ihm RautenbHitter bei und Salz und Pfeffer, zerstößt das und mischst es in Lauterwein, oder du reichst die Abkochung als Trank, so wirst du jeden bosen, unverdauten Saft und Krankheitsstoff im Magen reinigend austreiben. / Und mischst du es mit Schwertlilie, hilft dieser Trunk ganz wunderbar der Brust. Stampft man das Kraut mit Starkwein und salbt sich dann damit, so muB man sich vor Schnaken nicht mehr flirchten; brennt man das Kraut, fliehen sie vor dem Duft. Den Gelbslichtigen reichst du es roh, gepaart mit Eppich, und gibst noch die Marien-Magdalenen-Blume bei: so heilt es die Leber; und fUgst du auch noch Essig bei und trinkst du das, hilft es der Milz. Auch die Gifte von Pilzen2 vertreibt es, wenn man es einnimmt; es widersteht, mit Wein genossen, dem todbringenden Schierling und tritt daher, getrunken, auch den Bissen von giftigen Tieren entgegen. Salbt man die Augen damit und mit Honig, so werden sie lelar; / und legt man blau geschlagenen Augen diese Mischung auf, gesunden sie; kocht man die Pflanze ab, macht ihr Dampf die verstopften Ohren frei; flie13t aber Eiter aus den Ohren, so stampfe die Pflanze mit Honig und lege sie auf. Dem geschwollenen Hals hilft sie, mit Honig und Steinsalz im Bunde; stampfst du sie, bringt sie frischen Wunden Nutzen; die fressenden Geschwlire auf dem Kopf heilt sie, sobald man sie darliberlegt; und dem Juckreiz hilft sie abgekocht als ein warmender Wickel abo Niemanden kann die Seekrankheit mehr gualen, der dieses Kraut, wenn die Schiffahrt beginnt, mit Wein gemischt genie13t. Bindet unmatHge AnSCnwellung aes LJemaCmS In ,:')CnranKennalten. Klecm man an diesem Kraut oder legt's unters Kissen, bringt es Schlaf Ubers Haupt, nur darf der Kranke nicht bemerken, daB man's ihm unterschiebt. Die Asche dieser Pflanze farbt die Haare schwarz, mit Wachssalbe gemischt und oftmals angewandt. / Die Truhe, wo man sie bewahrt, macht sie vor Motten sicher. Eine Geschwulst unter der Zunge heilt sie, wenn man sie mit Honig vermischt. Den schwarzen Greisenring3, wie er rund urn den Stem des Auges aufzutreten pflegt, reinigt dasselbe Heilmittel. Mit Rindsgalle vermischt, vertreibt die Pflanze jedes Ohrenklingen. Als Pflaster aufgelegt, / lost sie eine Verhtirtung der Milz; fUgt man ihr Honig bei und tut sie als ein Zapfchen unter die Gebarmutter, trocknet sie diese und erzwingt ordentlichen MonatsfluB. Kocht man die Pflanze grUn mit 01, unterstUtzt sie den Magen auBerordentlich, sooft man ihn mit dieser Salbe warmt. Dein Tintenpulver lOse auf mit Wein, in dem dieses Kraut eingeweicht worden ist: wenn du damit ein Pergament beschreibst, wird keine Maus es je benagen. Der Autor Plinius4 erhebt dies Kraut mit hohen Ruhmesreden: die Romer, spricht er, hatten die Gepflogenheit, an den heiligen Tagen, da sie in vierspannigen Wagenrennen urn den Sieg zu kampfen pflegen, dem Sieger, dem sie auf dem Kapitol den Sitzplatz bieten, Absinthsaft als Getrank zu reichen, im Glauben, ihm so einen Preis zu geben, der weit wertvoller ist als alles sonst: mit dem er namlich feste Gesundheit sich bewahren kann. Die aber, das weiB jedermann, ist wertvoller als jeder Preis, den diese Welt zu bieten hat.

 

4. Urtica, die Nessel


Das Kraut, das wir Urtfca nennen, heiBt bei den Griechen Acalyphes. Seine Brennkraft geht Ubers MaB hinaus; und deshalb tragt es seinen Namennach dem Verdienst; denn wer sie in die Finger nimmt, den brennt Urtfca (»6rere« heiBt: brennen). Mi t Wein genommen, pflegt sie den Gelbslichtigen zu helfen; ihr Samen, mit Honig gereicht, heilt am Bauchgrimmen Leidende; als Trunk hilft sie verstocktem Husten ab, wenn man sie oft genug genieBt; sie treibt die Kalte aus der Lunge und die WindbHihung aus dem Bauch, und zwar bringt diesen Nutzen ihr Pulver, mit Honig im Bunde, oder ihr grliner Saft, mit Wein zu wiederholtem Mal getrunken. / Ein Pflas ter, aus ihren BHittem mit Salz bereitet, hilft fressenden Geschwliren und reinigt eitemde Wunden; dieses Pflaster wirkt auch bei Hundebissen, heilt Krebs und Mumps sowie verrenkte Glieder; sogar das yom Knochen abgefallene Reisch wird wiederhergestellt; femer pflegt es, schadliche Korpersafte zu trocknen. In Starkwein gestampft, bezahmt die Wurzel jede Milzschwellung, lindert auch FuBgicht (das ist Podagra) und hilft bei allen Leiden der Gelenke. Diesen Nutzen bringt sie, als Afterzapfchen eingeflihrt; oder du kochst die Wurzel mit 01 zu einer erwarmenden Salbe und salbst damit die kranken Glieder. In die Nase geflihrt, lockt ihr Saft oder auch nur ein Nesselblatt das Blut hervor (zur Reinigung des Korpers); andererseits ist die Kraft der ihr eingeborenen Warme so groB, daB du, falls du stromendes Blut zu stillen wlinschst, mit dem Urtfca-Saft nur die Stirn zu bestreichen brauchst: und schon drangt er das Blut in seine Bahn zurlick. Gebraucht man die Pflanze mit Myrrhe zusammen als Zapfchen, bringt sie die Monatsblutung in Bewegung; falls die Gebarmutter, durch Korpersaft beschwert, die weibliche Scham schlieBt (und den Geschlechtsverkehr unmoglich macht), reibt man diese mit Nesselblattem ein und ruft sie so zur Ordnung. Mit Wein genossen, erregt Nesselsamen die Liebeskraft, noch mehr sogar, wenn du die Pflanze reibst, mit Honig und Pfeffer verquickst und dann mit Wein auf die vorhin genannte Weise trinkst. Am Rippenfellschmerz Leidende sowie die Brust- und Lungenkranken unterstlitzt der Samen, sofem man ihn mit Honig nimmt; mit Met getrunken, flihrt er HamfluB im UbermaB herbei. Kocht man das frische Kraut wie ein Gemlise und reicht das Wasser dieser Abkochung zum Trinken, so erweicht es den Leib; halt man den Saft lange Zeit im geschlossenen Mund und bewegt ihn darin, so kann er auch eine groBe Geschwulst des Rachenzapfchens maBigen. Macht man die Abkochung zu einem 01 und salbt den Kranken ein, so erregt das den SchweiB. Wenn sich ein vierfuBiges Tier, also Kuh oder Stute, der Begattung durch Hengst oder Stier widersetzt, braucht man nur ihr Geschlecht mit den Blattern der Nessel zu reiben: g1eich erregt deren Hitze die nattirliche Hitze des Tieres. Galen spricht noch: wenn du das Haupt oftmals mit Saft des Nesselsamens salbst, wird der Katarrh zUrUckgedrangt; zur Zeit der Herbstemte gesammelt und getrocknet, wird Nesselsamen dir in vielen Krankheitsfallen nützlich sein.

 

5. Allium, der Knoblauch


Lateinisch Allium heil3t griechisch Sk6rodon; erfahrene Arzte stufen seine Kraft als warm und trocken ein im vierten Grad. Verzehrt oder als Salbe aufgetragen, heilt Allium Stiche und Bisse, die Schlange oder Skorpion dem Menschen beibringen, mit Honig aufgelegt, auch Hundebisse. Stampft man es, werden durch den Duft schadliche Spulwtirmer vertrieben. In Met gekocht und mit Essig gemischt, vertreibt es nach dem Trunk Darmwtimler sowie Bandwtirmer. Kochst du sein Kraut in 01, wirst du mit dieser Salbe unheilbringende Bisse heilen wie auch einen erschopften Leib gesund machen; durch diese Salbe werden femer Blasenschmerz und Blasengeschwulst vermindert. Hipp6krates berichtet, dal3 durch Allium, wenn man's verbrennt und mit dem Rauch die weibliche Scham Hingere Zeit erwfumt, die Nachgeburt herausgetrieben werden kann. / Kocht man's und trinkt man es mit Milch, hilft es gegen verschiedene Lungenbeschwerden, ebenso, wenn man's haufig roh verzehrt. Dlokles gibt die Vorschrift, es mit Tausendgtildenkraut (centaurea) den Wasserstichtigen zu reichen, denn es trocknet die wasserfltissigen Korpersafte6; weiters gibt er die Anweisung, dal3 Nierenkranke es gesotten essen sollen. / Praxagoras gebrauchte es mit Koriander und mit Wein und heilte so die Gelbsuchtfalle, auch spricht er, daB es, wenn man es so trinkt, den Leib erweicht. Mit Bohnen gekocht, soli es den Kopfschmerz lindem, wenn man es stampft und die Schlafen damit bestreicht. Mit lauem Ganseschmalz verquickt traufelst du es ins Ohr, wenn's schmerzt: das hilft ihm vortrefflich. Gesotten tut's dem Husten gut und stillt das Keuchen; roh wie gekocht, macht es die rauhe Stimme klar, doch noch viel mehr nlitzt es, wenn man's gesotten oftmals il3t. / Ungekocht als ein Mus genossen, hilft es gegen den Stuhlzwang. Reibst du es und mischst es mit Schweineschmalz, wirst du oftmals sogar groBe Geschwlilste, denen du es auflegst, vertreiben. Weder der Trunk unbekannten und daher verdachtigen Wassers noch haufiger Wechsel verschiedener Aufenthaltsorte kann dem Mann schaden, der allmorgens nlichtemen Mundes Allium, also Knoblauch, genießt.

 

6. Plantago, def Wegerich Das Kraut,

welches in un serer (lateinischen) Sprache Plantago heiBt, nennen die Griechen Amogl6ssa, das ist Schafszunge, denn seine Blatter sehen der Zunge eines Lammes gleich. Von diesem Kraut Plantago oder Wegerich gibt es zwei Arten: die groBere nennt man Breitwegerich (plantago maior), die andere Kleinwegerich (plantago minor) oder im Volk Spitzwegerich (plantago lanceolata), denn sie reckt sich mit spitzen BHittem, die einer Lanze ahneln, hoch. Als kalt und tracken ordnet man Spitzwegerich im dritten Grade ein; dem Breitwegerich (plantago maior) schreibt man noch groBere Kraft (vim maiorem) zu. Letzterer, also der Breitwegerich, trocknet, / mit Honig dartibergelegt, nassende Wunden und reinigt eitemde; mit Essig und Salz wie Gemlise gekocht und gegessen, zahmt er den libergroBen Durchfall; kocht man zusatzlich Unsen mit, hilft diese vortreffliche Speise bei Blutstuhl und Bauchgrimmen. / Legt man das Kraut gestampft auf, stillt es stromendes Blut; auch soli es schwarzen Malen auf der Haut die rechte Farbe wiedergeben; mit Eiklar heilt es wunderbar Verbrennungen. AIlein verwendet hilft's bei HundebiB und mildert GeschwtiIste; stampft man's mit Salz und legt es auf, vertreibt es bOse Halsdrlisen. Als Gemlise gekocht und gegessen, hilfi's Wasserslichtigen sowie Asthmatikem, solI auch den Fallsliehtigen gut tun. Halt man den Safi lange Zeit im gesehlossenen Mund und bewegt ihn darin, reinigt er trefflich alle schwarenden Wunden des Mundes. Traufelt man diesen Saft in eine Fistel, so heilt sie ab; auch der Ohrenschmerz wird gelindert sowie das heilige Feuer (das ist Antoniusfeuer). B1utspeienden hilft dieser Saft, wenn sie ihn oftrnals trinken, wie er ist; doch starker noch wirkt er mit Essig im Bunde; so nlitzt er auch Schwindslichtigen; spritzt man ihn aber durch den After ein, zahmt er den unmaBigen FluB der Blutstuhl Leidenden. / Augenschwellung und Augenbrennen vergehn, wenn man die Augen damit salbt. Kaust du das Kraut wiederholt mit den Zahnen, so drangt es aufgeschwollenes und blutgeflilltes Zahnfleisch zurUck; oft pflegt es auch das Zahnweh zu vertreiben. Bringt man den Safi mit einem Wollzapfchen von unten her an die Gebarmutter heran, / tracknet und stillt er Ubermal3ig stromendes Monatsblut. Die Abkochung der PfIanze und ihr Samen, mit Wein getrunken, hi 1ft bei allen genannten Krankheitsfallen; die Abkochung tut femer gut gegen Sehmerzen von Blase und Nieren. Man sagt, daB bOse HalsdrUsen erst gar nieht entstehen, wenn man die Wurzel urn den Hals hangt und mit sich tragt; so graB ist ihre Kraft. Reibe drei Wurzeln, gib dann drei Becher Wein hinzu und dasselbe MaB Wasser und reiche das dem Fiebemden, bevor der SchUttelfrost eintritt: so wirst du das Fieber vertreiben, welches das Drittagsfieber heil3t; und zweimal zwei Becher Wein mit genausoviel Wasser nUtzen, glaubt man, dem Vierttagsfieber auch. Alles bisher Beschriebene kann gleichfalls der Spitzwegerich bewirken, obwohl er nieht so grol3e Kraft und Tugend zu besitzen scheint. Vor allem heilt von dieser Art des Wegerichs der Saft ein fressendes GeschwUr, das nahe bei Nase und Augen entsteht, wenn er mit weicher Wolle aufgelegt und dieses Pflaster dann neun Tage lang emeuert wird; und wenn mit seinem lauen Safi der Bauch einen wfumenden Wiekel erhalt, dann wird der scharfe Sclunerz verscheucht und der Kranke geheilt. Auch SpulwUnner soli dieser Saft davontreiben. Mischt man ihm altes Schweineschmalz bei und bereitet ein Pflaster, wird es verhartete GeschwUlste Iindem; als Salbe hilft diese Mischung bei Mumps sowiebei frischer Wunde. Wenn ein am Vierttagsfieber Leidender zwei Stunden, eh der SchUttelfrost ihn qualt, Spitzwegerichsaft trinkt, wird er durch diese einfache Arznei ausnehmende Heilwirkung ftihlen. Trinkt man den Samen dieses Wegenchs, treibt er die Nachgeburt hinaus. Verursacht langer FuBmarsch, wie so oft, Schmerzen an den FUBen, stampfst du diesen Samen in Starkwein und tust ihn damber: das lindert. / Trinkt man den Saft wiederholt mit Rosinenwein, soli er verschiedene Leiden der Blase beheben. Breitwegerich hat ungeheure trocknende Kraft, so daB er, aufgelegt, den Korper gleichsam wie ein Brenneisen7 zu trocknen (und von bosen Sarten freizumachen) vermag; das berichtet Plinius als Gewtihrsmann. / Und Themjson hat gar ein ganzes Buch von seinen Tugenden geschrieben, wonn er ihn mit herrlichen Ruhmreden feiert.

 

7. Ruta, die Raute


Der Raute Kraft wird von den Arzten als erwarmend und trocknend angegeben, und zwar soli ihr hierin der dritte Grad zu eigen sein. Sie ist sehr nutzbringend dem Magen, wenn sie haufig getrunken wird; sie beschleunigt, wenn man sie trinkt, die Kindsgeburt und zahmt die Liebesgier; ferner stillt sie den Husten, sobald man sie trinkt, und sorgt ftir geordneten Monatst1uB. Wenn du sie kochst in Wasser, dem du Starkwein beigibst, so stillt diese Abkochung das Bauchgrimmen, erfreut Lungen und Brust und heilt das Rippenleiden, welches die griechische Sprache Pleuresis (das heiBt: Rippenfellschmerz) benennt. Weiters hilft sie den an Gichtkrampf und HUftgicht Leidenden und heilt das Fieber, wenn du sie grtin in 01 abkochst, lau werden laBt und vor dem Eintreten des Schtittelfrosts dem Kranken als wannenden Wickel bereitest. / Tragt man sie auf als Salbe oder fordert sie mit der Klistierspntze ins Korperinnere, so hilft sie der Gebannutter und einer Eingeweidegeschwulst; und wenn man sie mit Wein geniel3t, erzielt sie diese beiden Wirkungen genauso. Mit 01 gekocht und dann getrunken, treibt sie die SpulwOnner hinaus. Mit Feigen und mit Wein lange Zeit abgekocht, hilft sie den Wasserslichtigen, wenn man die Abkochung nachtsliber auf sie bringt. 113tman die Raute frisch und roh, macht sie die trUben Augen heIIsichtig; vie! besser noch ist diese Wirkung allerdings, sofem ihr Saft mit Fenchelsaft, HiihnergaIIe und Honig zu gleichen Teilen angemacht und auf die Augen des Leidenden mehnnals aIs SaIbe aufgetragen wird. Und mischst du I diesen Saft mit Rosenol und Essig, kannst du Kopfschmerz, er mag noch so unmal3ig sein, durch haufiges Einsalben heilen. Der ausgepreBte Saft stiIIt, in die Nase eingetraufelt, das ausstromende Blut sehr gut, indem er's trocknet. Tust du den Saft in eine Granatapfelschale und laBt ihn lau werden, / so vertreibst du den Ohrenschmerz durch Eintraufeln. Gemischt mit BIeiweiB, RosenO! und Essig ergibt er eine wunderbare SaIbe zur Bekampfung des sogenannten heiligen Feuers (das ist das Antoniusfeuer) sowie der raudigen Kratze, die griechisch Herpes heil3t (das ist: schleichendes Hautgeschwiir). I Auch die auf Griechisch sogenannten Ach6rae, die Kopfgrindflecken, kannst du mit dieser SaIbe reinigen: das sind fressende Hautgeschwiire auf dem Kopf, aus denen fetter Korpersaft ausfliel3t. Fiihrt man sie in die Nase ein, heilt diese SaIbe sogar die Ozanen, das sind in der Nase entstehende Borken, die bedriickend stinken. Trinkt man den 5aft mit Lauterwein oder roh, wie er ist, widersteht man den Giften: I diese Wirkungskraft hat Mithridates, der Konig von Pontos, oft erprobt und bewahrt; er pflegte morgens, wenn er sich erhob, niichtemen Magens zwanzig Rautenblatter mit etwas SaIz, zwei WaInUssen sowie zwei Feigen zu geniel3en. Durch solche Kost geriistet, hatte er kcine Furcht vor I Nachstellungen, von welchem Feind mit welch em Gift sie ihm auch drohten. Ubrigens zcigen auch die Wiesel uns, dal3 die Raute ganz wundersam den Giften widerstehen kann; denn wenn die Wiesel sich anschicken, mit schwarzen Nattern in den Kampf zu gehn, verzehren sie Raute vor dem Beginn. Mit Butter und ein wenig 01 gekocht und lau von unten eingefiihrt, beseitigt sie Geschwiilste in der Gebarmutter I wie auch im Grimmdarm, ntitzt auch ganz allgemein, von. unten eingebracht, samtlichen Darmkrankheiten. Auch geschwollene Hoden kannst du so behandeln, wenn du die Raute, mit LorbeerbHittem gut gestampft, auflegst. Man bereitet aus ihr auBerdem ein Antfdotum, das nicht wenigen Krankheitsfallen ntitzlich ist; / die A.rzte gaben ihm den Namen Diapeganon, Rautenlatwerge, weiI die Raute in griechischer Sprache Peganon8 genannt wird. Dieses Antidotum bereitet man folgendermaBen: Nimm gleich vie! Steinsalz, Pfeffer und KUmmel; von diesen drei Ingredientien zusammen setz so viel an wie von der Raute selbst; / zuvor indessen ist es angebracht, KUmmel in Starkwein zu weichen, danach in einer heiBen Eisenpfanne anzubraten; hierauf wird a1les gut gestampft und mit Honig verquickt; und wenn du nun dieses Antidotum, das heiBt ja: diese Gegengabe, oft geniel3t, werden Schmerzen von Brust und F1anken, Leber und Nieren geheilt, es wirkt verdUnnend auf die Galle, erweichend auf den harten Leib, ohne das Grimmen zu erregen, es stiirkt den Magen und befahigt ihn, die aufgenommene Speise gut zu dauen.

 

8. Apium, def Eppich


Apium heiSt das Kraut, dieweil es auf dem Kranz (der heiSt lateinisch: apex) des Siegers9 pflegte getragen zu werden, wenn nach den Sitten der Allen ein Triumphzug stattfand. Diese Eppichkrone / soli Herakles, der Alkide, a1s erster selbst sich aufgesetzt haben; die Folgezeit behielt den Brauch dann bei. Andere AutoriUiten vertreten dagegen die Meinung, Apium habe seinen Namen davon, daB die Bienen (Iateinisch: apes) in heftiger Begier dessen Bltiten zu emten pflegen. Die griechische Sprache nennt diese Pflanze Selinon 10. Sie soli erwarmender, trocknender Tugend sein, von den Arzten wird ihr jeweils der dritte Grad hierin verliehen. Wenn du den Saft mit geriebener weiBer Brotkrume verquickst und dies aIs Pflaster auflegst eine Nacht hindurch, vermagst du eine Schwellung der Augen zu lindem; ebenso solI dies filr geschwollene Frauenbrilste hilfreich sein. / Ferner stillst du brennende Hitze des Magens und behebst seine AufbHihung; und was der Bauch an schadlichen Winden erzeugt und in sich schlieBt, vertreibt das Kraut, indem es trocknend wirkt, nachdem' s zuerst die SchweiBIacher geoffnet hat. Roh, wie es ist, gegessen oder getrunken, treibt es den Ham; jedoch in wunderbarer Art bewirkt solches die Wurzel, wenn ihre Abkochung genossen wird; und noch starker gar ist die Wirkung des Samens, w~nn man den immer wieder trinkt. Die ganze Pflanze tri tt vergifteten Bissen von Tieren entgegen; besonders aber niltzt ihr Samen oder eine aus ihr bereitete Sudabkochung, die man, wenn man will, trinken kann; auf gleiche Weise stillt sie auch den Husten. Getrunken, mit Wasser und Essig verquickt, zieht die Pflanze den Bauch zusammen und zahmt so Ubelkeit und Erbrechen. Kranken solI sie ihre verlorene gesunde Farbe wiederbringen, wenn sie nilchtemen Magens wiederholt roh gegessen wird. Mit Wasser genommen vor Eintreten des Schilttelfrosts, hilft sie gegen das Alltagsfieber, das den Karper quaIl. / Sie hilft weiterhin gegen Wassersucht und Milzschwellung, niltzt auch der Leber, wenn sie in Fenchelsaft gerieben und getrunken wird. Legt man sie auf, vertreibt sie den haBlichen Leberfleck. Ihr Saft, gemischt mit staubfein gemahlenem GrieB sowie Eiklar, reinigt Wunden und fressende Geschwilre trefflich, / wenn man ihn, so bereitet, nach Weise eines Pflasters wiederholt auflcgl.

