Der Handel

Die meisten Menschen, ob sie auf dem Land