 

9. Althaea, die Eibischwurzel


Die Althaea ist eine Malvenart; darilber sind sich aIle einig. AIt(h)aea nennt man sie, weil sie so in die Hohe wachst (auf Lateinisch: in altum). Man nennt sie aber auch EVlscus (oder Hibfskus), weil ihre Wurzel, stampft man sie, wie Vogelleim (viscus) zu triefen scheinl. Bei vielen pflegt sie Malva agrestis oder FeldmaIve zu heiBen. Ihre Blilte, in Met gekocht oder gestampft und mit Wein aufgetragen, reinigt Wunden, solI base Halsdrilsen vertreiben und den schmerzenden After beruhigen und heilt in dieser Form auch Prellungen. Wird die WurZel gesotten und dann mit Schweineschmalz und Terpentin gestampft, heilt sie Geschwillste und andere Beschwerden der Gebarmutter, entspannt die Muskeln und bringt verhtirtete Eiterknoten zum Aufplatzen und zum Verschwinden. In allen diesen Hillen bringt sie also Hilfe, wenn sie gesotten wird und dann in lau erwarmendem Wickel den Schmerzensorten aufgelegt. Wenn Blutstuhl Leidende die gekochte Wurzel mit Wein nehmen, behebt sie durch ihre zusammenziehende Wirkung den Durchfall; die Abkochung treibt eine zagemde Nachgeburt hinaus, niltzt den Blutspeienden, treibt Steine aus und leistet bei verschiedenen Blasenleiden Hilfe. Der Samen, in Starkwein gestampft und mit Olivenal verquickt, ergibt eine Salbe, mit der du entstellende Leberflecken vertreiben kannst. Mit Dilnnwein genossen, vermag die Pflanze Giften zu widerstehen; siedet man sie und stampft sie dann mit Honig, so fi.illt sie klaffende Wunden, wenn man sie haufig auftragt; in dieser Form erweicht sie auch verhartete Geschwillste und lindert starren Fieberfrost. Kochst du ihre Blatter in 01 und bereitest ein pflaster, heilst du verderbenbringende Tierbisse sowie verbrannte Glieder.

 

10. Anethum, der Dill


Ancthum wird als warm und trocken von den Puzten angesagt, jeweils im zweiten Grad. Muttermilch bis zum UberfltlB spendet die Pflanze , abgekocht genossen; femer vertreibt sie alle Magenleiden, wenn der Kranke von dieser Abkochung drei Becher, lau gestanden, trinkt. Dies filhrt ein Aufrillpsen herbei, welches anzeigt, daB sich der Magenmund geaffnet hat und die schadliche WindbHihung so entwichen ist; femer wird auch durch diesen Trunk der bedrilckende Brechreiz beruhigt. Dill treibt den Ham, indem er alle Hindemisse raumt, und hilft, als wohlerwarmender Wickel aufgelegt, auch der Gebarmutter. Sobald der Leidende geriebenen Dill in lauem Wasser nimmt, heilt der ihm Schrnerz von Darm und Bauch; femer unterstiltzt solcher Trunk eine zagerliche Verdauung, bei der die austreibende Kraft (des Darms) zurilckgegangen zu sein scheint (wahrend in Wirklichkeit mehr Nahrung durch die starkere Verdauungskraft jetzt in den Karper aufgenommen wird, so daB entsprechend weniger Ausscheidungen zum Vorschein kommen). Unausgesetzt getrunken, schadet der Dill jedoch dem Sehvermogen und verschlieBt gar den Zeugungsweg, indem er innerlich die Fltissigkeit des Samens auftrocknet. Wenn durch allzu viel Korpersaft (der yom Haupt abwfuts flieBt) das Rachenzapfchen aufgeschwoUen ist und lastend niederhangt, so hebt das Pulver des verbrannten Dillsamens, mit dem Finger daraufgebracht, es wieder hoch; man kann's auch auflosen, das Pulver, und mit einer Klistierspritze zum Zapfchen fuhren. Scharrer als die Asche des Samens solI aber die Asche der Wurzel sein: sie friBt wuchemdes Fleisch in einer Wunde weg und heilt kriechende fressende Geschwüre sowie eitemde Wunden; vor allem soU die Asche fressende Geschwtire am mannlichen Zeugungsglied beheben, wenn sie wiederholt aufgestreut wird. Der Samen des Anethum drangt durch seinen Geruch, / gekocht und dampfend, den Schluckauf zurtiek, sofern der Leidende oft daran rieeht. Ferner sagt man, daB die gerieben aufgelegten Wurzeln Hitze und Brennen der Augen beseitigen konnen. Und wenn du den verbrannten Samen des Anethum auf die Haemorrhoiden streust, so bringt er sie zum Abheilen und lost auch noch Feigwarzen auf. Koeht man die Bltite ab in 01, so maeht sie dies zu einem Heilmittel, welches besonders wirksam ist bei Sehaden, die durch Frost entstanden sind, welches femer oftmals den Kopfschmerz zahmt, die Spannungen der Muskeln lOst und Frostzustanden abhilft.

 

11. Betonica, die Heilbatunge


Betonica heiBt bei den Grieehen Cestron 11. Trinkt man sie, fordert sie den Ham, treibt Steine aus und bringt, mit Dlinnwein genossen, Blutspeienden Hilfe; Wasserstiehtige troeknet sie, mit Wein und Honig eingenommen. Stampfst du ihre Blatter und bereitest ein Pflaster daraus, nlitzt dies den Augen, wenn sie dureh einen Hieb verletzt sind, sehr. Ihr Saft, mit Rosenol gerniseht, vertreibt, in die Ohren getraufelt, versehiedenerlei Schmerzen. Das Pulver der Betonica, mit gekochtem Honig verquickt, hilft denen, die an Brustvereiterung und Eiterspeien sowie an Husten oder Schwindsucht leiden, und lindert das Keuchen; tut auch gut gegen mancherlei Magenschmerzen,: wie sie bei einem Fieber, das aus warrnem Korpersaft, also aus Gelbgalle, entsteht, wohl auftreten; vermischt mit Wein, wenn der Kranke kein Fieber hat. Mit Met getrunken, wirkt dies Pulver abftihrend auf den Leib. Stampfst du die Blatter und bereitest mit Salz daraus ein Pflaster, kannst du frisch empfangene Wunden heilen; gerieben ohne Salz, heilt diese Pflanze einen Schadelbruch. Ein Pflaster, aus den gesottenen Blattem bereitet, ist sehr ntitzlich bei verschiedenen Augenleiden; gegessen wie getrunken stillt das Kraut die Tranen; sogar die geftirchtete Nacht vor trtiben Augen pflegt verscheucht zu werden, wenn man Raute im gleichen GewichtsverhaItnis mit der Betonica verquickt und beide dann, / in lauem Wasser gestampft, trinkt. Ebenso solI das Blut, welches den Augen Schaden bringt, in Brodem und Dtinste verdtinnt, nach oben ausgetrieben und so das Augenlicht befreit werden. Nimmt man Betonica mit Lauwasser, wird der schreckliche Brechreiz behoben; durch denselben Trunk werden Brustleiden geheilt; und durch die Abkochung erfreut man Milz und Leber. Mit vier Onzen Betonica mischt man drei Becher alten Weins, reibt siebzehn Pfefferkomer fein und gibt sie bei: trinkt man das, reinigt es die Nieren und vertreibt ihren Schmerz. Eine Onze Betonica, mit zwei Bechem Warmwasser getrunken, solI auch das argste Bauchgrimmen beruhigen; mit Honig vertreibt dies den Husten und erweicht den Leib. An welchem Tage auch die Fieberpein den Kranken qualt, wenn er namlich das Alltagsfieber hat: eine Onze Plantago (das ist Wegerich) mit zwei Onzen Betonica gestampft und lau getrunken, bevor die fieberanktindigenden Schtittelfroste kommen: das ntitzt. Eine Onze Betonica, in einem Becher Warmwasser gelost, ntitzt, oft getrunken, auch der Wassersucht. Das Pulver ihrer Wurzel, in Met gerieben und getrunken, ftihrt schnell durch Ausleerung nach oben die bosen Korpersafte aus, genau wie der Elh~borusI2, die Nieswurz, das bewirkt. Plinius ordnet an, zweimal zwei Drachmen dieser Wurzeln mit Rosinenwein und Lautertrank zu reichen: durch dieses Brechmittel wird vor allem der WeiBschleim gereinigt und aus dem Karper gefUhrt. Mit Met getrunken, nUtzt das Pulver der Blatter bei einem Leistenbruch und hebt die abgesunkene Gebarmutter. Mit Wein genossen, stellt die Ptlanze eingenommenen Giften sich entgegen, und zwar vor aHem ihr Samen; ist dieser nicht zu haben, verabreicht man das Kraut. Eine Unze Betonica, mit lauem Wein genommen, heilt GelbsUchtige; mit Met fUhrt sie geordneten MonatsfluB herbei; ihr Pulver, im Gewicht einer Bohne mit Honig gegessen, unterstUtzt nach dem Mahl den Magen bei gutem Yerdauen der Speise. Und f1icht man einen Kranz aus der grUnen Batunge und legt ihn urn ein Schlangennest, so werden sie, wie Plinius, der Gewahrsmann, versichert, es nie wagen, den Kranz zu Uberqueren, sondern sie werden durch ihre eigenen Bisse und den Schlag ihrer Schwanze verenden. Menemachus schreibt vor, samtlichen Antidoten oder Gegengiften die Heilbatunge beizufUgen, weil sie dem Magen mehr als aile anderen Krauter zugeeignet ist. Plinius spricht: Wer dieses Krautlein mit sich fUhrt, der kann durch keine schadliche Arznei ein Leid erfahren. Ferner sagt man: wenn man Batunge oft mit Wein genieBt, weicht die bleifarbene Gesichtsfarbe, und die frühere bessere Farbe kommt wieder.

 

12. Sabina, def Sebenbaurn


Sabina heiBt die PfIanze auf Lateinisch, Bnlthys auf Griechisch. Sie hat erwarmende, trocknende Kraft, und zwar jeweils im dritten Grad. Mit Honig verquickt, heilt sie Wunden und fressende GeschwUre voller Kraft, und reinigt und beseitigt auch den Eiter. Ebenso hilft sie auch dem Milzbrand, den das Yolk »gute Blaschen« nennt. Sie fUhrt geordneten MonatsfluB herbei; mit Wein vielmals genossen, oder gestampft und so von unten an den Muttermund gebracht, zieht sie eine abgestorbene Leibesfrucht aus der Gebarmutter. Mit Wachssalbe gemischt, verleiht sie der Haut Glanz und nUtzt auch allen Krankheiten, die von der Kalte kommen. Die Abkochung in Wein oder in Wasser hilft Menschen, die am Schwindel leiden, sobald man das Haupt mit der Abkochung wascht und das gekochte Kraut an Stirn und Schlafen bindet.Der Autor Oribasius schreibt vor, falls es.an Zimt ftir die Arzneibereitung fehlt, Sabina in doppelter Menge an seiner Stelle einzusetzen.

 

13. Porrum,

der Lauch In vielen Krankheitsfallen solI Hipp6krates, der groBte Autor in der Medizin, Lauch angewendet haben: den Saft ftir sich gab er Kranken zu trinken, die Blut speien und auswerfen; die Griechen nennen dieses Leiden Haemopt6ica. Andere Arzte reichen Lauch mit Gallapfeln oder mit Weihrauchmehl, oder sie fugen zu zwei Drachmen Lauchsamen eine Drachme Myrrhe, oder sie reiben Lauchsamen und IOsen ihn in Wein: wenn man dies einnimmt, sagen sie, helfe das besser als alles. Das Blut, das aus der Nase stromt, vermagst du zu stillen, wenn du mit dieser Medizin die Nase innen salbst. 1st die weibliche Scham zusammengezogen (und macht so den Geschlechtsverkehr unmoglich), heilst du sie ebenfalls damit; auch bringt der Lauch den jungen Frauen, wenn sie ihn essen, haufig Fruchtbarkeit. In Honig eingestampft und aufgelegt, heilt er die fressenden Geschwtire. Und tropft der bose Korpersaft yom Haupt herab und schadet Lungen, Brust und Singstimme, und entsteht so ein Husten, der die Herzgegend schadigt, dann hilft es, wenn man Lauchsaft mit Ptisane (das ist Gerstengrutztrank) schltirft; doch auch fur sich allein bringt er in allen diesen Fallen Nutzen. Wenn du die weiBen Lauchteile in Wasser kochst, so zwar, daB du das erste Wasser abgieBt und ein zweites aufgieBt, ntitzt dieser Trunk dem verharreten Leib gar sehr. Man sagt, daB eben dieses Wasser, doch mit Wein verrnischt, den Bauch aber beklemmt und schntirt. Mit Wein reicht man den Lauch dagegen Leidenden, die von einer Schlange oder einem anderen Tier, welches todliches Gift ausspritzt, gebissen worden sind. Nicht weniger ntitzt er, mit Honig zum Pflaster bereitet und solchen Wunden aufgelegt. Lauchsaft, mit Weiberrnilch gernischt und dann getrunken, soll altverstockten Husten heilen; femer hilft er bei mancherlei Lungenkrankheiten. Den Ohrenschmerz beseitigt er, gernischt mit Ziegengalle; dieselbe Wirkung bietet er, mit Met im gleichen Verhtiltnis gemischt und lau ins Ohr getraufelt. Gegessen widersetzt sich Lauch allen schadlichen Pilzen13• Verquickst du seinen Saft mit einem Dritteil Honig und traufelst ihn dann lau in Nase oder Ohr, kannst du sogar den argsten Kopfschmerz stillen. Wer beklemmenden Schmerz in den Lenden erleidet, trinke den Saft mit Wein: man sagt, daB es nichts Besseres fUr diese Krankheit gibt. Gebrochenen Knochen gibt Lauch schnell ihre Festigkeit zuruck, Verhartungen dagegen lost er auf als Pflaster; mit Salz gemischt, verschlieBt er eine frische Wunde rasch. Nimmt man den Lauch roh ein, so lindert er die Trunkenheit, erregt die Liebeskraft und erweicht die Verhartungen der Gebarmutter und des Unterleibes.

 

14. Chamomilla, die Kamille


Anthemis nennt Askh~pius, der Autor, unter hohen Lobreden und Empfehlungen die PflarlZe, welche bei uns den Namen Chamaemeluml4 oder Chamomflla tragt: ein stark duftendes kleines Kraut, dem andern Kraut, welches das Volk mit Recht die Amariske oder den Krotendill nennt, weil sie so bitter riecht und schmeckt (»bitter« heiBt auf Lateinisch: amarus), derart ahnlich, daB die beiden, verglichen am Geruch, kaum unterschieden werden konnen. Die Autoren erklaren, daB es drei Arten gibt, die man nur durch die Farbe ihrer Bltiten auseinanderhalten kann: das Bltitenkorbchen in der Mitte ist bei allen golden, doch wird diese Bltite von verschiedenfarbigen Blattchen umgtirtet: und die sind dann weiB oder schwarz oder purpurn. Die eigentliche Anthemis ist jene, deren Bltitenblatter purpurn sind, und sie ist groBer und auch starker; Leukanthemum erkennt man an den weillen Bltitenblattern; Chrysanthemum an seinen honigfarbenen. Allen wird warmende, trocknende Kraft, und zwar im ersten Grade, zugesprochen. Welche du trinkst mit Wein: sie treibt den Ham, zerbricht die Blasensteine und sorgt fUr ordentlichen MonatsfluB, sobald man die Gebarmutter erwarmt mit Abkochung des Krauts oder dies wiederholt mit Wein genie13t. Es beruhigt auch das Grimmen, und eine Autblahung des Magens vertreibt man durch den Trunk; femer tilgt es Schuppen und Leberflecken im Gesicht, sofem du es gestampft allein auflegst oder mit Honig verquickst. Die Abkochung, getrunken, nUtzt den GelbsUchtigen und hilft gaOl wunderbar bei Beschwerden der Leber; mit Wein getrunken, soli das Kraut die Leibesfrucht abtreiben. Wenn du die Pflanze kochst in 01 und damit einen Fieberkranken warmend salbst, wirst du den SchUttelfrost und oftmals gar das Fieber se\bst vertreiben. Mit derselben Salbe kannst du auch den geschwollenen Weichbauch behandeln. Mischt man die Anthemis im Gewicht einer Drachme mit Wein, so hindert sie durch diesen Trunk verderbenbringende Schlangenbisse an ihrer schadlichen Wirkung. Plinius gibt uns kund: wenn man die Pflanze vierzig Tage lang, taglich zweimal, im Gewicht einer Drachme, mit je zwei Bechem dUnnen Weil3weins nimmt, reinigt sie nach und nach durch den Hamflul3 die Milz ganz und gar. Weichgekaut und dann aufgelegt, heilt sie Augenschwellungen sowie eitemde fressende Schwaren. Ein fieberschweres Haupt pflegt oftmals HautentzUndungen (wie die Gesichtsrose) durch seine Hitze zu erzeugen; oder wenn sich die bosen Safte in ihm sammeln, erzeugt es fUrchterliche fressende GeschwUre; der Grieche nennt sie Exantheme: kocht man die Chamomflla grün in 01, treibt sie diese zurUck. Bleibt hier die Wirkung aus, weicht man die Chamomflla grün in Essig ein und wascht damit das Haupt: keine Salbe hilft besser.

 

15. Nepeta, die Katzenminze (vielleicht auch die Bergminze)


Das Kraut, welches wir mit dem Volksnamen Nepeta rufen, nennen die Arzte in der griechischen Sprache Calamentuml5 • Warm und trocken ist seine Kraft, und zwar jeweils im dritten Grad. Nimmt man das getrocknete Kraut mit lauem Met, pflegt es den ganzen Leib in SchweiB zu baden und zu reinigen. Koch es in 01; salbe und reibe so den Leidenden, der den kommenden Schtittelfrost fUrchtet: es treibt nicht nur den Frost, sondern oftrnals das ganze Fieber weg. Stampfe es griln und leg's dem Kranken, / der an Hilftgicht leidet, auf den Schenkel: man sagt, daB es die Haut verbrenntl6. und so die bosen Safte trocknet und die Schmerzen verjagt. Legt man's von auBen auf und mischt's noch in den Trank, fUhrt es rasch zu geordnetem MonatsfluB. Es gibt eine Erscheinungsform der Lepr~ ElephantIasis genannt, welche im selben Verhaltnis, wie der Elephant groBer als aile anderen Tiere auf tritt, groBer und arger als aile andern Krankheiten den Menschen zu bedrohen scheint: diese Krankheit kannst du, wenn sie beginnt, durch einen Trunk des Calamentum, mit Wein gemischt, behandeln, indem du so die hOsen Safte verdilnnst. Ferner erlaubt es nicht, legt man's gestampft der Wunde auf, daB Schlangenbisse schaden; / trinkt man's mit Wein, treibt es die Gifte aus. Trinkt man den Saft und filhrt ihn gleichzeitig von unten mit der Klistierspritze ein, so totet er die Darmwilrmer, auch Wilrmer, die in den Gliedern ihr Unwesen treiben; und verquickt man ihn gar noch mit Honig und mit Salz, so steigert man die Wirkung. Trinkt eine Schwangere den Saft oder stampft sie das Kraut und filhrt es von unten her (mit einem Wollzapfchen) ein, so treibt es die Leibesfrucht abo / Das Kraut reinigt mit Wein die Gelbsilchtigen; ferner heilt es die Kranken, welche Schwierigkeiten beim Keuchen, das heiBt beim Ausatmen, leiden, verbunden mit Husten, fUr welche die Ante den griechischen Namen Asthmatiker haben. Ferner hilft es, mit Wein genossen, den Leberleidenden sowie verstocktem Seitenund Hilftschmerz. Legt man es gestampft auf, reinigt es schwarz gewordene Narben und gibt ihnen ihre natilrliche Farbe zurilck; noch besser bewirkt man dies Ergebnis durch ein Pf1aster mit dem in Wein gekochten Kraut. Mit Wein genossen, bezahmt es auBerdem den Magenschmerz. Sein Rauch treibt Schlangen aus dem Haus. Mit Wein getrunken, solI es schlieBlich den Schluckauf beheben und, nimmt man's haufig ein, den Liebestrieb beschranken.

 

16. Pu1egium, die Poleiminze


Die Kraft der Poleiminze soil erhitzend und troeknend sein; von den Arzten wird ihr hierin jeweils der dritte Grad zugesproehen. Nimmt eine Sehwangere dies Kraut, so treibt es fast immer die Leibesfrucht abo Ferner sorgt es, mit lauem Wein genossen, fUr geordneten MonatsfluB; aueh zieht es, auf die gleiehe Art genommen, eine zagemde Naehgeburt heraus. Weil ieh den Eindruek habe, daB das Wort »Naehgeburt« nieht jedermann bekannt ist, will ich hier darlegen, was es bedeutet: wie das noeh nieht geborene oder gesehliipfte Kiiehlein - pullus - von der Eiersehale umgeben ist, so ist das Kind im Mutterleib von einem FeB pellicula - umhiillt, entstanden aus dem Samen der Mutter, das es bei seiner Geburt dann durehbrieht, wie das Kiiehlein die Eiersehale; dieses FeB nun bezeiehnen die Arzte als Naehgeburt, weil es dem Kind, sobald dieses den Leib verlassen hat, dureh die Kraft der Natur nachfolgt. Wenn diese Naehgeburt, dureh eine Starung gezwungen, Hinger als billig im Karper der Mutter sieh aufhalt, so folgt entweder gleieh der Tod oder ein nieht zu ertragender Sehmerz. Und diese beiden Hille verhindert das Pult:Sgiuml7 auf die oben besehriebene Weise. Stampfst du das Kraut mit Salz und verquiekst es mit Honig, kannst du mit dieser Salbe verkriippelten oder verkrampften Gliedem helfen. Das Pulver, mit Honig genossen oder getrunken, kann zahklebrige Safte in der Brust verdiinnen und wunderbar dureh Ausspeien hinausfUhren (die Rede ist yom WeiBsehleim). Breehreiz oder beiBender Magensehmerz wird dureh das Kraut geheilt, wenn man's mit Diinnwein nimmt oder mit wasserigem Essig; trinkt man's mit Wein, vertreibt es schwarze (das heiBt dureh Fieberhitze angesengte) Gelbgalle, widersetzt sieh aueh den vergifteten Bissen von Sehlangen. Wenn ein Kranker der Gewalt seines Fiebers oder tibermaBigem BlutausfluB oder irgendeinem anderen basen Anfall plOtzlieh erliegt, was die gelehrten Arzte »Obeltat der Krankheit« (also Ohnmaeht) nennen, stampft man Pulegium, verquiekt es mit kraftigem Essig und halt es so dem Kranken an die Nase: die Arzte sagen;daB allein infolge des Geruchs der Liegende sich schleunigst aufrichtet. Mit Pulver der getrockneten, gebrannten Pflanze starkt und verfestigt man das Zahnfleisch. Legt man das grtine Kraut als Pflaster auf, lindert es, wie es heiBt, die FuBgicht oder Podagra und pflegt, mit lauem Mus aus Mehl verrnischt und aufgelegt, auch alle Geschwlilste zu heilen; mit Wachssalbe verquickt, trennt es den Grind yom Leib. Legt man's mit Salz auf, hilft es Milzstichtigen sehr; wer sich oftrnals mit lauem Wasser wascht, in dem das Kraut zuvor gesotten worden ist, wird nicht am Jucken leiden; du kannst auf diese Art selbst die Autblahung der Gebarrnutter behandeln. Mit Lauwein genossen, bezahmt es den Husten und schenkt dem Kranken die Erleichterung, ausgiebig Ham zu lassen, besonders wenn du es in Wein gekocht oder in 01 gestampft auflegst. Reibt man die Wurzel und verquickt sie mit kraftigem Essig, wird sie oft samtliche Geschwtilste, die du willst, beseitigen; mit Wein genossen, widersetzt sie sich Schlangengift und solI, auf diese Art getrunken, sogar die Liebeskraft erregen. So hilft sie auch Lungen- und Leberbeschwerden ab und gewahrt Mutterrnilch bis zum UberfluB. Das grtine Kraut heilt Hundebisse, mit Honig aufgelegt oder mit Wein durchmischt getrunken.

 

17. Feniculum, der Fenchel


Den Fenchell8 stufen die Arzte als warm und trocken ein im zweiten Grad; im Griechischen tragt er den Namen Marathruml9 . Mit Wein genossen, widersteht das Kraut samtlichen Giften. Wenn eine Schlange trtibe Augen hat und sie helIsichtig machen will, nimmt sie Fenchel zu sich20 ; von daher weiB man, daB dies Kraut auch den menschlichen Augen Nutzen bringen kann, und hat dies durch Versuch bewahrt erfunden: verquickt man den Safi seiner Wurzel mit Honig und salbt so die Augen, vertreibt er alle Finsternis und macht sie kIar. PreBt man den Saft aus grtinem Fenchelsamen und dickt ihn an der Sonne ein, so-besitzt man gleichfalls ein groBes Heilmittel, urn alle Augenleiden zu vertreiben; traufelt man diesen in die Ohren, totet er gleich die Ohrwtirmlein21 Kocht man die Wurzel in Ptisane (das ist Gerstengrtitztrank), so heilt sie die Nieren; mit Wein genossen, macht sie der Aufschwellung der Wassersiichtigen ein Ende; desgleichen widersteht sie vergifteten Bissen; nicht weniger heilt sie Beschwerden von Lunge und Leber und schafft Muttermilch bis zum UberfluB. Nimmt man die Abkochung der Wurzeln mit Wein oder Wasser, heilt sie Nieren- und Blasenkrankheiten, reinigt den Korper durch den Ham und sorgt fUr geordneten MonatsfluB; die Wirkung ist ebenso, stampft man das Kraut und bindet's tiberm Schambein fest. Mit Wein genossen, beruhigt es den Brechreiz; mit Wasser sanftigt es die Erhitzung des Magens. In Wein gekocht und dann als Wickel aufgelegt, stillt die Wurzel die Schmerzen, die das mannliche Glied zu leiden hat; eben falls wenn du sie mit 01 verquickst und so als Salbe brauchst. Schwellungen und Geschwi.ilste, durch Stoß und Schlag oder anders entstanden, maBigt das Kraut, nur mit Essig gemischt und aufgelegt. GenieBt man den Samen mit Wein, so erregt er die Tatigkeit der Liebeskraft; auf gleiche Weise eingenommen, soil der Samen oder die Abkochung des Krauts schreckliche Rippenfellschmerzen beruhigen. AuBerdem tiberliefem die Autoren, daB Schlangen, die yom Fenchel kosten, wieder jung werden; deshalb glaubt man, daB Fenchel auch den Greisen Nutzen bringt.

 

18. Acidula, der Sauerampfer


Was wir Acidula nennen, heiBt bei den Griechen Aizon22. Den Namen leitet man daher, daB dieses Kraut wie Essig (lateinisch: acetum) schmeckt. Es wachst auf sandigen Wiesen und neben den Rtissen. Manche Leute verzehren es gierig im Frtihling und halten es fUr bewahrte Erfahrung, daB ihnen dies Abscheu vor Speise benimmt.Seine Tugend und Kraft ist kaltend und trocknei cf,'und zwar sehr ausgepragt; von den Arzten wird ihm hierin jewei1s der dritte Grad verliehen. Legt man's dem Kranken auf, so fliehen Antoniusfeuer und bei Gendes schleichendes Hautgeschwlir; legt man's gestampft als Pt1aster auf, so geht auch eine Augenschwellung weg. Kriechendes fresno sendes Geschwlir bezwingt es, und auf Brandwunden wirkt es heilend; auch soilen bei der FuGgicht infoIge warmen Korpersafts die Blatter des grlinen Krautes, wie sie sind, oder gestampft mit Mus aus Mehl als Pflaster aufgelegt, vieI nlitzen. Sein Saft, mit Rosenol vermischt, soli altverstocktem Kopfweh guttun; in griechischer Sprache heiGt dieser Schmerz Cephalargia. JegIiche Form von Durchfall pflegt es, mit Wein getrunken oder oftrnals gegessen, zu zahmen; und auf die gIeiche Weise stillt es libermaGigen MonatsfluG; du kannst es aber auch grlin und gestampft der Gebarmutter auflegen. Trinkt man's, treibt es die Darmwlirmer von der runden Art aus; ebenso hiIffs auch bei samtlichen Giften. Salbt man mit seinem Safi das Angesicht, so wird der Blick heiter; und trinkt man diesen Safi mit Wein, widersetzt er sich vielerlei Giften. Es heiGt, daG den, der dies Kraut mit sich flihrt, der Skorpion mit seinem todbringenden Stich nicht suchl. PreGt man den Saft und traufelt ihn ins Ohr, starkt er ganz wunderbar die Fahigkeit zu horen und vertreibt jeden Schmerz. Es gibt noch eine kleinere Erscheinungsgestalt dieses Krautes23, in welcher man es Sempervlva nennt (Immergrlin, auch Hauswurz, Hauslauch oder Mauerpfeffer), weil es in jeder Jahreszeit grtin steht; der Volksmund ruft es Barba Jovis (das ist: Teufelsbart24 ). Plinius berichtet, es sei der erstgenannten Art sehr ahnlich und konne auch nicht weniger all den vorhin genannten Leiden helfen. Es kommt indessen vor, daG des Morgens die Augenlider durch einen Klebeleim aus WeiBschleim aneinandergeheftet sind, so daB sie kaum geoffnet werden konnen: dann befreit sie yom Klebestoff der Saft des Immergrlin ganz wunderbar, sofem man ihn nur mit dem Finger darauf tupft oder salbt.

 

19. Portulaca, das Burzelkraut


Portulak25 heiSt auf Griechisch Andnkhne; der Volksname ist HahnenfuB (pes pulli). Seine Tugend ist kalt und feucht, und zwar im dritten Grade feucht, im zweiten kalt. Dem Fieber, das der Grieche causon nennt (das heiSt: das Brennfieber), hilft es infolgedessen, grlin gestampft und dann dem Magen aufgelegt; dieselbe Leistung bringt der Saft, wenn man ihn trinkt. IBt man das Kraut oder nimmt es gekocht wie Gemlise zu sich, pflegt es Fieberhitze zu lindem. Gegessen und getrunken, kann es selbst liberstarken BlutfluS und Durchfall eindammen. Die Zahne, mit denen man es kaut, hindert es daran, taub zu werden; femer nlitzt es, gestampft und aufgelegt, den geschwollenen Augen; zur Sommerszeit verhlitet es, daB die Sonnenglut Schaden bringt; mit Wein und Salz erweicht's den harten Leib; und auch die Schmerzen der Blase behebt es gewohnlich. Plinius bezeugt, daB es in allen Stlicken beinah die gleichen Tugenden und Wirkungen besitzt wie die Acidula, der Sauerampfer (sieh das vorhergegangene Kapitel).

 

20. Lactuca, def Lattich


Des Lattichs Tugend ist bekanntlich kalt und feucht26 • Deshalb vermag er, wenn man ihn genieBt, allzu heftige Fieberhitze zu lindem; wenn du ihn gut gestampft auflegst, so bewirkt er dasselbe. Er tut dem Magen gut, fUhrt Schlaf herbei, erweicht den harten Leib; doch bringt er alle diese Wirkungen noch besser, wenn du ihn vorm Verzehren kochst; den Magen aber heilt er ganz besonders, wenn man ihn ungewaschen iBt.Der Lattichsamen zahmt die basen Traume; mit Wein getrunken, mindert er den Durchfall; haufig genossen, schenkt er Muttermilch bis zum UberfluB. Wie einige Gewamsleute versichem, macht er aber die Augen trilbe und hilllt jene in Finsternis, die ihn beim Mahl unausgesetzt genieBen.

 

21. Rosa, die Rose


Mit Recht scheint uns die Rose die Blilte der Blumen genannt zu werden, weil sie durch Aussehen und Duft alle anderen Blumen ilbertrifft. Doch nicht durch Schanheit und Geruch alleine hilft sie uns, sondem durch vielerlei Arzneiwirkung. Ihre Tugend ist abkilhlend und trocknend im ersten Grad. Legt man sie auf, gestampft, zahmt sie das heilige Feuer (das ist das Antoniusfeuer); Erhitzung in Magen und Herzgegend stillt sie; femer mindert sie AusfluB der Gebarmutter und Durchfall. Die meisten Salben verlangen Rosensaft als Zutat; Pulver der getrockneten Rose hilft gut bei Krank- heiten des Mundes, entweder nur alleine angewandt oder vermischt mit Honig. Brennende Hitze jeder Art zahmt eine frische Rose, gestampft und aufge1egt, oder, mit Met vermischt, getrunken. Man bereitet aus ihr das sogenannte Rosena1: bei verschiedenen Leiden und vielen Krankheitsfa11en ist es niltzlich; getrunken erweicht es den harten Leib und ti1gt groBe Hitze des Magens; legt man einen erwarmendem Wickel mit Rosenal urn, werden Schmerzen und Hitze des Hauptes geheilt. Mischt und verquickt man starken Essig mit Rosena1, reinigt man so die eiternden Verletzungen und flillt klaffende Wunden an, hilft auch bei Brandwunden hervorragend. Eine Zeitlang im Mund gehalten, soll diese Mischung Zahnschmerz lindem sowie harte Augenlider erweichen; flihrt man sie (mit weicher Wolle) als Afterzapfchen ein, beseitigt sie das Darmjucken; auf der gegenliberliegenden Seite eingefilhrt, kommt sie auch Krankheitsfallen der Gebarmutter zugute. Da dieses Rosenal auf verschiedene Weise angerichtet wird, will ich hier vortragen, was der erfahrene Palh'idius darilber schreibt: Nimm von den Bllitenb1attern, spricht er, alle raten; reinige und verquicke eine Unze davon mit einem pfund Olivenal; versch1ieBdieses Gemisch in einem GlasgefaB, das du aufhangst, urn es so ganze sieben Tage lang der Sonne auszusetzen; danach bewahrst du's auf: es hat dir mannigfaltige Arznei- und Heilwirkung zu bieten.

 

22. Lilium, die Lilie


Setzt man die Rosen gleich mit Gold, dann folgen ihnen, glaube ieh, mit Recht nun die silbemen Lilien; denn weder nach Aussehen noch nach Duft mlissen sie beim Vergleich der Pracht der Rosen weichen, noch sind £ie weniger nlitzlich geeignet fUr die Menschen in vielen Arzneien. Die WurzelknoBe (oder Zwiebel), aus welcher die Lilie hervorwachst, hilft, unter Kohlen gebraten, gestampft und dann mit 01 verquickt, Brandwunden aufgelegt, ganz wunderbar; und noch besser, wenn sie, statt mit gemeinem 01, mit Rosenol verquickt wird. Ebenso lost sie, von unten eingeftihrt, Verharrungen in der Gebarmutter. Bereitet man aus den gesottenen Blattem ein Pflaster, so erweicht es die Spannungen der Muskeln und hilft verbrannten Gliedem; ebensl) wird ein SchlangenbiB geheilt, wenn man die Blatter darauf legt oder wenn man mit Wein die Knolle trinkt. Diese hindert auch giftige Pilze27 daran, einen Schaden zu stiften. Gekocht in Wein, gut gestampft und den FuBnageln aufgelegt, heilt sie diese (wenn sie sich abheben); doch darf~;t du den Verband nieht lockem, eh nicht der dritte Morgen kommt. Ferner heiBt es, daB die KnoBe, in Schweineschmalz gekocht oder in 01, versengten Gliedem ihre Haare wieder schenkt. Mit Wein genossen, soli sie schadliches Blut durch den Bauch abftihren und so der Milz von Nutzen sein; so tut sie femer der weiblichen Scham wohl und sorgt ftir geordneten MonatsfluB; dassellJe bewirkt sie, wenn man sie kocht in altern Wein und allflcgt. Schnittwunden in den Muskeln heilt sie, mit Honig gestampft (und aufgelegt). Den ausgepreBten Saft der Blatter, mit Essig und Honig gemischt, kocht man J2~d~rmaBen: vom Honig und vom Essig je zwei TeiIe, und vom vorher genannten Safi nimm ftinf: Es gibt nichts Nlitzlichers, urn Hiebwunden zu trocknen und zur Vernarbung anzuhalten, und seien sie auch alt und eingefleischt und schwer zu heilen.
Die gesottene Knolle, mit/Wachssalbe gut durchgemischt, pHittet die Runzeln im Gesicht, titt alle Male auf der Haut, vertreibt die Kratze und saubert das A tlitz von Schuppen und Kleie. Stampft man die Lilienbltiten und preBt den Saft daraus, macht er, mit einem Wollzapfchen von unten eingefUhrt, die weibliche Scham weich; bestreicht man den Kranken damit, so beginnt er zu schwitzen; und geschwollene Beulen laBt er reifen und platzen, weil er den Eiter zum Kochen erhitzt und so reinigend schnell vertreibt.

 

23. Satureia, das Bohnenkraut


Die Saturefa heiBt auf Griechisch Thymbra. Ihre trocknende Kraft ist gering, ihre erhitzende dagegen stark. Mit Wein genossen, befbrdert sie HarnfluB und Monatsregel, treibt die Leibesfrucht ab und reinigt die weiblichen Innenorgane. Ihr Pulver, mit gekochtem Honig verquickt und gegessen (oder mit Wein getrunken), treibt durch Auswurf zahen ScWeim aus der Brust hinaus; mit lauem Wein genossen, bezahmt Satureia, wenn man sie reichlich trinkt, das Bauchgrimmen; ich hab es oft geprtift und stets als wahr erfunden. Es gibt eine Krankheit namens Lethargfa (Vergessen und Schlafsucht); die Ante sagen, sie sei der Phrenesis (der Hirnwut) gerade entgegengesetzt, weil letztere den ScWaf verbietet, die Lethargie jedoch den Kranken schwer mit ScWaf bedrUckt: wer nun, von diesem todbringenden Schlaf bedrangt, Thymbra mit Essig mischt und sein Haupt wiederholt damit warmt, der kann auf solche Art dem Schaden dieser Tragheitskrankheit wehren. Ein Weib, das schwanger ist, muB die Beruhrung mit dem Kraut vermeiden; denn auch wenn sie es gar nicht iBt, sondern es bloB ihrer Scham von unten her nahert, treibt es ihr die Geburt aus dem Leib. Nimmt man es gut gestampft, beruhigt es den Brechreiz, und zwar mit etwas Wein genossen oder mit einem Ei; auf gleiche Weise pflegt es auch die Liebeskraft ins Werk zu setzen, wenn man es grUn oder getrocknet mit reichlich Wein genieBt. Und wenn mit dem Wein gar noc~ Honig und Pfeffer verquickt wird, soil dieses Kraut das Liebesfeuer mehr als gewohnt entzUnden. Hier zeigt sich, daB die Saturefa mit Recht nach den Satym benannt ist; denn diese Kreaturen sind zum Venusdienst im Uberma13 geneigt. Die Arzte ordnen an, wenn Thymian nicht zur VerfUgung steht, fUr Thymian die Thymbra einzusetzen, denn beide haben gleiche Kraft.

 

24. Salvia, der Salbei


Der Salbei (salvia), der bei den Argivern, also auf Griechisch, Elelfsphacus genannt wird, nUtzt, wenn man ihn mit Met genie13t, den Beschwerden der Leber, treibt die Leibesfrucht ab, erregt den Ham und sorgt fUr ordentlichen Monatsflu13. Gestampft und aufgelegt, heilt er giftige Bisse; und wenn du ihn auf frische, rohe Wunden (aus denen viel Blut stromt) gestampft auflegst, soil er den Blutflu13 hemmen. Trinkt man den Saft mit lauem Wein, bezahmt er altverstockten Husten und den Rippenfellschmerz. Ein lucken der weiblichen Scham und des mannlichen Gliedes beseitigst du durch einen erwarrnendem Wickel mit Wein, in dem Salbei gekocht wurde. Durch Salbeisaft farbst du femer die Haare schwarz, wie man erzahlt, wenn du sie damit oft unter der warmen Sonne salbst.

 

25. Ligusticum, das LiebstOckel


Ligusticum (oder Levisticum) hat seinen Namen von der Heimat der Ligurer, weil diese Pflanze dort in gro13ter Menge wachst. Ihr Tugend und Kraft ist erwarrnend und trocknend, im dritten Grad. Die hochste Wirkungsmacht steckt aber in Wurzel und Samen, und zwar gleichstark, und ungeachtet, wie du sie anwenden magst. Mit Wein gen01sen, heilt das Liebstockel einen geblahten Magen, unterstUtzLdie-'~rdauungskraft und hilft auch allen Leiden der Gedarrne, treibt femer den Ham und sorgt fUr geordneten MonatsfluB. Das ganze Kraut, gestampft und in Wein aufgelost, heilt Giftbisse, sobald man's trinkt und dazu einen Teil des gestampften Krautes auflegt. Gegessen und getrunken nUtzt es sehr, wenn man Bauchgrimmen leidet; nicht weniger wenn man die Abkochung der Wurzel trinkt; doch heilt die Abkochung nicht nur das Grimmen; sondem allen bereits genannten Leiden hilft der Trunk. Den Samen mischt man mit Erfolg jedem Antfdotum hinzu, das die Verdauung fOrdem soll, denn im Samen steckt hohe Verdauungskraft (auch ftir die Durchkochung und Aufzehrung der hOsen Korpersafte). Walahfrid Strabo sagt, daB Liebstockel, wenn man es trinkt und an ihm riecht, den Augen schadlich sei, und duldet lediglich, daB man den Samen mit Antidoten (das heiBt also mit zusarnrnengesetzten Mitteln) rnischt; ob er mese Angabe aus sich selbst holt oder aus Btichem anderer Gelehrter, ist mir unbekannt; so viel weiB ich indessen, daB die Alten dies Kfaut mit hohen Lobsprtichen erheben, und kann mich nicht entsinm!n, einen Autor gelesen zu haben, der die Ansichten Walahfrids besttillig.

 

26. Ostrutium, die Meisterwurz


Struthion, oder im Volksmund Ostrutium28 genannt, besitzt warmende, trocknende Kraft. Die Wurzel, gestampft und mit Wein genossen, vertreibt alle Leiden der Leber, hilft Gelbstichtigen und behebt bei einer geschwollenen Milz eine Erhartung und ErstaITUng, welche die Griechen sclfrosis benennen (oder sclerosis). Auf gleiche Weise soli die Wurzel auch die Blasensteine brechen, bringt Monatsregel und HamfluB in Gang und lindert den Husten, hilft auch, haufig getrunken, bei der Orthopnoea (der Atemnot, wo der Patient nur in aufrechter SteHung atmen kann). Und bringt man sie von unten her (mit einem Wollzapfchen) an die Gebtirmutter heran, solI sie die Leibesfrucht abtreiben und reichlich MonatsfluB hervorrufen. Mischt man den Saft mit Starkwein und Mehlmus, so reinigt er, als Salbe verwendet, den Aussatz. Und femer heilst du mit dem Saft, verquickt mit Gerstenstaubmehl, (sagt man) jedwedes BlatterbHischen, sobald du dies Pflaster dem Schmerzensort auflegst. Weiters reinigt der Saft, mit Honig verquickt und durch die Nase hochgesaugt, die Safte, die vom Haupt herunterflieBen; und sein Pulver allein ergibt ein Niesmittel, das, wenn man's in die Nase blast, nicht zogerlicher wirkt als das Veratrum album (oder Elleborus albus: die weiSe Nieswurz)29. Und schlieBIich hilft der Saft ganz wunderbar den GelbsUchtigen, wenn sie ihn in die Nase saugen, gemischt mit Weibermilch.

 

27. Cerefolium, der Kerbel


Der Kerbel (oder Ceref6lium) hat Uberaus wfumende, trocknende Kraft. Tragt man ihn gerieben mit Honig den Krebsgeschwtilste auf, so heilt er diese; mit Wein genossen, pflegt er haufig den RippenfeHschmerz zu beruhigen, vor aHem wenn du auch noch das gestampfte Kraut darUberstreichst; mit Met getrunken, lost er schadlichen Schnupfenschleim; mit 01 gekocht und als Salbe gebraucht, vertreibt er Fieberfrost. Wenn du ihn stampfst und in kraftigem Essig lost, kannst du mit diesem Trunk SpulwUrmer sowie Bandwilrmer vertreiben; mit Wein genossen, fOrdert er den Ham und sorgt fUr ordentlichen MonatsfluB. Verquickst du altes Schmalz und Jungfernwachs mit Kerbel, so heilt oder bessert er nicht allein Mumps, sondern aile Geschwtilste, sofern du die Mischung nur oft genug auflegst. GenieBt man ihn, getunkt in kraftigen Essig, so pflegt er oft das Kotzen und den Durchfall zu bezahmen. Bedeckt man das Schambein mit gestampftern Kerbel und trinkt auch den Saft, so Offnet er die zugestopften Hamwege und schafft freien AbfluB. Durch gesottenen Kerbel wird der Schwindel vertrieben, wenn man das Haupt des Kranken wiederholt mit dem lauen Wasser dieser Abkochung wascht und das gekochte Kraut an Stirn und Schlafen bindet.

 

28. Atriplex, die Melde


Atriplex, die Melde, soll kalt im ersten Grad und feucht im zweiten sein. Ihr GenuB macht den harten Leib weich; sie lost verschiedenartige verhilitete GeschwUlste und heilt die FuBnagel, sofern man sie, roh oder auch gekocht, als Pflaster auflegt; femer zieht sie, hat man sie einmal aufgelegt, verdorbene Finger- und FuBnagel rasch abo Man sagt, sie konne so selbst das heilige Feuer (das Antoniusfeuer) zur Heilung veranlassen. Ferner soll die gestampfte Melde, mit Steinsalz, Honig und Essig verquickt und aufgelegt, die FuBgicht, die aus warmen Korpersaften kommt, zur Milde zwingen. Galen gibt an, daB ihr Samen, mit Wein oftmals genossen, die Gelbsucht behebt.

 

29. Coriandrum, der Koriander

Die Kraft des KOJ;fulder soli abkilhlend sein. Galen gibt an, daB er zugleich trocknende Kraft besitzt, durch welche er Spulwilrmer sowie Bandwilrmer aus dem Leib zu vertreiben pflegt, wenn er gestampft, mit Wein odeI' Essig vermischt, getrunken wird. Mit Rosinen und Honig gestampft und aufgelegt, lindert er allerlei Geschwillste; vorzilglich niltzt diese Arznei den geschwollenen Hoden. Del' Samen soli Durchfall (verfestigen, wenn er mit Wasser oft genossen wird.Nun ein Rezept: Mische Bleiweill mit Silberschaum und stampfe das, gib Koriandersaft und Essig bei, verquicke diese vier Bestandteile mit Rosenol, stampf das alles nochmal, und du erhaltst eine wertvolle Salbe, mit welcher du das Antoniusfeuer und Geschwillste, die von warmem Korpersaft verursacht wurden, schwinden machen kannst. Erscheint dir diese Zubereitung allzu schwierig, niltzt Koriandersaft, nur mit Essig gemischt; und die Krome von reinstem Weizenbrot, mit diesem Saft getrankt, Jindert jegliche Fieberhitze. Wenn du mit diesem Saft alleine Bohnenmehl verquickst und dies den bOsen Halsdrilsen auftegst, so heilst du sie; und auch die heiBen Blatterblaschen weichen diesem Pftaster. Bei zahlreichen Autoren steht zu lesen: genieBt ein Fieberkranker, eh del' Schilttelfrost kommt, drei Komer Koriandersalnen, so entgeht er dem Drittagsfieber. Die gleiche Wirkung bringt es, wenn man Koriander morgens, bevor die Sonne aufgeht, pflilckt und untel'S Kopfkissen des Kranken legt. Xen6krates gibt an, del' MonatsfluB bleibe so viele Tage aus, wie viele Tage eine Frau Korianderkorner iBt. Gewisse Autoren indes warnen vor unausgesetztem GenuB; denn sie glauben, del' bringe den Tod oder jedenfalls Schmerz.

 

30. Nasturtium, die Kresse


Man sagt, daB die Kresse erwarmende, trocknende Krafte besitzt. Daher zahmt ihr Samen, nicht anders als die Raute30 , durch Austrocknung die Liebeskraft, sofem man ihn nur oft genieBt. Stampft man das Krautlein frisch, mengt es mit Sauerteig und legt's so auf, heilt es den Milzbrand (den das Volk »gute Blaschen« nennt); nach derselben Behandlung sWBt ein Furunkel seinen Eiter aus, und mit dem Eiter geht der Schmerz dahin. Kressensaft soil die ausfallenden Haare zurlickhalten, wenn man den Kopf damit bestreicht; und wenn man Zahnweh hat, gieBt man den Safi ins Ohr der Kopfseite, wo der bose Zahn sitzt: das lindert. Kraftiger als das Kraut ist indessen der Samen: er treibt, mit Wein genossen, die Leibesfrucht ab, desgleichen DarmwUrmer und andere Tierchen, die im Bauch ihr Wesen treiben; insgleichen soil er sich den Schlangengiften widersetzen; und wenn man ihn auf heiBe Kohlen legt, vertreibt allein sein Duft sfuntliche Schlangen. Er mildert Milzschwellung, wenn er haufig mit Essig getrunken wird. Kressekraut oder Samen verquickst du mit Staubmehl und Essig; das wird gestampft und der schmerzenden Hilftgicht aufgelegt: aile Gewahrsleute bekraftigen, daB dieses Heilmittel Uber die MaBen nUtzlich
sei. "Der Saft, mit Honig aufgetragen, treibt die Kratze fort; und wenn das Jucken oder scheul3liche fressende Schwaren dein Haupt verunzieren, so rnische gestoBene Kresse mit Ganseschmalz und salbe fleiBig deinen Kopf damit: dann mUssen beide Leiden nachgeben. Kochst du das Kraut oder auch seinen Samen mit frischer Ziegenrnilch und nimmst den Trunk lau zu dir, so muB ein jeder Schmerz, der deine Brust beklemmt, sich legen. Und wenn du eine Drachme dieses Samens in lauem Wasser stampfst und trinkst, so macht er, wie es heiBt, den harten Leib ganz weich. Mit Honig verzehrt, bezahmt der Samen aber deinen Husten.

 

31. Eroca, die Rauke


Die Rauke sei, so heiBt es, mittelmaBig erwarmend, trocknend ein biBchen weniger. Verzehrt man sie, hilft sie, die Speisen zu verdauen; trinkt oder iBt man sie, so vermag sie den HamfluB zu fordem. Besonders nUtzlich ist's fUr Knaben, sie zu essen; femer zahmt sie den Husten; und mit Honig verquickt, solI sie die Haut von Malen reinigen und das Gesicht von Leberflecken. Wenn die Wurzel, gesotten und kraftig gestampft, auf KnochenbrUche gelegt wird, zieht sie die Knochensplitter aus. Nimmt man ihren Samen, gestampft, mit Wein zu sich, soH er alle Arten verderblicher Hiebwunden oder Prellungen heilen. Mit Ochsengalle verquickt und auf die Haut gestrichen, reinigt die Rauke schwarze Muttermale. Ich weiB, ich kUnde Wundersames, doch ich sprech es aus: mit Wein in reichste~a'B genossen, solI die Rauke so abharten, daB man Schlage nicht fUhlt. Mischt ein Koch seiner GemUsebeilage dieses Kraut oder den Samen zu, so solI der liebliche Geschmack ganz Uberragend ausfallen; die Griechen nennen deswegen Enica, also die Rauke oder das Senfkraut: »Euzomon«, das ist das gute Suppenkraut31; anders verstanden heiBt es auch »Euchimum«, weil der Saft32 gar so guten Geschmack hat. Und viele Arzte und Poeten bekunden Ubereinstimmend, daB die Enka, iBt und trinkt man sie, die Liebeskraft gewaltig starkt33. Besonders heilsam ist dies Kraut, wenn man's mit Lattich gemeinsam genieBt; denn die warmende Kraft der Rauke und die kUhlende Tugend des Lattichs ergeben eine angenehme Ausgeglichenheit.

 

32. Papaver, der Mohn


Die Kraft des Mohns34 soil kalt und trocken sein. In drei Arten teilt man ihn ein: in Mohn mit weiSer BlUte35, in Mohn mit rosenfarbener BIUte36, und drittens in den kleinen Mohn mit der bleichroten Bltite, den das Volk Feldmohn nennt? Der yomehmste yon allen ist der Mohn mit der wei Sen BIUte: aus seinen zarten Kopfchen gewinnt man Opium; dazu schneidet man in die Haut leicht ein und fangt die ausflieSende Milch mit Schneckenhausem auf, trocknet sie und bewahrt sie wohl; denn sie ist ein geeigneter Bestandteil yerschiedener Arzneimittel und zahlreicher Antidota. F.s gibt auch Leute, die die Mohnkopfe mitsamt der Milch zerstoSen und zerstarnpfen und die so ausgepreSte Fltissigkeit dann an der Sonne trocknen; jedoch die Krafte dieses Saftes38 stehen im zweiten Rang nach denen der yorher genannten Milch. Von der anderen Art des Mohns, Uber die ich sagte, sie trage rosenfarbene BIUten, zerstoSt und zerstampft man die Samen und gewinnt 01 daraus, mit auSerordentlich erfreulichem Geschmack und Schlumrner bringend. Die dritte Art, mit bleichroter BlUte und schwarzem Samen, gewahrt, wenn man sie trinkt, denScl1Iumrner wie die beiden anderen. f Jede der drei Mohnarten mag der Kranke brUhen und in lau erwtirmendem Wickel seinem Angesicht auflegen oder als Trunk zu sich nehmen: er wird stets den gewtinschten Schlummer finden, es sei denn, der Tod steht bereits vor der TUr (dann narnlich kommt der Todesschlat). GenieSt man den Samen des schwarzen Mohns mit Wein als Trunk, soll er den Leib zusammenziehen und den Durchfall hemmen, auf gleiche Weise auch den MonatsfluS; femer fUhrt er als Trunk den Schlaf herbei und zahmt den bosen Husten. Indessen dUrfen Mohnsamen nur im Gewicht eines Denars gebraucht werden; denn nimmt man mehr, bringt das die Schlafsucht, oftmals gar den Tod. Bereitet man aus den gestampften Blattem ein Pflaster, soli das in ganz hervorragender Weise den geschwollenen Schlund heilen sowie das heilige Antoniusfeuer IOschen. Sind deine Stimmbander durch Kalte, Speise, Trank und heiBe Witterung sowie durch Gesang rauh geworden, macht sie die Anwendung von Mohn bald wieder sanft und glatt. Der weiBe Mohn (oder die weiSe Art Meconium, denn so heiBt Papaver in griechischer Sprache) ist weitaus vomehmer und nlitzlicher als die zwei anderen. Sobald aus den Kopfchen des weiBen Mohns die Milch flieBt (weil sie beginnen, reif zu werden), pfllickt man einige ab und kocht diese in Wasser, dem man Honig im dritten Teil beimischt; das alles siedet man, bis die Abkochung dick wie Honig ist; in diesem Zustand kann man sie flir mannigfache Anwendungen aufbewahren. Trinkt man die Abkochung, bringt sie den Schlaf, vertreibt den Husten, schlitlt Magen und Leib vor UnregelmaBigkeiten (wie Durchfall) und trocknet einen hOsen SaftefluB den Stimmbandem aus. Das Opium, das du, wie ich gelehrt habe, aus den zarten Kopfchen des wei Ben Mohns gewinnst, mischst du mit Rosen01. Salbst du damit das Haupt, behebst du allen Schmerz und bereitest die Ruhe des Schlummers. Gib vorgenannten Ingredientien noch die duftenden Wurzeln des Safran hinzu und traufle diese Salbe in die Ohren: sie heilt allen Schmerz. Und wenn du diese Mischung noch mit Weibermilch und Safran stampfst, kannst du durch solche Einsalbung die FuBgicht, die aus warmen Korpersaften kommt, zur Mildezwingen. Dem After aufgetragen oder als Zapfchen verwendet, pflegt sie den Schlaf herbeizufUhren, und zwar soli diese Wirkung allein ihrem Duft (bzw. Brodem) zu verdanken sein.

 

33. Cepa,

die Zwiebel Uber Cepa, die Zwiebel, scheinen die Arzte nicht einerlei Meinung zu sein. Denn Dioskurides erklart, daB sie aufblahe und das Haupt beschwere und nach ihrem GenuB den Durst entzlinde; Galen sagt, sie sei schadlich fUr Menschen gelbgalliger Komplexion, flir Leidende an zuviel WeiBschleim sei sie indes hochst heilsam39 ; Asklepius hinwiederum, der Autor, gibt bekannt, daB sie dem Magen Uberaus gut tut; femer versichert er, sie bringe schone Hautfarbe, sofem man sie nur anblicke, und fUgt hinzu: wer jeden Morgen nUchtem Zwiebeln iBt, der lemt sein Leben lang den Schmerz nicht kennen. AIle zusammen geben kund, daB die Zwiebel, wenn man sie iBt, den Schlummer bringt, femer daB sie heilsam den harten Leib erweicht. Mit Honig und Essig gestampft und aufgelegt, macht sie, daB Hundebisse heilen; andere koch en sie zuerst mit Wein und Honig; sind drei Tage vorbei, lOst man das Pflaster wieder abo Dioskurides lehrt, Zwiebel mit Raute auf Schlangenbisse aufzulegen; das helfe vie!. Der Zwiebelsaft, mit Weibermilch gemischt und so ins Ohr getraufelt, vertreibt oftrnals auch schwere Ohrenschmerzen. Mit Wasser gemischt und getrunken, ist er vonnutzen, wenn ein plotzlicher Krankheitsanfall den Leidenden verstummen macht und ihm die Sprache raubt. Zieht man den Zwiebelsaft nur in die Nase hoch, zwingt er die bOsen Safte, aus dem Haupt zu weichen. Gegessen wie getrunken, ruft die Zwiebel zogemden MonatsfluB zur prdnung. Wundgelaufene FUBe, hervorgerufen durch die Havk der Schuhsohlen, heilst du mit Zwiebelsaft, den du sehr gut mit HUhnerschmalz verquickst. Wer jeden Morgen sich die Zahne reibt mit Zwiebelsaft, der wird, so sagt man, niemals Zahnschmerz ftihlen. Mit Brat genossen, heilt die Zwiebel Geschwtire des Mundes; wer sie gekocht, in 01 getunkt, verzehrt, bringt den beiBenden Schmerz, der den Blutstuhl begleitet, zur Ruhe. Wenn du ein Haupt, yom Haar entbloBt, an seinen kahlen Stellen mit gestampfter Zwiebel fleiBig reibst, kannst du die Zierde dieses Hauptes wiederherstellen. Die Zwiebel hilft femer bei Mundgeruch, bei Abscheu und Ekel vor Speise; es soli sogar gut sein, sie in gestampfter Form Haemorrhoiden aufzulegen. Ihr Saft, gemischt mit Honig, macht die trtiben Augen hellsichtig; und mit Essig gemischt, pflegt er die Male auf der Haut zu tilgen, du muBt sie nur oft genug einreiben.

 

34. Buglossa, die Ochsenzunge


Die Ochsenzunge (lingua bovina) heiBt in griechischer Sprache Bugl6ssa. Mit Wein haufig genossen, treibt sie die rote Gelbgalle, welche durch UbergroBe Fieberhitze angesengt ist (sodaB sie mit der Schwarzgalle verwechselt werden kann, weshalb sie besonders geHihrlich wird) reinigend aus dem Karper. Und falls ein Ubermal3 an schwarzer (das heil3t durch Hitze angesengter) Gelbgalle zur Herzerstickung fUhrt, kann Ochsenzunge wieder, auf gleiche Art genossen, hilfreich sein. Ferner zieht sie, wenn man sie trinkt, schadliche Safte aus der Lunge. Und trinkt er ihren Saft mit Lauwasser gemischt, erleichtert sie ganz wunderbar den HUftgicht Leidenden. Ferner bewahrt der Trunk von Wein, in welchem Ochsenzunge eingeweicht ist, die Gedachtnisstarke des Gehirns, wie erfahrene Ante versichern. Und wird die Abkochung der Ochsenzunge beim Festmahl au~gesprengt, so macht sie alle Gaste heiteren Sinnes. 35. Sinapis, der Senf Unter den Krautern, welche Pythagoras lobte, soil er, wie uns versichert wird, Sinapis (oder Sinape), also dem Senf, ersten Rang zugewiesen haben. Erwarmend und trocknend ist Senf im vierten Grad. Deshalb verdUnnt er zahklebrige Safte (die Rede ist yom Weil3schleim) und zieht sie abo Ja, er verbrennt40 ; sogar die Haut; so grol3 ist die Macht seiner Warme; und zwar soli seine gral3te Wirkungskraft im Samen stecken. Geniel3t man ihn, scharft er die Sinne, wirkt auf den Leib abfUhrend, zerreibt Nieren- und Blasensteine, purgiert durch den Ham und sorgt fUr geordneten Monatsflul3. Wenn du ihn stampfst, mit Lauwasser verrruschst und im Mund unterm Gaumen bewegst, reinigt er, sobald du auch noch in die Sonne trittst, das Haupt yom schadlichen Weil3schleim. Gibt man ihn Niesmitteln hinzu, so ist das heilsam, denn durch Senf wird jede belastende FUlIung des Hauptes mit Saften gelast. Verzehrt man ihn, starkt er den Magen und beruhigt das Keuchen; gestampft, in Essig eingeweicht und aufgelegt, heilst du den Schlangenbil3 mit dieser Medizin. Il3t man ihn, hindert er femer verderbenbringende Pilze~1 daran, die Eingeweide zu beschadigen. Ich habe oben~2 Gchon gesagt, dal3 er durch seine allzu erwarmende Kraft die Haut verbrennt; doch diese Brennkraft ist fUr viele Leiden nUtzlich: durch sie wird baser Saft im Haupt hinweggetrocknet, welcher den Augen schadet, sodann herabtrieft und die Lunge innerlich verletzt, femer Husten erzeugt und Magenleiden und schlie131ichdie Sehwindsucht. Doeh aueh der altersfeste Schenkelschmerz, den man auf Grieehisch sciasis (riehtig: isehfasis), die HUftgicht, nennt, wird durch die blasenziehende Erwannungskraft des Senfs aus dem Karper gelockt; die harte Milz- und Leberschwellung wird vertrieben; und Uberhaupt wird altverstockten Leiden durch diese Wirkung sehr geholfen. WeiI das nun zu bespreehende Senfpflaster, welches so vielen Krankheiten zugute kommt, von den Arzten in seiner Herstellung vielfaeh verandert wird, will ieh hier darstellen, wie der Autor Menemachus das Senfpflaster bereiten lal3t: Gib Senfkamer in einen kleinen Marser, stampfe sie gut und fuge die Krume von Weil3hrot hinzu, in dem Verhaltnis, dal3 ein Drittel der Misehung aus Weil3brot bcsteht; hierauf verquicke sie mit Darrfeigen, Honig und Essig; nimm aber nur so viel, wie das Alter des Kranken und sein Leiden erfordert; denn je mehr Darrfeigen "-Und-Honig das Pflaster enthalt, desto scharrer pflegt es zu sein; urn so schwacher dagegen, je mehr du Brat und Essig beigibst. Nun sieh mir diese Zubereitung nieht als wohlfeil oder allUblich an: ich warne dich! Denn ihre Wirkung habe ich bei vielen Leidenden bewahrt erfunden! Indessen darf man dieses Pflaster aueh nieht platterdings bei allen Krankheiten auflegen; sondem ieh ordne an, es selten nur, in schwierigen und altverstoekten Fallen namlieh, anzuwenden. Plinius gibt die Vorschrift, Senfwurzeln und Senfkamer in Most zu versenken, weil er glaubt, dal3 der Wein, der aus dem Most entsteht, nachdem er alle Kraft aus dem Senf aufgenomrnen hat, sehr heilsam sei, wenn man ihn trinkt, fUr Schlund und Magen; ferner, sagt Plinius, tut er den Augen gut und nUtzt bei vielerlei Arten von Kopfbeschwerden. Andere Ante und Gewal1rsleute bereiten aus den Senfkomem ein 01, welches bei Lendenleiden Nutzen bringt sowie desfalls, wenn aus den Muskeln das GefUhl verlorengeht. Und preBt man aus dem zarten BIatterwerk der Senfpflanze den Saft heraus, trocknet ihn und verzehrt ihn dann, kann man Zahnschmerzen in die Flucht schlagen. Die Autoren versichem weiterhin, daB der GenuB von Senfkomem gereizte Stimrnbander besanftige. Mit altern Schmalz zerstoBen und zerstampft, beseitigen die Komer bOse Halsdrlisen, sobald man diese Mischung auflegt. Und auch ihr Rauch solI FallsUchtigen sehr gut tun sowie Beschwerden der Gebarmutter durch Austrocknung der bOsen Safte lindem. Gestampft mit Feigen, legt man Senfkomer auf das geschome Haupt der Kranken, die an Schlafsucht leiden; dies ist ein gutes Heilmittel; oder du salbst und reibst wiederholt ihre FUBe damit. Wenn du die Komer stampfst mit Honig oder Schmalz, und Salbe daraus machst, hilft sie, sofem du sie haufig auftragst und einreibst, dem raudigen Haarausfall (alopecia); mit Starkwein angemacht, reinigt die Salbe gar den Aussatz. Und verzehrt man die Senfkomer, I bevor der schreckliche SchUttelfrost eintritt, kann man auch noch das Wechselfieber heilen. 36. Caulis, der KoW Der Kohl, in der Sprache der Romer Caulis, heiBt bei den Griechen Brassica. Obgleich Kohl weit und breit in allen Garten wachst, ist sein Gebrauch doch heilbringend bei vielen Leiden. Cato bezeugt, daB die Romer sechshundert Jahre lang schon Kohl als Medizin benutzten, ehbevor durch die Arzte Roms die Anwendung von Kohl als Medizin beschrieben wurde. So bot den Romem in der alten Zeit ihr Garten Speise und Arznei. Zur Heilung frischer Wunden allerdings, stellt Cato fest, sei Kohl weniger fOrderlich als fUr die alten, eingefleischten und die I KrebsgeschwUIste; doch schreibt er vor, den Krankheitsort werst mit Was

 

35. Sinapis,

der Senf Unter den Krautern, welche Pythagoras lobte, soil er, / wie uns versichert wird, Sinapis (oder Sinape), also dem Senf, ersten Rang zugewiesen haben. Erwarmend und trocknend ist Senf im vierten Grad. Deshalb verdUnnt er zahklebrige Safte (die Rede ist yom Weil3schleim) und zieht sie abo Ja, er verbrennt40 ; sogar die Haut; so grol3 ist die Macht seiner Warme; und zwar soli seine gral3te Wirkungskraft im Samen stecken. / Geniel3t man ihn, scharft er die Sinne, wirkt auf den Leib abfUhrend, zerreibt Nieren- und Blasensteine, purgiert durch den Ham und sorgt fUr geordneten Monatsflul3. Wenn du ihn stampfst, mit Lauwasser verrruschst und im Mund unterm Gaumen bewegst, reinigt er, sobald du auch noch in die Sonne trittst, das Haupt yom schadlichen Weil3schleim. Gibt man ihn Niesmitteln hinzu, so ist das heilsam, / denn durch Senf wird jede belastende FUlIung des Hauptes mit Saften gelast. Verzehrt man ihn, starkt er den Magen und beruhigt das Keuchen; gestampft, in Essig eingeweicht und aufgelegt, heilst du den Schlangenbil3 mit dieser Medizin. Il3t man ihn, hindert er femer verderbenbringende Pilze~1 daran, die Eingeweide zu beschadigen. / Ich habe oben~2 Gchon gesagt, dal3 er durch seine allzu erwarmende Kraft die Haut verbrennt; doch diese Brennkraft ist fUr viele Leiden nUtzlich: durch sie wird baser Saft im Haupt hinweggetrocknet, welcher den Augen schadet, sodann herabtrieft und die Lunge innerlich verletzt, femer Husten erzeugt und Magenleiden und schlie131ichdie Sehwindsucht. / Doeh aueh der altersfeste Schenkelschmerz, den man auf Grieehisch sciasis (riehtig: isehfasis), die HUftgicht, nennt, wird durch die blasenziehende Erwannungskraft des Senfs aus dem Karper gelockt; die harte Milz- und Leberschwellung wird vertrieben; und Uberhaupt wird altverstockten Leiden durch diese Wirkung sehr geholfen. WeiI das nun zu bespreehende Senfpflaster, / welches so vielen Krankheiten zugute kommt, von den Arzten in seiner Herstellung vielfaeh verandert wird, will ieh hier darstellen, wie der Autor Menemachus das Senfpflaster bereiten lal3t: Gib Senfkamer in einen kleinen Marser, stampfe sie gut und fuge die Krume von Weil3hrot hinzu, in dem Verhaltnis, dal3 ein Drittel der Misehung aus Weil3brot bcsteht; / hierauf verquicke sie mit Darrfeigen, Honig und Essig; nimm aber nur so viel, wie das Alter des Kranken und sein Leiden erfordert; denn je mehr Darrfeigen "-Und-Honig das Pflaster enthalt, desto scharrer pflegt es zu sein; urn so schwacher dagegen, je mehr du Brat und Essig beigibst. / Nun sieh mir diese Zubereitung nieht als wohlfeil oder allUblich an: ich warne dich! Denn ihre Wirkung habe ich bei vielen Leidenden bewahrt erfunden! Indessen darf man dieses Pflaster aueh nieht platterdings bei allen Krankheiten auflegen; sondem ieh ordne an, es selten nur, in schwierigen und altverstoekten Fallen namlieh, anzuwenden. Plinius gibt die Vorschrift, Senfwurzeln und Senfkamer in Most zu versenken, weil er glaubt, dal3 der Wein, der aus dem Most entsteht, nachdem er alle Kraft aus dem Senf aufgenomrnen hat, sehr heilsam sei, wenn man ihn trinkt, fUr Schlund und Magen; ferner, sagt Plinius, tut er den Augen gut und nUtzt bei vielerlei Arten von Kopfbeschwerden. Andere Ante und Gewal1rsleute bereiten aus den Senfkomem ein 01, / welches bei Lendenleiden Nutzen bringt sowie desfalls, wenn aus den Muskeln das GefUhl verlorengeht. Und preBt man aus dem zarten BIatterwerk der Senfpflanze den Saft heraus, trocknet ihn und verzehrt ihn dann, kann man Zahnschmerzen in die Flucht schlagen. Die Autoren versichem weiterhin, daB der GenuB von Senfkomem gereizte Stimrnbander besanftige. Mit altern Schmalz zerstoBen und zerstampft, beseitigen die Komer / bOse Halsdrlisen, sobald man diese Mischung auflegt. Und auch ihr Rauch solI FallsUchtigen sehr gut tun sowie Beschwerden der Gebarmutter durch Austrocknung der bOsen Safte lindem. Gestampft mit Feigen, legt man Senfkomer auf das geschome Haupt der Kranken, die an Schlafsucht leiden; dies ist ein gutes Heilmittel; / oder du salbst und reibst wiederholt ihre FUBe damit. Wenn du die Komer stampfst mit Honig oder Schmalz, und Salbe daraus machst, hilft sie, sofem du sie haufig auftragst und einreibst, dem raudigen Haarausfall (alopecia); mit Starkwein angemacht, reinigt die Salbe gar den Aussatz. Und verzehrt man die Senfkomer, I bevor der schreckliche SchUttelfrost eintritt, kann man auch noch das Wechselfieber heilen.

 

36. Caulis,

der KoW Der Kohl, in der Sprache der Romer Caulis, heiBt bei den Griechen Brassica. Obgleich Kohl weit und breit in allen Garten wachst, ist sein Gebrauch doch heilbringend bei vielen Leiden. / Cato bezeugt, daB die Romer sechshundert Jahre lang schon Kohl als Medizin benutzten, ehbevor durch die Arzte Roms die Anwendung von Kohl als Medizin beschrieben wurde. So bot den Romem in der alten Zeit ihr Garten Speise und Arznei. Zur Heilung frischer Wunden allerdings, stellt Cato fest, sei Kohl weniger fOrderlich als fUr die alten, eingefleischten und die I KrebsgeschwUIste; doch schreibt er vor, den Krankheitsort werst mit Wasser oder lauem Wein zu waschen, und. hierauf dann alltaglich und zweimal jeden Tag rohen, gestampften Kohl daraufzulegen. Ferner schreibt Cato vor, das Mehl, das aus Gerste gewonnen wird, mit Kohl zu mischen, sowie noch Raute auch und Konander / und ein wenig Salz; dies alles stampft und mischt man dann und legt's Catos Weisung gemaB der schrecklichen FuBgicht als Pflaster auf. Weiters gibt Cato an, daB Kohl Krankheiten der Gelenke heilt und Fisteln und verrenkten Gliedem hilft und daB er aile Arten von Geschwtilsten, wenn man ihn nur darauflegt, lindem kann. / Wer Kohl zu sich nimmt und sodann den eignen Ham erhitzt, erhalt nach Catos Meinung ein erfolgreiches, da geeignetes Mittel gegen Muskelschmerzen; und wenn mit diesem Ham Knaben haufig gewaschen werden, ist dies, versichert er, ihrer Gesundheit auBerst forderlich. So viel sagt Cato, urn den Kohl zu preisen43 Es heiBt, daB auch Chrysfpp ein Blichlein libel' dieses Kraut und seine Kraft geschneben hat. Jedenfalls stimmen samtliche Autoren in del' Behauptung liberein, daB Kohl die trliben Augen abwischt und hellsichtig macht, wenn man ihn immer wieder grUn verzehrt. Ferner mehrt sein GenuB die Muttermilch in den BrUsten, sorgt fUr geordneten MonatsfluB und unterstlitzt den Magen bei seiner Kochung und Verdauung del' ihm zugefUhrten Speisen. / 113tman Kohl stark gekocht, verlangsamt er den Durchgang durch den Bauch; doch il3t man ihn halbroh, lost er den Leib und wirkt abfUhrend; und if3t man ihn ganz roh und mit Essig benetzt, flihrt er eine geschwollene Milz ins Maf3 zurUck. Sein Samen treibt die Leibesfrucht abo Kochst du Kohl gut mit altern Schmalz / und gibst Rosenol bei nach Bedarf, so lindert diese Zubereitung, legt man sie einem heif3en Magen oder anderen leidenden Korperteil auf, die allzu grol3e Ficberhitze. Verquickst du Kohl mit Saueressig und mit Alaun, das nicht zerschnitten sei, und stampfst dies lange Zeit, bis daraus eine Masse wird, kannst du damit den Aussatz zahmen und viele andre Male auf del' Haut, wenn du sie haufig genug salbst mit diesel' Masse; du kannst sogar die ausfallenden Haare so zurlickhalten. Ferner soli diese Anwendung geschwollene Hoden heilen und viele andere Leiden del' Geschlechtsorgane; / und ihre Wirkung ist noch besser, wenn du die vorgenannten Ingredientien mit gekochten Bohnen verquickst. ZerstoBen und zerstampft mit Griechisch Heu und Essig hilft Kohl, bei Gichtkrampfschmerzen angewandt, sehr viel; auch FuBgicht kann dies Pilaster ausnehmend gut beheben. / Kohlasche, gut gestampft mit altern Schmalz, bringt Linderung bei alten, eingefleischten Hilft- und Schenkelschmerzen: der Geldwert dieser Arznei ist geting, ihre Heilkraft dagegen graB. Trinkt man Kohlsamen, in Essig gemischt, pflegt er die Tierchen, die im Bauch ihr Unwesen treiben, zu vetjagen. / Ferner nimmt man die Asche der verbrannten Kohlwurzeln und filhrt sie an das Rachenzapfchen, wenn es lastend herniederhangt, von unten; die Asche trocknet es und hebt es wieder hoch. Kaust du den grilnen Kohl mit deinen Zahnen und schluckst den Saft, hilft er, wie die Autoren uns versichern, der rauhen Stimme wieder auf; doch traufelt man ihn in die Nase ein, so reinigt er das Haupt. / Wer vor dem Trinken Kohl genieBt, wird kaum Trunken- heit spilren. Und Mel1cius schliel3lich spricht, daB eine Kohlwurzel, die aus der Erde ausgezogen wurde und diese dann nicht mehr berilhrte, wenn man sie urn den Nacken hangt, aBe Beschwerden urn das Rachenzapfchen gleich vertreibt.

 

37. Pastinaca, die Mohre


Die Kraft der Pastimka oder Mohre sitzt nur in Samen und Wurzel. Kochst du die Wurzel in Met, wird diese Abkochung viel Nutzen bringen: trinkt man sie, lindert sie die Beschwerden von Milz und Leber, behebt auch die Schmerzen der Lendenleidenden. Kochst du diese Wurzel in Milch, hilft ihre Abkochung / Asthrnatikern, seien sie noch so altverstockt und langleidend, auch Durchfallkranken. Die Wurzel, urn den Hals gehangt, zahmt Hodengeschwillste, wie einige Autoren sagen. Ferner solI, wer die Mohre mit sich tragt oder iBt, durch keine Schlange Schaden nehmen konnen. / Reichlich genossen, entzilndet sie sogar den Liebestneb. Wenn du mi t Mohrenwurzel deine Zahne ringsum reibst, solI auch der gewaltigsteZahnschmerz sehr haufig so erleichtert werden.Trinkt man Mohrensamen mit Wein, zlihmt er die Wirkung der schrecklichen Skorpionstiche. / Ebenso soli auch die Aufschwellung des weiblichen Unterleibes zu heilcn sein, welche die Frau schwanger erscheinen IliBt. Und legt man den Samen gestampft mit Honig auf, hilft er bei Krebs. Ubrigens hat die Pastinaca ihren Namen yom lateinischen »pastus «, das heiBt Futter, welches sie zur VerfUgung stellt; denn keine Wurzel sonst ergibt eine bessere Speise.

 

38. Origanum, der Dost


Origanum, der Dost, soli erwfumender, trocknender Kraft sein, und zwar wird ihm jeweils der dritte Grad verliehen. Die Abkochung, in Wein genommen, heilt aile verderblichen Bisse, wenn man sie haufig trinkt; mit Met hilft Dost, falls jemand Aconitum, das ist Eisenhut oder Wolfswurz, genossen hat; / und eben so widersetzt er sich auch vielen anderen Giften. Gegessen und oftmals getrunken, heilt er Prellungen; femer zlihmt er die Wassersucht, wenn man ihn trinkt, und vertrocknet GeschwUlste. Mit Met genossen, solI er schwarze (das heiBt durch Fieberhitze angesengte) Gelbgalle zum Weichen zwingen, sofem er im Gewicht eines oxifalum (oder besser oxybaphon, das heiBt eigentlich: EssigfaB) genommen wird. / Getrunken oder gestampft aufgelegt, mindert er Uberstarken MonatsfluB; die gleiche Wirkung hat er, wenn die Frau das Kraut kocht und als warmenden Wickel gebraucht. Gepulvert mit Honig genossen, treibt er Husten zurUck. Juckreiz, Kopfgrind und Male auf der Haut behebt der Dost zusamt, wenn man mit seiner Abkochung die Korperstellen haufig wascht. / Ferner bessert die Abkochung, sofem man sic mit Waschwasser vermischt gebraucht, mit dem man seinen Korper pflegt, die GelbsUchtigen. Nimmt man den Saft des grUnen Krautes ein, heilt er durch seine Trocknungskraft die Schwellungen des Rachenzapfchcns und des Schlundes; behlilt man diesen Saft im Mund, heilt er Wunden im Mund; und mischt man ihn mit Lilienol und traufelt ihn der Nase ein, / zwingt er das bose Blut im Kopf, hinauszuflieBen; traufelt man ihn, mit Milch vermischt, ins Ohr, stillt cr den Ohrenschmerz. Man setzt den Saft, mit Zwiebeln und Sumach gemischt, der Sonneaus, und zwar zur Zeit, da Sirius, der Hundsstem, brennt; man HiBt ihn vierzehn Tage stehen in der heiBen Luft; / und wird dann diese Zubereitung unters Bett getan, vertreibt sie, wie man hart, aile schadlichen Tierchen. Wenn jemand, gleich von welcher Krankheit her, eine zogerliche Verdauung hat, bringt Dost, sofem man ihn mit WeiBwein nimmt, schnell Hilfe; und daB er mit Warmwasser einen beiBenden Magen sanftigt, ist bewahrt. / Mit Saft des Dosts, gemischt mit 01 und Essig, trankt man ein Leinlaken und legt's verrenkten und zersto- Benen Gliedern auf; das tut ihnen sehr gut. Ferner treibt er den Ham, wenn man ihn trinkt, und befOrdert die SpulwUrmer hinaus; und wenn man ihn lang mit den Zahnen kaut, pflegt er sogar den Zahnschmerz zu veIjagen. / Allen Eingeweiden tut das Trinken des Safles gut; und wenn man darin eine Feige stampft und ihn dann trinkt, soli er die Poren offnen und den SchweiB hervorrufen. Legt man schlieBlich den Saft, gemischt mit staubfein gemahlenem GrieB, auf die Schenkel, so vertreibt oder mindert er jedenfalls oft ihren drUckenden Schmerz.

 

39. Serpillum, der Quendel

Den Quendel nannten die Alten SerpiJIum44 , weil er der Erde nahe bleibt, indem er auf ihr kriecht (und »kriechen« heiBt lateinisch »serpere «). Seine Tugend und Kraft ist erwarmend und trocknend. Koch ihn mit Starkwein und zerstampf ihn mit 01, das von der Rose seinen Namen hat, also in Rosenol, und streich diese Salbe auf die Stirn eines Kopfwehkranken: du wirst den Schmerz stillen. / Der Geruch des verbrannten Quendels treibt alle Schlangen in die Flucht, Uberhaupt jedes Tier, welches zugleich mit seinem BiB Gift in die Wunde traufelt. Aus diesem Grund haben die Schnitter die Gewohnheit, ihren Speisen stets Quendel beizumischen, damit sie, wenn sie etwa mUde werden und der Schlummer sie niederwirft, vor schlidlichen GiftwUrmern sicher ruhen konnen. Trinkt man Quendel und legt ihn auf, hi 1ft er bei verderben bringenden Bissen; trinkt man ihn haufig, mit Essig gcmischt, treibt er den Ham, stillt Bauchgrimmen und hilft der Milz. Verquickt man damit auch noch Honig, pflegt dieser Trank den Blutspeienden wunderbar zu helfen. I Trinkt man Quendel mit Wein, soli er den Leberschmerz beruhigen, femer sorgt dieser Trunk fUr geordneten MonatsfluB.

 

40. Viola, das Veilchen


Weder die Pracht der Rose noch die Lilie45 kann die duftenden Veilchen Ubertreffen in Gestalt und Geruch und Wirkungsmacht. Ihre Tugend wird als kalt und Feucht im ersten I Grade eingestuft. Ferner liest man, daB es drei Arten Veilchen gibt, die wir nur an dem Unterschied der BIUte fassen konnen; denn es gibt purpurfarbene, weiBe und schwarze. Als Medizin verwandt, haben aile jedoch beinah die gleiche Wirkungskraft. Stampft man also die Veilchen und legt sie auf, lindem sie entzUndete Karperstellen. IDem, der getrunken hat und nun am Rausch leidet sowie an schwerem Kopf, dem veIjagt diese Qual der Duft von Veilchen: er braucht an ihnen nur zu riechen oder sein Haupt mit ihnen zu bekranzen. Auch die Halsgeschwulst heilen sie, in Wasser aufgelast und eingenommen. Das Purpurveilchen oder Marzveilchen soli ganz besonders fallsUchtige Knaben heilen, wenn sie es, mit Wasser gemischt, zu sich nehmen. I Veilchenwurzel muBt du mit Myrrhe und Safran stoBen und stampfen; dann lege sie die Nacht hindurch den entzUndeten Augen auf. Mit Salbe aus gestampften Veilchenblattem und Honig kannst du fressende KopfgeschwUre heilen; und wenn du auch noch Essig dazu tust und ein Pflaster bereitest, wird jede Sammlung baser Safte, die zu einer Anschwellung fUhrt, vergehen mUssen. I Gesotten und gebrUht heilen Veilchen eine Geschwulst der Gebarmutter, in lau erwarmendem Wickel mehrfach angewandt. Schrunden im After, die der griechische Arzt Rhagaden nennt, beseitigen Veilchen, mit Wachssalbe vermischt und haufig aufgebracht. Und BlatterbIaschen, wenn sie vorkommen, heilst du, wenn du Veilchen mit Honig verquickst und diese Salbe auftragst. / Veilchensamen mit Wein fUhren geordneten MonatsfluB herbei. Die Wurzeln, gestampft und mit Essig vermischt, trocknen die Milz, wenn man die Mischung trinkt oder der Milz auflegt; auf gleiche Weise solIen sie die FuBgicht, die aus warmen Korpersaften kommt, zur Milde zwingen. / Trinkt man das grUne Veilchenkraut oder die BIUte, trocken oder frisch, treibt sie die rote Gelbgalle (welche durch UbergroBe Fieberhitze angesengt ist, sodaB sie mit der Schwarzgalle verwechselt werden kann, weshalb sie besonders gefahrlich ist) reinigend aus dem IMagen aus. Und wenn man sie mit frischem Wasser trinkt, mildert :e sie alle Krankheiten, aus roter Gelbgalle oder aus Blut entstanden, ~r 1345 die an den falschen Rippen oder gar in den Lungen sitzen46 • Ebenso m geht man gegen Kinderhusten vor sowie gegen das Keuchen. " I e, / Aus den Veilchen gewinnt man 01, genau wie aus den Rosen1h blUten47, nUtzlich bei vielen Krankheitsf:.illen: ins Ohr getraufelt, hilft das Veilchenol gegen Ohrenklingen und Sehmerz, nUtzt auch dem It- Haupte allgemein, an welchem Sehmerz es immer leiden mag, inundem es lind abkUhlt und den Korper im Sehlummer lost. / Eingeler traufelt, getrunken oder als Salbe gebraueht, totet es Spulwurmer;in aueh Sehuppen oder Kleie auf dem Kopf kannst du mit diesem 01 ;ie, vertreiben. Falls zuf:.illig ein Schadelknochen durch einen Schlag eingedellt allworden ist, so sehlimm, daB der Betroffene seine Sprache verloren ieh hat, so mache, daB er erst einmal gestampfte Veilchen mit Wein zu kn sich nimmt; / danach binde, wenn seine reehte Kopfseite beschadigt tenist, gestampfte Veilchen unter die linke FuBsohle; und umgekehrt nig geh vor, sofem die linke Kopfseite zerhauen ist: dann springt der ~eh Sehadelknochen an die alte Stelle zuruck, und am namliehen Tag :lser kehrt aueh die Sprache wieder, wie der Arzt Justus uns tradiert, der lten 1360 dieses aufgesehrieben hat. , in / Noch eine zweite Wunderkraft des Veilchens wird uns Uberlie- fter, fert: behalt man die Wurzel eines weiBen Veilchens im Munde und mit schluekt langsam und haufig ihren Saft, solI dies nach kurzer Zeit auch eine unmaBig blutende Wunde stillen. Plinius librigens gibt an, dies sei die Kraft del' Liquiritia, des SliBholzes.

 

41. Aristolochia, die Osterluzei oder Hohlwurz


Aristol6chia odeI' Osterluzei tritt in drei Arten auf: die erste heiBt Lange Osterluzei, weil ihre Wurzel lang ist; die zweite nennt man Runde Osterluzei wegen del' runden Wurzel; die dritte Art heiBt in griechischer Sprache Clematis48 Letztere soli an Wirkungskraft del' Runden Luzei beinah gleich sein. / Allesamt haben sie warmende, trocknende Tugend, und zwar im ersten Grad trocknend, und warmend im zweiten. Zunachst zur Runden Luzei: Mit Wein genossen, heilt sie verderbliche Bisse und hilft auch, wenn ein Gift schon aufgenommen ist; ebenfalls treibt sie, so genossen, eine zogemde Nachgeburt hinaus. / Mit Pfeffer und Myrrhe verquickt, nach einer Kindsgeburt getrunken, reinigt sie die Gebarmutter von jederlei faulenden Rlickstanden; man kann sie auch (mit einem Wollzapfchen) von un ten einfUhren49 femeI' tut diesel' Trunk den Asthmatikem gut und vertreibt Fieberfrost; und mit Wasser genossen, hilft sie dem Rippenfellschmerz. Hast du dir SpreiBel odeI' Dornen eingezogen, treibt die Runde Luzei diese aus, wenn du sie stampfst und auflegst; / und Wunden reinigt sie und fUllt sie aus, wenn du sie noch mit Honigseim vermischst. Gibst du den vorgenannten Ingredientien Schwertlilie hinzu und salbst das Zahnfleisch damit, kannst du deine Zahne von Faulnis reinigen. Verhartete Milz und Seitenschmerz lOst die Runde Luzei, mit Wasser genossen; auf gleiche Art genommen, soli sie auch bosartige Fieber wunderbar bezahmen; / wenn man sie trinkt, hilft sie bei Krampfen mehr als aile anderen Pflanzen; haufig getrunken, lindert sie femeI' die schreckliche FuBgicht und pflegt selbst die Fallsucht zu maBigen, dazu den liberstarken Bauchschmerz; / und schlieBlich wird auch dem GeIahmten durch diesen Trunk sein Leiden leichter. Del' Rauch del' Runden Osterluzei soIl den teuflischen Albtraum vertreiben; die Kindlein, heiBt es, werden heiter durch diesen Rauch. Mit ihl'en Wurzeln kannst du schwarende Rohrenwunden (Fisteln)heilen, wenn du diese Wul'zeln gut l'einigst und die Wundhohlung damit ausstopfst. / Dnd auch del' Schluckauf soIl durch GenuB dieses Krautes gestillt werden. Die Lange Osterluzei kann alles, was ich von del' Runden sagte, auch; indessen besitzt sie vie! schwachere Krafte. Wenn du daher die Runde Luzei nicht zur VerfUgung hast, muBt du anderthalbmal so viel von del' Langen ansetzen. / Stellst du aus del' Langen Luzei und ihrer Abkochung einen warmenden Wickel her, so nUtzt er wunderbar bei allen Leiden del' Gebarmutter, weil er die fetten Korperstifte ausdUnnt; genieBt man sie, reinigt sie ebenfalls. Plinius sagt, daB die Lange Luzei, wenn man sie nach erfolgter Zeugung zusammen mit Rindfleisch50 in die weibliche Scham steckt, die Entstehung von mannlichen Kindem bewirke. / Die Runde Luzei, gestampft und mit Kalk vermischt, totet Fische; einige nennen sie deshalb auch Landgift51

 

42. Marrubium, def Andorn


Das Kraut, welches in unserer (lateinischen) Sprache Marrubium heiBt, nennen die Griechen Pnission52 ; die Ante stu fen es von jeher als erwarmend und trocknend im zweiten Grad ein. Die Abkochung des ganzen Krautes oder des / Samens fOrdert, wenn sie getrunken wird, die SchwindsUchtigen wundel'bar; femer bezahmt ein solcher Trunk die verschiedenen Brustkrankheiten; und gibt man Schwertlilie hinzu, ist sein Nutzen noch groBer, denn diese Mischung hilft Asthmatikem und treibt den Husten fort. Marrubiurn beschleunigt Kindsgeburt und Nachgeburt; / verquickt mit Honig, remlgt es eitemde Wunden und. fUhrt Geschwilre, die das Fleisch wegfressen, einer Heilung zu. Oer Trunk soli auch den Seitenschmerz beruhigen. Oer eingedickte Saft niltzt bei den gleichen Leiden ebenfalls; mit Wein oder Honig gemischt, / macht er die schwachen, trilben Augen hellsichtig; in die Nase getraufelt, hilft er Gelbsilchtigen; und traufelt man den Saft, verquickt mit Rosenel, ins Ohr, soli er sogar drilckenden Ohrenschmerz beheben. Allein fUr Menschen, die an Blasen- und Nierenleiden kranken, / soli die Anwendung des Marrubium nicht heilsam sein. 43. Iris, die Schwertlilie Oer Iris gibt die Farbe ihrer Bltiten selbst den Namen; denn diese Blilten tragen die Farben des Regenbogens am Himmel (der bei den Griechen gleichfalls Iris heil3t). Man nennt sie auch Iris Illyrica, denn sie soli in gewaltiger Menge in Illyrien wachsen. Ihre Tugend wird als erwarmend und trocknend eingestuft, / und zwar jeweils im zweiten Grad. Die grel3te Kraft der Pflanze steckt in ihren Wurzeln. Oie Wurzel also schneidet man, urn sie zu trocknen, in Scheiben, radelt die runden Scheiben nun in Abstanden, dal3 sie einander nicht berilhren konnen, auf eine Schnur und hangt sie so an einem trocknen Ort im Schatten auf: / so und nur so kann man sie dann ein ganzes Jahr lang aufbewahren. Mit Wein genossen, stillen sie den Husten und filhren Schlummer herbei. Wenn Eiter, in der Herzgegend versteckt, Herz und Brust schadigt, geniel3t man diese Wurzelscheiben gepulvert mit Wein und treibt hiermit den Eiter aus; mit Met gemischt, verjagt dies Pulver die bosartige Gelbgalle, / und mit Essig getrunken, stillt es das Bauchgrimmen; femer soli es auf diese Art, falls einer Gifte eingenommen hat, solche entscharfen; und trinkt man das Pulver mit Wein, heilt es die Milzsilchtigen und kann verkruppelten oder durch Ktilte ganz verkrampften Gliedem helfen; eben so sorgt es fUr geordneten Monatsflul3. / Die Abkochung der Wurzeln erweicht Verhartungen in der Gebarmutter, wenn diese wiederholt von unten her durch lau erwarmende Zapfchen, die darein getunkt sind, behandelt werden; und wenn dieselbe Abkochung mit der Klistierspritze durch den After von unten her eingebracht wird, soli sie dem Hilftgichtschmerz ilbers MaB gut tun. Aus diesen Wurzeln macht man auch, indem man Honig beimischt, eine Salbe, / die, wenn man sie der Scham von unten einfUhrt, schnell die Nachgeburt austreibt sowie auch Fisteln heilt, wenn man sie in die Rbhrenwunde streicht. Das Wurzelpulver, mit Honig gemischt, trocknet nassende Wunden und laBt sogar, wenn man es Knochen auflegt, die vom Reisch entblbBt sind, dieses wieder wachsen. Tut man zwei Teile feines lriswurzelpulver mit drei Teilen vom Pulver der WeiBen Nieswurz zusammen und bindet diese Pulver durch Beimischung von Honig, so reinigt die Auflegung so\chen Pflasters das Angesicht vom Leberfleck und vertreibt auch den Grind.

 

43. Iris,

die Schwertlilie Oer Iris gibt die Farbe ihrer Bltiten selbst den Namen; denn diese Blilten tragen die Farben des Regenbogens am Himmel (der bei den Griechen gleichfalls Iris heil3t). Man nennt sie auch Iris Illyrica, denn sie soli in gewaltiger Menge in Illyrien wachsen. Ihre Tugend wird als erwarmend und trocknend eingestuft, / und zwar jeweils im zweiten Grad. Die grel3te Kraft der Pflanze steckt in ihren Wurzeln. Oie Wurzel also schneidet man, urn sie zu trocknen, in Scheiben, radelt die runden Scheiben nun in Abstanden, dal3 sie einander nicht berilhren konnen, auf eine Schnur und hangt sie so an einem trocknen Ort im Schatten auf: / so und nur so kann man sie dann ein ganzes Jahr lang aufbewahren. Mit Wein genossen, stillen sie den Husten und filhren Schlummer herbei. Wenn Eiter, in der Herzgegend versteckt, Herz und Brust schadigt, geniel3t man diese Wurzelscheiben gepulvert mit Wein und treibt hiermit den Eiter aus; mit Met gemischt, verjagt dies Pulver die bosartige Gelbgalle, / und mit Essig getrunken, stillt es das Bauchgrimmen; femer soli es auf diese Art, falls einer Gifte eingenommen hat, solche entscharfen; und trinkt man das Pulver mit Wein, heilt es die Milzsilchtigen und kann verkruppelten oder durch Ktilte ganz verkrampften Gliedem helfen; eben so sorgt es fUr geordneten Monatsflul3. / Die Abkochung der Wurzeln erweicht Verhartungen in der Gebarmutter, wenn diese wiederholt von unten her durch lau erwarmende Zapfchen, die darein getunkt sind, behandelt werden; und wenn dieselbe Abkochung mit der Klistierspritze durch den After von unten her eingebracht wird, soli sie dem Hilftgichtschmerz ilbers MaB gut tun. Aus diesen Wurzeln macht man auch, indem man Honig beimischt, eine Salbe, / die, wenn man sie der Scham von unten einfUhrt, schnell die Nachgeburt austreibt sowie auch Fisteln heilt, wenn man sie in die Rbhrenwunde streicht. Das Wurzelpulver, mit Honig gemischt, trocknet nassende Wunden und laBt sogar, wenn man es Knochen auflegt, die vom Reisch entblbBt sind, dieses wieder wachsen. Tut man zwei Teile feines lriswurzelpulver mit drei Teilen vom Pulver der WeiBen Nieswurz zusammen und bindet diese Pulver durch Beimischung von Honig, so reinigt die Auflegung so\chen Pflasters das Angesicht vom Leberfleck und vertreibt auch den Grind.

 

44. Enula, Alantkraut


Enula wird von den Griechen Elna, / von den Arzten Elenium53 genannt. Wie sie aussieht, weiB jedermann. Ihre Kraft soli erwarmend und befeuchtend sein, und zwar im ersten Grad befeuchtend und im zweiten erwarmend. Wird ihre Abkochung getrunken, sorgt sie fUr geordneten MonatsfluB, wirkt harntreibend und abtreibend; / sie soli auch den verstopften Bauch erweichen. Stampft man die Wurzel wohl und legt sie auf den Schenkel, vertreibt sie die Hilftgicht. Kocht man ihre BUHter in Honigwein und drilckt sie als ein Pflaster auf die Nieren, so niltzt dies wunderbar den Nierenleidenden. Das Pulver der Wurzeln, mit Honig genossen, / beschwichtigt den Husten und heilt Atemnot (Orthopnoea, wo der Patient nur in aufrechter Stellung atmen kann). Nimmt man den Saft zusammen mit Rautensaft ein, soli dieser Trunk bei einem Leistenbruch zuverlassig von Nutzen sein.

 

45. ysopum, der Gartenhysop

Hysop ist warmend und trocknend, jeweils im dritten Grad. Seine Abkochung, / so bereitet, daB Honig und Dorrfeigen mitgekocht werden, nUtzt den Katarrh-Kranken nicht wenig, wenn sie davon trinken; und halt man diese Abkochung im Mund und bewegt sie am Gaumen, macht sie die rauhe Stimme wieder schon; getrunken hilft sie femer allen Beschwerden der Lunge und treibt SpulwUrmer aus dem Bauch. / Tropft schadlicher WeiBschleim yom Haupt zur Brust hinab, was so vielfach Husten und Schwindsucht verursacht, hilft diese Abkochung, wenn man sie immer wieder nimmt. Auch gepulverter Hysop, mit Honig verquickt, ist bei all den genannten Leiden zutraglich. Wenn man den grUnen Hysop stampft und Essigmet beimischt / und dies zum Trinken reicht, so wird es den verstopften Bauch erweichen, indem es zugleich mit der schadlichen Windblahung den klebrigen WeiBschleim bekampft und vertreibt; und gibst du auch noch Kresse bei, wirst du den Leib noch starker abfUhren. Trinkt man grUnen oder getrockneten Hysop haufig, soil er dem Angesicht eine ausnehmend schone Farbe geben. / Dnd stampfst du ihn mit Steinsalz und Dorrfeige und legst ihn so als Pflaster auf die geschwollene Milz oder den wassersUchtigen Leib, pflegt er die Krankheit auszutrocknen und zu vertreiben. Mit Wein getrunken, entspannt er Herz und Brust, wenn sie belastet und beklommen sind; und samtliche GeschwUIste, die den Eingeweiden schaden, mUssen weichen. / Ein Zahn soil oftrnals schnell von unmaBigem Schmerz befreit werden, sob aid er nur mit Essig, in dem Hysop gekocht ist, lauerwarrnt wurde. Mit Hysop-Rauch, der aufsteigt, wenn man ihn verbrennt, bezahmt man Ohrenklingen. Gesotten aufgelegt, macht Hysop alle haBlichen Verfarbungen und Narben auf der Haut gleich wieder hell; und flol3t man ihn der Nase ein, hilft er den GelbsUchtigen. / Man sagt, daB er auch den bedrUckenden Ohrenschmerz lindert, wenn du ihn eintraufelst, mit Rosenol gemischt.

 

46. Asarum, die Haselwurz


Asarum heiBt die Haselwurz auf Griechisch, Vulgago auf Lateinisch. Sie soli erwarmender, trocknender Tugend sein, und zwar in beiderlei Bezug im dritten Grad. / Sie treibt, wenn man sie trinkt, den Ham, sorgt fUr geordneten MonatsfluB und heilt den Leberschmerz, hilft femer WassersUchtigen und schlllgt, oftmals getrunken, sogar die HUftgicht in die Flucht. Die Abkochung hilft auch bei Leiden der weiblichen Scham. Weiters soli ihr Trunk die Gelbsucht vertreiben, und er reinigt durch Ausleerung nach oben Herz und Brust, wie's auch die / Nieswurz tut55, doch ist diesfalls die Purgaz weniger gewaltsam; und man muB sie nicht fUrchten, wenn sie folgendermaBen ablauft: Wen immer du zu purgieren gedenkst, du muBt erstens sein Alter und seine Krafte in Betracht nehmen, hierauf die Jahreszeit, / sodann die Klimazone, wo ihr lebt, ob sie sehr heiB ist oder furchtbar kalt oder ob sie ein MittelmaB zwischen diesen Extremen einnimmt: Greisen also und Knaben darfst du nur eine kleine Dosis reichen; JUnglinge aber und Manner von mittlerem Alter erfordem mehr als diese erstgenannten; Dicken und Starken muBt du mehr verabfolgen als Ausgemergelten / und korperlich Geschwachten; eine groBere Gabe hast du sodann in kalter Gegend darzureichen als in warmer; und Manner, die von MUh und Arbeit hart geworden sind, brauchen ebenfalls mehr als Menschen, die in weichem MUBiggang ihr Dasein zubringen. Wenn du diese Gesichlspunkte sowie auch andere, hier nichl genannle, rundum in Betracht nimmst und beim Handeln berticksichtigst, wirsl du nicht nur die Haselwurz, sondem auch jedes andere Kraut, / welches den Magen durch Ausleerung nach oben reinigl und den Bauch zur Ausleerung nach unten erweicht, sicher und sorglos reichen. Aber nachdem ich nun Uber samtliche Heilkrauter gemeinsam sprach, will ich noch darstellen, auf welche Art Vulgago, unsre Haselwurz (urn auf diese zurUckzukommen), zu verabfolgen ist: Du nimmst von ihren Blattem dreiBig frische, gieBt Lauterwein darliber, bis alIe bedeckt sind, / sorgst dann daflir,' daB sie die ganze Nacht in diesem Lauterwein einweichen; des Morgens stampfst du sie in diesem Wein, in dem sie weich geworden sind, und lost sie darin auf. Gib dann dem Leidenden GemUse, das mit frischem, fettem Schweinefleisch durchgekocht worden ist, zunachst reichlich zu essen; dazu mag er, so viel er will, von starkem WeiBwein trinken; / hierauf biete ihm den gerade hergestellten Saft des Asarum, der Haselwurz, in abgeseihter Form zum Trunk. FUr groBe, starke Manner ist die genannte Zahl von dreiBig Blattern angemessen; doch fUr die anderen muBt du entsprechend Korperkraft, Alter und Jahreszeit, wie oben dargestelIt, die A

 

47. Mentha,

die Minze Erwarmende, trocknende Tugend bringt die Minze mit sich, und zwar im zweiten Grad. / Durch ihren Trunk fOrdert man die Verdauungskraft; er starkt den Magen, halt den Brechreiz fern und soll sagar die SpulwUrmer vertreiben. Verschiedenen Leiden der Haden tritt man entgegen, wenn man sie mit dem Wasser warmt, in dem Minze gekocht wurde. / Stackt die Milch in den Brlisten, tragt man gestampfte Minze auf und macht sie wieder flieBen; traufelt mandiese Minze, mit Honig gemischt, ins Ohr, so vertreibt sie den Schmerz; und reibt man eine rauhe Zunge oftrnals damit ein, so wird sie glatt. Mi t dick gekochtem Most genossen, pflegt sie die Kindsgeburt zu beschleunigen; und legt man sie, gestampft mit Salz, auf einen HundebiB, so heilt sie ihn. / Mit Essig verquickt, hilft sie Blutspeienden; und wenn ihr Saft (mit einem Wollzapfchen) von unten her der Gebarmutter zugeflihrt wird, bevor ein Beischlaf stattfindet, kann die Frau dabei nicht empfangen. SchlieBlich erlaubt der Minzensaft dem kleingeformten Kase nicht, in Faulnis zu verfallen, wenn man ihn untermischt oder das GrUnkraut auf den Kase legt.

 

48. Cyperus, das Zypergras


Die Arzte sagen, daB das Zypergras56 erwannende, trocknende Wirkungskraft im zweiten Grad besitzt. Durch seinen Trunk werden Nieren- und Blasenstein vertrieben; auch reinigt es die Hamwege und macht sie durchgangig. Apollod6rus sagt, daB es die Leibesfrucht abtreiben kann, wenn die schwangere Frau das Wasser, in dem seine Abkochung erfolgt ist, in warrnendem Wickel gebraucht; / femer versichert derselbe Gewahrsmann, daB dessen Dampf die Milzkrankheit verzehren kann, sofem er durch den Mund oft eingeatmet wird. Wenn ein gesunder Mensch in diesem Dampf ein Unterleibsbad nimmt, soll er nach Apollodor noch viel starker und regsamer werden. Der Pflanzensaft, mit 01 gemischt, hilft bei Unannehmlichkeiten der Achseln57; / desgleichen vertreibt er als Salbe Geschwi.ilste in der Leistengegend; und haufig getrunken, trocknet er UberflUssige Korpersllfte aus. Das Pulver, mit Honig verquickt, reinigt eitemde Wunden oder fressende GeschwUre wunderbar; vorzUglich heilt dieses Pulver GeschwUre des Mundes. / Getrunken starkt das Kraut einen geschwachten Magen; haufig getrunken, nUtzt es WassersUchtigen sehr und fUhrt den wasserigen Korpersaft58 durch den Ham aus dem Leib. Stampfst du das Zypergras und verquickst es mit Essig, zahmst du mit dieser Medizin kriechende fressende GeschwUre.

 

49. Paeonia, die Pfmgstrose


Die Arzte sagen, daB Paeonia, die Pfingstrose, erwarmende, trocknende Kraft, und zwar jeweils im zweiten Grad besitzt. Mit Met genossen, unterstUtzt sie Milz, Leber und Nieren; und gibt man ihr stark gemahlene Mandeln bei, sorgt sie fUr geordneten MonatslluB und hlilt den Durchfall fern. / Nimmt man ihre Abkochung in Wein wiederholt zu sich, so lindert sie die harten Blasenschmerzen, aber auch den GesichtsfeldausfaU60 und den Magenschmerz, hilft Nierenleidenden und GelbsUchtigen sehr; und sogar wenn die Kinder ein Steinleiden haben, wird das durch diesen Trunk verjagt. / Bedrangnisse, wie sie die Traume in der Nacht mit sich zu bringen pflegen, weist Pfingstrosensamen, wenn er oftmals getrunken wird, in ihre Schranken. Die Wurzel, urn den Hals gehangt, nUtzt fallsUchtigen Knaben ausgezeichnet, wie Galen, der Gewahrsmann, versichert. Galen erzahlt namlich62, er habe selbst einen fallsUchtigen Knaben / von etwa acht Jahren gesehen: dieser Knabe pflegte eine Paonienwurzel urn den Hals gehangt zu tragen (und war somit beschwerdenfrei). Durch einen Zufall fiel die Wurzel von ihm ab; alsbald geriet der Knabe in die Fallsucht. Nachdem die Wurzel in gewohnter Weise an ihm festgebunden war, stand er stracks aus dem Leiden wieder auf. Galen begehrte nun, dieses Problem vollends zu prUfen; / er nahm dem Knaben neuerlich die Wurzel ab von seinem Hals: der Knabe stUrzte hin; und als man ihm die Wurzel wieder gab, war er wieder gesund. So zeigte sich die Wirkungskraft der Pfingstrose offenbar und bewahrt. Auch Dioskurides erklart sie bei jeder Art von Fallsucht fUr geeignet, wenn man sie trinkt oder urn den Hals gehangt tragt. Dreimal fUnf ihrer roten Samenkorner, mit Wein genossen, zahmen den BlutfluB der Gebarmutter; die schwarzen Samenkorner pflegen eine Vielzahl der Gebarmutterleiden zu vetjagen, man muB nur gleichfalls fUnfzehn Korner mit Wein des Nachts zum Trinken reichen. Von der Paonie gibt es Ubrigens zwei Arten: Mannlein / und Weiblein; letztere kleiner an Gestalt. Die Wurzel der groBeren Art ist zwei Handflachen lang und so dick wie ein Finger; die Wurzel der kleineren Art sei, heiBt es, in ein BUndel Einzelwurzeln geschieden. Die letzteren, nach einer Kindsgeburt mit Wein genossen, reinigen die Gebarmutter sehr schon; / in allem Ubrigen soli ihre Kraft der groBen Wurzel ahnlich sein.

 

50. Barrocum, das ist Melisse oder Immenblatt


Dies Kraut, welches die Griechen Meliss6philon63 oder Bienenlieb nennen, hei/3t bei unseren Leuten im Volksmund Barr6cum. SolI tiber alle anderen Krauter bei den Bienen aufs hochste beliebt sein: sie scheinen sich an keiner BIUte keiner anderen Pflanze mehr zu freuen. / Wenn du mit den gestampften Bltittem Bienenkorbe bestreichst, fliegen die Bienen nicht davon; noch besser ist die Wirkung, wenn du Milch dazugibst: mit dieser Duftsalbe halten die lmker ihre BienenvOlker, wenn diese schwarmen, bei sich fest. Es bringt auch augenblicklich Hilfe bei einem Bienenstich, wenn man den Einstich stracks mit dem gestampften Kraut bedeckt. / Auf gleiche Weise heilt man auch schadliche Wespen- oder Spinnenstiche. Gestampft und mit Salz vermischt, pflegt dies Kraut altverhtirtete Beulen aufzuweichen, ebenso Leiden des Gestil3es (gemeint sind wohl Haemorrhoiden) zu beheben. Kocht man den Saft mit Salz, dient er zur Reinigung der Frau; und dieser Trunk vetjagt auch eine schadliche AufbHihung. / Trinkt man die Abkochung des grUnen Krautes wiederholt, hilft sie den lange schon an Blutstuhl und Bauchgrimmen Leidenden, gleichfalls den Kranken, die mit Asthma und mit Orthopnoea (der Atemnot, wo der Patient nur in aufrechter SteHung atmen kann) zu kampfen haben; femer reinigt sie fressende GeschwUre, falls sie eitem, und lindert alle Leiden der Gelenke. Legt man das Kraut mit Salz als erwarmenden Wickel einem Hundebi/3 auf, / so heilt es ihn; die Abkochung sorgt fUr geordneten Monatsflu/3; und halt man sie im Munde, pflegt sie den Zahnschmerz zu dampfen. Plinius sagt: die Pflanze macht die trUben Augen hellsichtig, sofern man diese salbt mit ihrem Saft, verquickt mit Honig.

 

51. Senecion, das Kreuzkraut (Greiskraut)


Was wir Senecio(n) nennen, heiBt bei den Griechen Erigeron/ (das ist: was schon zeitig ergraut wie ein Greis), deswegen weiI die ElUte grauen Haaren ahnelt66• Dieses Kraut wachst auf Mauem, Decksteinen und in Garten; seine Kraft und Tugend soli kUhlend sein. Die Wurzel wird zum medizinischen Gebrauch nicht eingesetzt; jedoch die BlUten mit den Blattem sollst du zerstoBen und zerstampfen, mit ganz wenig SUBwein begieBen und angewarmt auf GeschwUIste des Afters oder der Hoden auflegen. Gib dieser Mischung Weihrauch bei: mit einem solchen PfIaster wirst du Muskeln und jederlei Wunden mit Leichtigkeit heilen. Dieselbe Wirkung haben die gestampften BlUtenkopfchen, aufge1egt. DaB man die PfIanze durch den Trunk genieBt, verbieten einige Gewahrsleute mit der Versicherung, daB sie den Trinkenden ersticke. Plinius a1lerdings erzahlt im Gegensatz dazu, gewisse Arzte hatten Gelbsuchtleidenden die Pflanze a1sHeiltrank mi t Wein gereicht, und noch mehr Arzte hatten als bewahrt erfunden, daB auf diese Weise Blasenleiden zu heilen seien, femer hatten sie diese Darreichung auch Herz- und Leberkranken verabfolgt, und fUr Bauchgrimmen Leidende sie mit Rosinenwein venmscht, und weiterhin mit diesem Trank bei verschiedenerlei Beschwerden von Herz und Brust geholfen. AuBerdem hat das grUne Kraut die gleiche Wirkung, wenn man's, mit Essig benetzt, verzehrt; gestampft mit Salz, pflegt es, verhartete Beulen aufzuweichen. / Wenn jemand dieses Kraut mit einem Kreis umschreibt und es dann ohne Eisen (mit allen WUrzlein) aus der Erde grabt, hierauf einen schmerzenden Zahn dreimal damit berUhrt, nach der BerUhrung jeweils ausspeit, zuletzt das Kraut zurlicktragt, dorthin, wo es gewachsen ist, und wieder pflanzt, so daB es grUnt und fortblUht: dann wird der Zahn - das versichert uns Plinius - gar nicht mehr schmerzen.

 

52. Chelidonia, das Schollkraut


Beim Schollkraut unterscheiden die Arzte zwei Arten: die erste heiBt das GroBe, die zweite Art das Kleine Schollkraut. Beide Arten sind heilsarn fUr die Augen. Ihren KUchlein, wenn sie erblindet sind, gibt die Schwalbenmutter, wie Plinius darstellt, durch dieses Kraut das Augenlicht zurUck, selbst wenn die Augen ganz vernichtet sind. Ferner erzahlt er, daB die PfIanze aufwachst, sobald die Schwalben kommen, und daB sie austrocknet, wenn diese Zugvogel, ihrer Gewohnheit folgend, sich wieder entfernen. Daher hat unser Kraut den (lateinischen) Namen CheIid6nia, denn die Schwalbe pflegt griechisch Chelid6n genannt zu werden. Man kocht den Saft der BlUte mit Honig in einem Kupferkessel auf / lindem Feuer, bis er allen Schaum ausgesprudelt hat und diese Abkochung die Dickigkeit des Honigs seIber annimmt: es gibt, so heiBt es, keine nUtzIichere Arznei, urn trUbe Augen hellsichtig zu machen, wenn man sie nur recht oft damit einsaIbt. Die Wurzel stampft man unter Beifligung von Dill, das ist An6thum, / und nimmt sie dann mit WeiBwein gegen Gelbsucht; diese gestampfte Wurzel h~ilt weiters, so versichern die Autoren, jeden Zahnschmerz fern. Bereitet man aus Schollkrautbltittern, zerstoBen und zerstampft, mit Wein ein Pflaster, soli es die Male auf der Haut beseitigen.

 

53. Centaurea, das Tausendgtildenkraut

Das Tausendgi.ildenkraut, Centaurea , hat ebenfalls zwei Arten: groB und klein, / wie ich das oben schon von vielen Krautern sagte; doch weiI die groBe Art sehr wenigen bekannt ist, will ich sie Ubergehen und die Krafte der kleinen beschreiben; denn diese kleine, glaube ich, ist samtlichen einfachen Leuten aus dem Yolke bekannt. Yon vertrocknender Wirkung soli Centaurea minor sein; / frische Hiebwunden schIieBt und verheilt sie daher ausgezeichnet; legt man sie alten Wunden auf, fUhrt sie diese einer Yernarbung zu. Wer HUftgicht leidet, dem nUtzt ihre Abkochung wunderbar, wenn man sie mit einer Klistierspritze durch den After von unten einfUhrt. 1st einem Leidenden Blut abgezogen worden, lindert das kleine TausendgUldenkraut bald allen Schmerz; / auch kranke Muskeln macht es heil durch einen erwarmenden Wicke!' Die Einnahme des Safts fUhrt geordneten MonatsfluB herbei und treibt die Leibesfrucht ab; trinkt man den Saft mit Wein, so sagen die Gewlihrsleute, soli er samtliche bosartigen Arzneimittel durch Entleerung des Bauchs nach unten ausfUhren; und verquickt man den Saft mit Honig, macht er die trUben Augen hellsichtig. Man gewinnt diesen Saft durch Auspressung im Herbst, trocknet ihn an der heiBen Sonne ein und bewahrt ihn in diesem Zustand auf, bis man ihn gegen die oben beschIiebenen Leiden als Heilmittel einsetzt.

 

54. Colubrina, die Natterwurz (heute: der Aronstab)

Das Kraut, welches die griechische Sprache Dragontea (oder Drac6ntium) nennt, heiBt in der (lateinischen) Volkssprache Colubrfna; denn c61uber ist eine kleine Schlange, / und lihnlich dieser Schlange mit getupfter Haut tritt Colubrina gefleckt auf, heiBt also zu Recht Natterwurz. Aus diesem Grunde, glauben wir, galt es in der Antike als Erfahrungswissen, daB Colubrina wegen ihrer Ahnlichkeit mit Schlangen auch Schlangengift aus dem Korper vertreiben konne. Wer ihre Wurzel stampft und sich damit einreibt, soli von Schlangen nicht angegriffen werden, sondem vor ihnen sicher sein; / mit Wein genossen, heilt sie deren Bisse. Verquickst du den Saft des Natterwurzsamens mit 01 und trliufelst ihn ins Ohr, kannst du so dessen Schmerz vermindem; und wenn du ein Wollzlipfchen mit diesem Saft trlinkst und in die Nase fUhrst, zlihmst du die Krankheit, die Polyp genannt wird. Auf gleiche Weise pflegt er auch eine groBe Hilfe bei Krebsleiden zu sein. Mit dem Saft dieser Wurzel machst du femer die trUben Augen hellsichtig und vertreibst mannigfache langwierige Augenleiden; und zwar bestreichst du mit dem reinen Saft die Augen, oder du mischst ihn mit Honig; und wenn du diese Wurzel bratst und iBt, ntitzt sie den Augen ebenfalls. / DreiBig Samenkbmer, mit Dtinnwein genossen, sollen die Flnstemis aus den trtiben Augen vertreiben und sie wieder rein und hellsichtig machen. Wenn eine Schwangere den Duft der verwelkenden BlUte mit der Nase einsaugt, soH dies die Leibesfrucht abtreiben; gleiche Wirkung erfolgt, wenn die gestampfte Wurzel (mit einem WoHzapfchen) von unten zur Gebarmutter geftihrt wird. / GenieBt man das Pulver der Wurzel, mit Honig verquickt, bezahmt es den Husten, lindert einen Katarrh und bringt den Blutspeienden Hilfe; femer zieht dieses Heilmittel die hOsen Safte aus der Brust und laBt sie nimmer wiederkommen. All diesen Nutzen bringt die Wurzel, wenn man sie brat und iBt; / und ihre Abkochung bringt gleichen Nutzen. Dnd nimmt man sie mit Wein als Trunk zu sich, so erregt sie die Liebeskraft. Stampft man das Kraut mit Honig und gibt Zaunrtibe oder Stickwurz (das ist Bryonia) hinzu, treibt es den Ham, reinigt fressende, krebsartige (phagedanische) Geschwtire sowie eitemde Wunden und heilt Fisteln. / Dnd mit Essig im Bunde vertreibt's die Male auf der HauL Es gibt ein Leiden an den FtiBen, welches man Frostbeule (pernio) nennt; (der Name »pemio« kommt von »pemicies«: das ist das Verderben und hier der Verlust dieses leidenden Gliedes; das Yolk gebraucht fUr »pemio« das Wort »mula«); dies Leiden pflegt durch Kalte zu entstehen: kochst du die Wurzel unsrer Dragontea oder Natterwurz in Wasser, / kannst du die Frostbeule beheben, wenn du sie oft genug mit diesem Wasser warmsL

 

55. Gaisdo,

das ist Hirberwaid Isatis heiBt dieses Kraut bei den Griechen , bei uns im Volksmund nennt man es Gaisd Den TuchHirbem bringt es riesigen Gelderwerb. Bereitet man aus den gestampften Blattem ein Pflaster, schlieBt und verheilt es selbst die graBten Wunden und bringt ihre I Blutung zum Stehen, femer verdrangt es sfuntliche Geschwtilste; und stampfst du es mit Honig, so reinigt es eitemde Wunden. Mit EiweiB verquickt und aufgetragen, verschant es Male auf der Haut und hilft dem heiligen Feuer (dem Antoniusfeuer) abo

 

56. Elleborus albus,

die Weille Nieswurz Von der Nieswurz72 gibt es nach den Gewahrsleuten zwei Arten: I die weiBe purgiert nach oben, die schwarze nach unten. Beide besitzen erwarmende, trocknende Kraft, und zwar jeweils im dritten Grad. Die weiBe Art soli indessen noch starker als die schwarze sein, weshalb ich jetzt zunachst tiber die WeiBe Nieswurz sprechen werde. Wie auch immer von unten eingeftihrt, treibt sie die Leibesfrucht ab; ihr Pulver, I durch die Nase eingezogen, wirkt als Niesmittel und erregt Niesanfalle, welche aile Beschwerden des Kopfes veljagen. Man mischt dieses Pulver auch den Zubereitungen bei, die trtibe Augen hellsichtig werden lassen; tiberhaupt soli es den Augenleiden sehr entgegenwirken. I Mit Mus gemischt, tOtet dies Pulver die Mause; und mit Milch angeboten, wirkt es auf die Fliegen vemichtend. Es heiBt, daB es nach dem GenuB durch seinen Brechreiz und durch Ausleerung nach oben verschiedenerlei Safte aus dem Karper austreibt und altverstockte Krankheiten kuriert. Durch eine solche Ausleerung nach oben ist langgewohnter Schwindel zu beheben, sie ntitzt femer den Wahnwitzigen, Trtibsinnigen und Fallstichtigen; lund oftmals wird durch die Einnahme dieses Pulvers selbst ein Mondstichtiger geheilt. Zu Beginn der jeweiligen Krankheit gereicht, hilft es den Wasserstichtigen wunderbar, beseitigt den Aussatz, behebt den Starrkrampf (oder Tetanus) sowie die FuBgicht (oder Podagra), vertreibt den Schtittelfrost und heilt wiederkehrendes Grimmen, femer verschiedene Magenleiden und die Htiftgicht, I dazu den altverstockten Husten, und tiber aile MaBen das Quartan- oder Vierttagsfieber, wenn es sich jahrelang schon eingenistet hat. Plinius mahnt jeden, der Nicswurz nehmen will, daB er sich sieben Tage lang mit ungeheurer Sorgfalt vorbereite und die Safteverfassung seines ganzen Leibes durch befeuchtende Speisen zum MittelmaB bringe, / daB ferner, der Nieswurz genieBen muB, abends nichts esse, sodann daB er zur Einnahme einen heiteren, hellen Tag erwahle, der warm und windstill sei; zugleich versichert er, daB jeder, der die Wahmehmung dieser Sorgfaltspflicht verachte, die fUrchterlichste Pein werde ertragen mUssen. / Hierauf ordnet er an, die Nieswurz vorgekocht in GrUtze oder einem Linsengericht zu reichen, denn so nur konne sie nicht schaden; doch Greisen und zarten Knablein dUrfe sie Uberhaupt nieht angeboten werden, gleiehfalls nicht weichlichen, furchtsamen Menschen oder Mannem mit Weibersinn; auch Ubermal3ig Ausgemergelten dUrfe sie nicht verabreicht werden. / Andere Autoritaten schreiben vor, die Nieswurz in GerstengrUtztrank oder Met gekocht oder in Brat eingebacken zu nehmen: so bringe sie Nutzen. Philon soli in einem BUchlein besehrieben haben, auf welche Weise wir die Nieswurz einzunehmen hatten; und in den >Aphorismen< erwahnt Hipp6krates73 dieses Kraut / als einzige Pflanze, weil er sie als die nUtzlichste ansieht. Noch weit mehr andere Autoren haben Uber die Wirkungskrafte dieses Krauts geschrieben und dabei dargestellt, auf welche Weise es zu nehmen sei und von welchen Patienten; niemals indessen habe ich - da konnt< ich noch so viele BUcher walzen - irgend einen gefunden, der eine zuverlassige Dispensation mitteilte. / Mir scheint, sie glaubten aile, bereits genug gesagt zu haben, wenn sie anordneten, Krafte und Lebensalter des Erkrankten in Betracht zu nehmen sowie Jahres- und Tageszeit. Ich muB allerdings sagen, daB ieh es nieht genUgend sicher finde, eine Vomahme, die oftmals plOtzliehe Gefahrdung mit sich bringt, jedem einfach zu Uberlassen ohne zuverlassigen Dispensationshinweis. / Plinius schreibt, daB Themison die Gewohnheit hatte, zwei Drachmen Nieswurz zu verardnen, und behauptet, daB die nachfolgenden Arzte zweimal zwei Drachmen gaben; doch seheint er selbst nirgendwo festgesetzt zu haben, in welchem Gewicht seiner Anordnung nach die WeiBe Nieswurz einzunehmen sei. Da er indessen von der Schwarzen Nieswurz eine Drachme / oder vier Skrupeln zu geben befiehlt, scheint er mir dadurch anzuzeigen, daB von der WeiBen Nieswurz nur das halbe Gewicht gegeben werden dUrfe, weil er ja sagt, daB diese letzte im Vergleich zur Schwarzen weitaus gewaltsamere Wirkung tut. I

 

57. Elleborus niger,

die Schwarze Nie Die Schwarze Nieswurz wirkt nicht so gewaItsam; deshalb muB man sie nicht so fUrchten, wie ich das von der WeiBen gesagt habe. / Auch sie muB man nach Vorschrift der Alten in einem Linsengeriche4 kochen oder in SUppchen: so genossen, sagen die Alten, heile sie die Wahnwitzigen und nUtze der FuBgicht. Sie so11ferner das Fieber vertreiben und bei Wassersucht helfen; auch der GeHihmte fUhlt ganz wunderbare Hilfe, wenn er sie genieBt. / Ferner behebt sie, wenn man sie trinkt, verschiedene Leiden der Gelenke, fUhrt die bosen Arten der Gelbgalle sowie den WeiBschleim aus dem Leib; und trinkt man sie gesotten, das heiBt ihre Abkochung, macht sie die trUben Augen hellsichtig. Yerhartete GeschwUIste, die vereitert sind, kocht ein Pflaster aus Schwarzer Nieswurz durch und erzielt so die Saftereinigung. / Ein maBiger Pfropf, aus der Wurzel gemacht, behebt die Schwellungen der Fisteln, wenn man ihn dareinsteckt und erst nach zwei Tagen wieder entfernt. Und stampfst du die Nieswurz und verquickst sie mit Gerstenmehl, so trocknest du eine geschwo11ene Wassersucht aus, indem du dies Gernisch auflegst. Yon unten her (mit einem Wo11zapfchen) an die Gebarmutter herangebracht, sorgt Schwarze Nieswurz fUr geordneten MonatsfluB, treibt die Leibesfrucht ab und / gibt auch das Gehor zurUck, wenn du sie auf die tauben Ohren tust und erst nach zwei oder drei Tagen wieder abnimmst. Als Pflaster aufgelegt, entfemt sie Male auf der Haut, reinigt den Aussatz und vertreibt aile Arten von Kratze. Essig, in dem du Nieswurz kochst, / fUr langere Zeit im Munde gehalten, solI aul3erordentlich den Zahnschmerz lindem. Was die Dispensation betrifft: wie schon gesage5 , gab Plinius die Vorschrift, daB von der Schwarzen Nieswurz eine Drachme zu reichen sei: so wirkt sie leicht und sanft abflihrend auf den Leib; doch mehr zu geben als vier abolen, verbietet Plinius.

 

58. Verbena, das Eisenkraut

Die Verbene wird von den / Griechen Hierob6tanum76 und Peristere6n 77 genannt. Sie soli zwei Arten haben; die bringen aber beide gleiche Wirkung. Mit Wein oftmals getrunken, nlitzt die Verbene den Gelbslichtigen; sie heilt, mit Wein gestampft und aufgelegt, verderbliche Bisse; doch jeden vierten Tag / muB dies Pflaster emeuert werden. Walzt man den lauen Saft im Munde, reinigt' und heilt er Wunden in der Mundhohle; und gleiche Wirkung tut die frische Abkochung des Krautes, denn auch durch sie wird jegliche Eiterf<iule im Munde vertrieben, wenn man sie lange lau im Schlund bewegt und dazu singt (gemeint ist also: wenn man gurgelt). / Legt man das Kraut gestampft auf eine frische Wunde, verklebt und leimt es diese; und trinkt man es mit Wein, so widersetzt es sich samtlichen Giften. Ein Fieber, das an abwechselnden Tagen wachst und starker wlitet, ein Wechselfieber als078, wird vertrieben, wenn man drei Wurzeln dieser Pflanze nimmt und sie mit eben so viel Blattem in Wasser auflost und dann der Leidende dies Wasser trinkt, / bevor er noch den Schlittelfrost versplirt. Auf gleiche Weise heilt man auch das Vierttagsfieber, wenn man zweimal zwei Blatter mit ebenso viel Wurzeln ansetzt. Kocht man das Kraut in Wein und wird die Abkochung beim Festmahl unter die Gaste ausgesprengt, solI sie die allesamt heiteren Sinnes machen, / nicht anders als die oben79 genannte Bugl6ssa, die Ochsenzunge.sie die Milz; mit Wein getrunken, sorgt sie fUr geordneten Monatsfluß; desgleichen heilt sie Wassersucht, wenn man sie gleich am Anfang nimmt; I ebenso die verderblichen Bisse. All dies Vorhergenannte leistet sie gleichfalls, wenn man sie stampft und auflegt. Eine eitemde Wunde reinigt sie, und sei die noch so alt und eingefleischt, sofem du sie mit Honig stampfst und von oben auflegst. Salbt man die trUben Augen mit Gamandersaft und Honig, I solIen sie wieder klar und hellsichtig werden. Mischst du gestampften Gamander mit 01 und salbst den Leib, so vertreibt dies den SchUttelfrost und ruft die Warme wieder.

 

60. Maurella, der Naehtsehatt

Dies Kraut, welches die Griechen Strignum80 nennen, heiBt bei den Lateinem Maurella (oder Morella, denn so spricht man's aus). Seine Kraft ist sehr kUhlend. I Sein Saft soll den Ohrenschmerz wunderbar lindern, wenn er nach und nach eingetraufelt wird. Ein Strignum-Pflaster soll Augengeschwtire heilen und ebenso dem Kopfschmerz guttun. Wenn man zugleich mit Strignum Salz und Brot reibt lund stampft und dies als PfIaster auflegt, drangt es Mumps zuruck; mit Strignum-Saft bestrichen, weicht das Jucken; und ftihrt man diesen Saft von unten her (mit einem Wollzapfchen) an die Gebarmutter heran, bringt er den MonatsfluB zum Stehen. Vermische die gestampften Blatter mit einem Mus aus Mehl und lege sie dem heiligen Antoniusfeuer auf oder dem beiBenden schleichen den HautgeschwUr: beide I werden vertrieben; doch wenn du damit auch noch Silberschaum, BleiweiB und Rosenol verquickst, wird diese Arznei weitaus starker und besser.

 

61. Iusquiamus, das Bilsenkraut

Dies Kraut, welches die Griechen Iusqufamus , un sere Landsleute Canicuhita (das hieBe: Hundskraut) nennen, wirkt in/hohem Grad kühlend. / Es erscheint in drei Arten: die erste Art bringt weiBen Samen, die zweite hellroten82, die dritte schwarzen Samen hervor. Vomehmer als die beiden anderen ist die Art, die den weiBen Samen tragt; wenn diese nicht verfugbar ist, verwendet man die rotliche; die schwarze Jgebrauchen, lehnen indes die Arzte meistens abo ~ du die Blatter stampfst und mit Mus aus Mehl mischst, kannst du durch diese Anwendung beliebige Geschwlilste heilen; ebenso kannst du wunderbar die FuBgicht, die aus warmen Korpersaften kommt, durch Abktihlung zur Milde zwingen; und traufelst du den Pflanzensaft ins Ohr, so totet er die Ohrwtirmlein und pflegt die verschiedenartigen Ohrenschmerzen zu lindem. / Halt man Essig, in dem die Wurzeln dieses Krauts abgekocht sind, Hmgere Zeit lau im Mund, soli dies selbst unmaBigen Zahnscherz beruhigen. Der ausgepreBte Saft des Samens kann einen zahklebrigen warmen SaftefluB bezahmen, / wenn man die Augen des Leidenden oft damit salbt. Ein abolus dieses Samens, gemischt mit gleicher Menge Mohnsamen, mit Met genossen, ist fUr Frauen ntitzlich, die einen fluB aus der Gebarmutter erleiden. Man sagt, daB auch die Blutspeienden dadurch geheilt werden konnen; / und alle, denen Blut aus dem Munde bricht, aus welchen Grtinden imrner, soIlen, sofem sie diesen Trunk nur oft genug genieBen, Heilung finden. Ein Pflaster, aus in Wein gestampften Samen zubereitet, soll geschwollene Brüste und Hoden behandeln; und tiberhaupt gibt man Bilsenkrautsamen vielerlei Pflastem und Antidoten oder Gegengiften bei. Ißt man indessen dieses Kraut wie ein Gemtise, so fuhrt's in den Wahnwitz; dieselbe Wirkung hat der Saft, sofem man ihn in eine Wunde gießt.

 

62. Malva, die Wegmalve


Dieser Pflanze gaben die Alten den Namen Malve, weil sie den harten Leib erweicht85• Sie sei ein Kraut, das den Magen verdirbt, versichem zwar Sextus Niger sowohl wie Dioskurides; dennoch bekennen beide, / wenn man sie esse wie Gemlise, so nlitze sie den Dannen viel, auf gleiche Weise heile sie die Blase, und ebenfalls begegne sie giftigen Tranken. Dieselben Autoren versichem, daB durch Malven- und Wei denblatter, in gleicher Menge gestampft (und als Umschlag bereitet), schneller und besser eine blutende / Wunde geheilt werde als durch die kostspieligsten Pflaster. Weiters fligen diese Autoren an, daB die Malve, mit altern Schmalz vermischt, Prellungen kraftig Hilfe leiste. Ntihert man einem wehen Zahn die Wurzel eines einzigen Malvenstengels, so beruhigt sie den Schmerz; und wenn man sie mit einem Linnen an den Schenkel knlipft und bei sich tragt, soIl sie die Liebeskraft erregen. / Wenn aber eine Frau die Wurzel mit sich fUhrt, in schwarze Wolle eingehlillt, soIl sie die Krankheiten der Brliste abwehren. Olympias, die thebanische Arztin, hat geschrieben, daB sie abtreibend auf die Leibesfrucht wirkt, wenn man Gtinsefett lost, mit ihr verquickt / und dieses wie ein Scheidenzapfchen von un ten in die Scham einflihrt. Mit den gestampften BJattem und ein wenig Salz vertreibst du Augengeschwlire; mit Malvensaft heilst du die Bienenstiche; und wenn du 01 damit verquickst und deinen Leib bestreichst, wird dir gar keine Biene Schaden bringen. / Gib Malve, die in Ham gekocht ist, auf dein Haupt, wenn du schtindliche Kopfgrindflecken und Schuppen, die dir schaden, dort vertreiben willst; verquickst du aber abgekochte MalvenbIatter mit Olivenol, kannst du mit diesem Pflaster das heilige Feuer (das Antoniusfeuer) loschen, auch Brandwunden hervorragend lindem. / Verhtirtungen in der Gebarrnutter erweicht die Abkochung und nlitzt ganz wunderbar bei Krankheitsfilllen an den Darrnen, der Gebarrnutter sowie am After, wenn die von unten her (vermittels eines Wollzapfchens) damit behandelt werden.

 

63. Paratella, der Sauerampfer


Das Kraut mit Namen Lapathum86 nennt man im Volksmund Paratella;
das ist der Sa6erampfer, heiBt auch Grindwurz. Davon solI es vier Arten geren;fjedoch besitzen aile vier die nfunliche Arzneiwirkung, und aile sind von erwfumender, trocknender Kraft. Daher starkt Sauerampfer den Magen und pflegt auch WindbHihung, die im Magen eingeschlossen ist, durch Aufrillpsen in Bewegung und ins Freie zu bringen; genossen wie Gemtise, solI er den Durchgang durch den Bauch verlangsamen. / BeiBendes Jucken wie auch die Kratze, die den Kranken zwingt, seine Haut blutig zu kratzen, mtissen vergehen, wenn sie mit einer lauen Sudabkochung aus Sauerampfer erwfumt werden; und die in Wein gekochten, gut gestampften Wurzeln bezahmen, wenn du sie auflegst, bOse Halsdrilsen sowie Mumps. Wenn die Abkochung oftrnaIs lau gegurgelt wird, / beruhigt sie das geschwollene Rachenzapfchen und den Zahnschmerz. Der Saueramp fer hilft durch seinen Trunk auch den an Blutstuhl und Bauchgrimmen Leidenden; und auch den Ohrenschmerz vertreibst du durch ein laues Ampferpflaster. Die gekochten und mit starkem &sig gestampften Wurzeln muBt du einer geschwo11enen Milz haufig auflegen: / das wird die Schwellung, selbst wenn sie gewaItig ist, durch Austrocknung vermindem. Die Abkochung der Wurzeln in Wein oder in Wasser bezahmt durch ihren Trunk den Monatsflu13 und treibt auch Steine aus; eben so hilft sie den Gelbstichtigen. Die Wurzel, urn den Hals gehangt, soll böse Halsdrilsen schon am Entstehen hindem.

 

64. Lalium, der Lalch


Der Grieche nennt dieses Getreideunkraut: LOlium87 ; unsere Landleute sagen im Volksmund: NigelIa88 ; auf Deutsch ist das der Schwindelhafer oder Lolch. Er reinigt Krebsgeschwtilste und heilt fressende Wunden, wenn er mit Rettich und ein wenig Salz gestampft und aufgelegt wird; Raude und Aussatz zmmst du mit derselben Behandlung. Misch Lolium mit lebendigem (ungeloschtem) Schwefel und mit Taubenmist, gib dann noch Lilien- oder Leinsamen hinzu, koch das in Lauterwein und leg es auf die bosen Halsdrtisen: dieses Pflaster zersprengt die bosen Drlisen, bricht die Eiterknoten auf und macht noch andere verhartete Geschwi.i1ste weich. / Koch Lolium in Met, misch Weihrauch bei und Safran und leg's dem Schenkel auf, der von der niedertrachtigen Hliftgicht gequalt wird: das tut gut. Wenn eine Frau, die in Kindsnoten ist, bei ihrer Niederkunft ein Rauchbad mit Lolium nimmt, solI sie der Last ihres Leibes schneller ledig werden.

 

65. Cicuta, der Schierling


Die Kraft des todbringenden Schierlings90 ist von Natur aus kaltmachend. Deshalb totet er, die ihn trinken, nicht anders als ein kaltes Gift Wer an diesem Kraut stirbt, der bekommt eine fleckige Haut; sodaB man seine Todesart an diesem Zeichen prtifen kann. In Athen war der Schierlingstrunk die libliche Staatsstrafe flir alle Angeklagten (die zum Tode verurteilt wurden); durch Schierlingstrunk wurde der groBe Sokrates entseelt. / Doch zu berichten, wie dies vor sich ging, halte ich nicht flir meine Aufgabe; denn hier will ich nichts darstellen, was schadet, sondem al1ein, was nlitzt. Hat jemand Schierlingskraut genossen und ist somit dem Tode nah, so trink< er starken Lauterwein; dann wird er der Gefal1r entgehen. Dennoch: obwohl Schierling, durch Trunk genommen, Schaden bringt, / pflegt er durch seine Auflegung a6fs herrlichste zu helfen. Allsommerliche Augenentzlindungen mit \ Tranentraufeln heilt er wunderbar, wenn man die Stirn des Leidenden mit gestampften Blattem des grtinen Krauts bedeckt oder die Augen mit dem Krautersaft ringsum bestreicht. Durch gleiche Anwendung werden femer das Antoniusfeuer und ein schleichendes Hautgeschwlir vertrieben. / Anaxilaos lehrt uns folgendes: wenn eine Jungfrau zu der Zeit, da ihr die Brliste zu schwellen beginnen, diese haufig mit Schierlingssaft bestreicht, so werden sie ihr immer maBig grol3 und aufrechtstehend bleiben; und legt man grtines Kraut, gestampft, liber die Brtiste, so trocknet es die Muttermilch (und macht sie aufhoren). Es dampft die Liebesgier und erstickt liberhaupt jeglichen SamenfluB, / wenn du das Schambein oft genug mit einem PfIaster aus gestampftem Schierlingskraut bedeckst. Verquickt mit Silberschaum und Schmalz legst du's als Heilpflaster der Ful3gicht auf, die aus den warmen Korpersaften kommt: daß dies bei einem solchen Krankheitsfall vie! nlitzt, habe ich selbst bewahrt erfunden. Warum soli ich weitere Einzelbeispiele aufzahlen? Du kannst jeden schadlichen warmen Korpersaft zur Ordnung rufen: durch die Auflegung von gestampftem Sehierling.

 

66. Piper, der Pfeffer


Naehdem ich eine Anzah! einheimischer, im Volke gebrauchlicher Krauter in meinem Lied92 besungen habe, / will ich in den nun folgenden Abschnitten93 jene Gewtirzarten und Spezereien darzustellen versuchen, die durch die Handelsleute nahezu allgemein bekannt geworden sind. Und dabei glaube ich, liber die Wirkungskraft des Pfeffers (weil diesen die Kochkunst bertihmter / als die Arznei Seine Tugend soli erwarmend und trocknend sein, und zwar jeweils im dritten Grad. Es gibt drei Pfefferarten: WeiBpfeffer, Langpfeffer und Schwarzpfeffer. Doch weiI davon den Arzten nur zwei Arten bekannt sind, will ich liber den Schwarzpfeffer einiges sagen, was ich weiB. Roh genossen oder gekocht oder mit Honig verquickt: stets unterstlitzt er die Verdauungskraft des Magens wie der Leber; er heilt verderbenbringende Bisse, behebt Abscheu vor Speise und steHt sich den verschiednen Brustbeschwerden gem entgegen. I Den Schlittelfrost, wie ihn das Wechselfieber zu erregen ptlegt, bezahmt er, sofem er vor dem Anfall eingenommen wird. Und trinkt man ihn (also das Pfefferkorn), mit Lorbeeren oder mit gut gestampften Pfefferblattem und mit Lauwein, so lindert er das Bauchgrimmen; und legt man ihn mit nicht zerlassenern Pech auf bOse Halsdrlisen, macht er sie klein und harmlos; I mit Recht verquickt man ihn auch mit den Mitteln, welche die trliben Augen von der schrecklichen Dunkelheit befreien und sie heHsichtig machen. Mit Steinsalz gemischt, als Pilaster aufgelegt, vertilgt er Male auf der Haul. Nimrn das gestampfte Pulver von gebranntem Menschenkot, verquicke es mit ebensoviel Pfeffer und leg es Krebsgeschwtilste auf: I die Fachleute erklaren, es gebe nichts Nlitzlichers als dieses Pulver. Kein Mensch kann aile Wirkungskrafte des Pfeffers beschreiben; denn beinah samtliche Arzneien verlangen Pfeffer als Ingrediens, und auch vielen kostspieligen Antfdoten pflegt Pfeffer beigemischt zu werden. Hier ist auch, glaube ich, der Grund darur zu suchen, daB so geringes Lob des Pfeffers als einfacher Arznei sich in dieser Darstellung hier gesammelt hat: I denn er verdient seinen Ruhm als Bestandteil unzahliger zusammengesetzter Heilmittel.

 

67. Pyrethrum,

der Bertram Pyrethrum94 oder Bertram wirkt erwarmend und trocknend, jeweils im vierten Grad. Wenn kalter Korpersaft den Zahnen Pein beibringt, soli der Leidende Bertram kauen und ihn lange im Mund behalten; hilfreich ist auch, wenn man Bertram mit Essig mischt und gurgelt. Auf dieselbe Weise macht er die Zunge, wenn sie geschwollen ist durch kalten WeiBschleim, wieder klein und harrnlos, hebt auch das Rachenzapfchen, wenn's durch den kalten Kbrpersaft geschwollen und niedergedrtickt ist, wieder hoch und fulft noch vielen anderen Mundbeschwerden. ~ Ubers MaB gut ntitzt Bertram, mit Honig genossen, bei Fallsucht und lindert ebenso die Krankheit, welche alle Glieder lOst (gemeint ist Schlafsucht, lethargfa, oder auch Lahmung, paralysis). / Urn den Nacken gehangt, soil er fallsuchtleidenden Knaben hilfreich sein, und zwar allein durch seinen Duft. Wenn du, bevor ein Fieber (das von kaltem Korpersaft stammt) voll einsetzt, den Korper dieses Kranken salbst mit 01, in dem Bertram gekocht wurde, so mindert das den starren Fieberfrost und behebt ihn sogar; eine solche Salbung vertreibt oft auch den bedrtickenden Nierenschmerz; / und wunderbare Hilfe ftihlt gar der Gelahmte, der so gesalbt und mit den Handen wiederholt kraftig gerieben worden ist. Wenn du mit diesem 01 den ganzen Körper streichst, so Offnen sich die Poren, und reichlicher SchweiB geht hervor. Die gleiche Salbung heilt auch stets die Glieder, wenn sie taub sind und ihr Geftihl verloren haben; / sie kann den Korper gegen KalteeinfluB abschirmen; und auch den Starrkrampf oder Tetanus lost sie. Den gleichen Nutzen hast du, wenn du Bertram stampfst und in 01 auflost und damit dann den Ort, den du behandeln willst, einreibst und salbst.

 

68. Gingiber,

der Ingwer Man nennt Ingwer95 und Pfeffer in der Arzneikunde Wirkungsgenossen; deshalb brauche ich tiber den Ingwer nichts weiter zu sagen.

 

69. Cyminum, der Ktimmel (genauer: der Kreuzktimmel)


Die Arzte glauben, daB Cyminum96 oder KUmmel erwannende, trocknende Kraft, und zwar jeweils im dritten Grade habe. Wie auch immer man KUmmel zu sich nehme: er treibe, sagen sie, die WindbHi.hung davon, welche die Darme quale und den Magen bedrange. Ferner entfacht er die Hitze, mit der Magen und Leber ihre Verdauung verrichten; er solI die Wut der Liebesgier bezahmen97; und in Essig gekocht, hemmt er den Durchfall. Mit DUnnwein wiederholt genossen, bringt er nach Ansicht der Fachleute bei Orthopnoea oder Atemnot (wenn der Patient nur in aufrechter Stellung atmen kann) ganz wunderbare Heilung; mit Wein schafft er Hilfe bei giftigen Bissen; und legt man ihn gestampft, verquickt mit Bohnenmehl und lauem Honig, den geschwollenen Hoden auf, pflegt er ihnen zu helfen; mit DUnnwein genossen, zwingt er den MonatsfluB zum Innehalten; und iBt man ihn, sorgt er, so sagt man, für blasse (vornehme) Gesichtsfarbe.

 

70. Galanga, der Galgant

Eine MagenentzUndung oder ein Magengeschwlir lOst Galgant98, wenn man ihn einnimmt; und wenn der Magen voll von kaltem WeiBschleim ist, so starkt er ihn; auch eine in den Darmen eingeschlossene Windblahung verjagt er, hilft der Verdauungskraft auf und heilt das Bauchgrimmen; einen Mundgeruch, der das Maß Uberschreitet, bessert er sehr, wenn man ihn iBt; zuletzt / vermehrt er, wenn man ihn genieBt, die Liebeskraft und macht die Lenden warm.

 

71. Zedoar, die Zitwerwurzel


Trinkt man Zitwer99, so soll er s"-ich~eingehommenen Giften widersetzen; femer lindert er Schlangenbisse. IBt man ihn, starkt er den Magen und befOrdert ein heilsames AufrUlpsen; durch haufigen Genuß behebt er Ekel und Abscheu vor Speise. Wenn der Leidende nilchtemen Mundes Zitwer kaut und seinen Zitwerspeichel ganz allmahlich schluckt, / soll das den altverstockten Magenschmerz ausheilen. Nach seinem Trunk soil er die Spulwilrmer vertreiben. SchlieBIich nimmt er dem Munde den Geruch, den der GenuB von Knoblauch mit sich bringt, / und vertreibt ebenso den Gestank von unma13ig getrunkenem Wein.

 

72. Gariofilum,

die Gewtirznelke GariofflumlOo, die Gewilrznelke, soli warm und trocken sein im zweiten Grad. GenieBt man s74 ie, starkt sie Leber und Magen und tut eigentlich allen Eingeweiden gut. Sie entzilndet die Liebeskraft, sofern man sie, gestampft, im Gewicht einer Drachme mit frischer Kuhmilch trinkt; und nimmt man sie gar wiederholt zu sich, so starkt sie die Gedachtniskraft des Hims.

 

73. Cinnamum (oder Cinnamomum),


der Zimt Der ZimtlOl soll in drei Arten vorkommen; jedoch die kostbarste ist jene Art, die dilnn und fein erscheint und die, vermischt mit SilBigkeit, am meisten auf der Zunge beißt. Zimt trocknet überflilssige Safte im Magen und starkt ihn und bewirkt dadurch, daB er aufgenommene Speise geschwinder verdaut. Ferner heilt Zimt die Leber und reinigt die Safteverfassung des Körpers, indem er fur reichlichen HamfluB und MonatsfluB sorgt. Weiters beruhigt er den feuchten Husten wie auch den Katarrh. Der Art der Wassersucht, die man Paukenwassersucht (tympanites) nennt,hilft er bedeutend ab und drangt den Nierenschmerz zurUck. Ferner heilt er die Schlangenbisse; und wenn man ihn mit Augenarzneien verquickt, so trocknet er die wasserigen Augensafte Stampft man ihn gut, mischt ihn mit kraftigem Essig und legt ihn auf das Angesicht, befreit er es von haBlichen Leberflecken / und heilt das Leiden, dem der ungestUme Uberfall (lateinisch: impetus) den Namen gab, gemeint sind stark juckende Raude, Grind und Eiterflechte (lateinisch: impetigo ) Die andere Art des Zimts, niimlich die dicke Art, zahmt vorzUglich den BlutfluB bei Haemorrhoiden, sofern sie gut gestampft in Kaltwasser getrunken wird, und zwar zu der Zeit, da der Leidende sein Fasten noch nicht abgebrochen hat (also morgens vorm »breakfast«): der Trunk benotigt von der dicken Art zwei Drachmen.

 

74. eostus,


die Kostwurz Von der Kostwurz gibt es zwei Arten: die eine groB und rot und auBerst bitter; sie heiBt Indische Kostwurz. Die andere ist klein, nicht bitter, von weiBlicher Farbe; sie wird uns von den Arabern geschickt und ist besonders nUtzlich fUr die Medizin. Beide purgieren den Leib durch den Ham und treiben dabei Steine und andere Hindemisse aus; / sie heilen Milz und Leber; und wenn der Kranke sie mit Lauwein nimmt, sollen sie auch den Seitenschmerz veIjagen. Sie sorgen weiterhin fUr ordentlichen MonatsfluB, wenn eine Frau in ihrem Rauch ein Unterleibsbad nimrnt; durch diesen Rauch sollen femer Schmerzen der Scham zur Ruhe kommen; denselben Nutzen hat die Frau angeblich, wenn sie Scheidenzapfchen aus Kostwurz von unten in die Scham einfUhrt. / Beide Kostwurzarten vertreiben auBerdem die SpulwUrmer; sie reinigen, wenn du sie mit Honig gestampft auftragst, das Angesicht von Leberflecken; schlieBlich solIen sie noch den LiebestIieb erregen, wenn man sie trinkt, in lauen Met gernischt. Mit 01, in dem Kostwurz gekocht ist, kannst du jeden Fieberkranken, bevor sein Hohepunkt eintritt, bestreichen: du machst ihn damit sicher vor dem Schilttelfrost. I Ferner hilft diese Kostwurzsalbe gegen Hilftgicht und gegen geschwollene Glieder; und Kostwurzpulver schlieBlich heilt geschwind alteingefleischte Wunden.

 

75. Spica,


der echte Lavendel oder der edle Speik Erfahrene Fachleute versichern 1s, daB Spica oder Nardus Indica im ersten Grade warm und,tte:cken sei. Trinkt man sie, kraftigt sie die Leber, maBigt den Magenschmerz; lund macht man sie zu einer Sudabkochung, so reinigt sie die Nieren durch den Ham. Ferner tut sie der Blase gut, treibt HarnfluB sowie MonatsfluB, hilft Gelbsilchtigen und steHt sich ilberhaupt den bosen Saften in den Weg, welche das Haupt so oft ilber das Rachenzapfchen weg zur Brust hinabschickt. BeiBen und stechenden Schmerz in den Eingeweiden behebt sie; I und trinkt man sie, so pflegt sie Windblahung, die sich im Magen eingeschlossen hat, hinauszutreiben. Auch einen starken fluB aus der Gebarmutter dammt sie, mit einem WoHzapfchen von unten eingefilhrt. Mit Kaltwasser gereicht, solI sie das Herzzittern beruhigen, ferner hemmt sie den Brechreiz; und mit dick eingekochtem Most genossen, erregt sie die Liebeskraft. I Verhartungen in der Gebärmutter lost sie, sofern man sie gesotten in warmendem Wickel dem Unterleib auflegt. Warmt man die Augen oft genug mit einem lauen Umschlag aus dem Kraut, solI es diese vom beiBenden lucken befreien; und auch die Wimpern an den Augenlidern werden dadurch gestarkt, das heiSt: sie werden lang und schon. I Es gibt noch eine Nardenart, die Spica Celtica (oder der echte Speik) genannt wird, weil sie nur in der Gegend wachst, wo auch die Kelten wohnen. Alles, was Nardus Indica verrnag, soil Spica Celtica genauso konnen, wenngleich doch ihre Wirkungskraft geringer zu sein scheint.

 

76. Thus, der Weihrauch


Der Weihrauch solI im zweiten Grade warm und trocken sein. / Er macht die Augen hell, wenn er gestampft104und mit Eiklar oder mit lauer Weibermilch verquickt wird. In Starkwein gestampft, unter der Beirnischung von Pech und Milch, soIl er frische Wunden vorziiglich versorgen; mit SchweineschmaIz gemischt, heilt er Verbrennungen; und mit Honig verquickt, behebt er eitrige Entziindungen der Finger und Fußnagel. Fein gestampft und in Lauwein gelost, solI er sehr hilfreich sein bei Ohrenschmerz; gestampft mit Heilerde unter der Beigabe von Rosenol solI er geschwollene Briiste behandeln. / Nichts, glaubt man, bringe Blutspeienden besser Hilfe, aIs wenn sie Weihrauch mit der Beirnischung von Essig oder Wein genießen. Reibst du Weihrauch in Weibermilch und legst ihn auf Geschwiilste, wie sie oftmals am After oder anderenorts zum Vorschein kommen, heilt er sie. / Verquickst du ihn mit Aloe und Eiklar dick, magst du ihn einer aufgeschnittenen Blutader oder iiberstark blutenden Wunde auflegen; abnehmen darfst du dieses Pflaster aber erst, wenn du den Glauben hegen kannst, dal3 sich der Schnitt wieder geschlossen hat. Wenn notig, kannst du dieses Mittel dem ersten, obenlO5 schon genannten noch hinzufiigen, / bis sich die Narbe festigt und von bestandiger Dauer zu sein scheint: die Autoritaten erklaren, nichts konne das Blut besser stillen. Durch Weihrauchduft wird die Gedachtnisstarke des Gehims vermehrt. Und wenn jemand mit Dost (origanum) zusarnrnen Weihrauchkomer kaut, so treibt er aIle bOsen Safte aus dem Haupt, und zwar durch Auswurf und durch Spucken; / femer macht diese Reinigung des Hauptes eine schwere Zunge leicht. Bereitet man aus Ganse- oder Entenschmalz und mit Weihrauch ein Pflaster, so hilft es Gliedem sehr, die ein Feuer verletzt hat.

 

77. Die Aloe


Es gibt zwei Arten Aloe: die eine ist rotlich und sieht, wenn man sie bricht, innen wie Leber aus; diese heißt Aloe epatica oder hepatica (die Leber-Aloe) und hat sehr groBe Wirkungskraft, wenn man sie als Arznei gebraucht. Sie scheint weit nützlicher zu sein als die andere Art, welche, wenn man sie bricht, in ihrem Inneren Pechfarbe sehen läßt Die Leber-Aloe also reinigt den Magen vom kalten Weißschleim, sowie das Haupt und die Gelenke, indem sie sanft den bösen Körpersaft nach unten durch den Bauch ins Freie führt; weiterhin reinigt sie die GelbsUchtigen und hilft dem Inneren der Leber auf. / Ihr Pulver befreit frische Wunden vom Eiter, wenn man es aufstreut, und heilt durch trocknende Wirkung. VorzUglich Geschwüre oder Wunden am mannlichen Glied und den Hoden sollen durch dieses Pulver Heilung finden. Löst man's in Wasser auf und gibt es auf die Lippen und die Nase, hilft dies gegen dortige Eiterknoten, nicht weniger auch an den Augen; und streicht man dieses Pulver ringsherum, vertreibt es auch den Greisenring (wie er rund um den Stem des Auges aufzutreten pflegt) . Misch es mit Starkwein und mit Rosenöl und salbe Haupt und Stirn: es hilft wunderbar gegen den Kopfschmerz; auch das Jucken der Augen wird durch diese Salbe beschwichtigt. Stampfst du Aloe gut in Wein und bereitest ein Pflaster, so starkt dies den Haarwuchs und hält alle Haare zurück, die da ausfallen wollen. Zunge, Zahnfleisch und alle Mundbeschwerden erhalten ihren Vorteil, wenn sie mit Aloe, in Wein und Honig gut gestampft, gerieben werden. Genießt man Aloe fUr sich allein, führt sie den Bauch gelinde abo Schlechthin sei sie, so glaubt der Autor Oribasius, dem Magen freundlich zugeeignet, wohingegen die anderen Abführmittel ja dem Bauch wehtun. Zwei Drachmen Aloe mit Met schrieb jener Autor vor und trieb so reinigend Gelbgalle wie auch Weißschleim aus dem Leib. Drei Pillen täglich nach dem Mahl oder nur zwei, von frischer, grüner Aloe mit Kohlsaft, ausgeformt nach der Große einer dicken Bohne oder Zisererbse, seien sehr nützlich einzunehmen, sprach er. Dies Mittel treibt die bösen Körpersafte mitsamt der Darmausscheidung reinigend hinaus, ohne den Magen zu zerrütten oder Gewalt zu gebrauchen. Wer oft genug mit diesen Pillen sich gereinigt hat, wird kaum jemals erfahren, was Qual durch Kopfschmerz ist; und für die Augen, glaube mir, gibt's auch nichts Heilsamers. Willst du in den harten Leib in reichlicherem Maß abführen, muBt du zwei Teilen der gestampften Aloe einen Teil diagridium, das ist purgierende Windensaftlatwerge, beimischen: so erzielst du einen geeigneten, angemessenen Stuhlgang.

 

Mit dieser Vorschrift beschließt Macer, der Blumendichter, sein Lied über die Kräfte der Kräuter.

 

Quelle : (Buch) Kräuter im Mittelalter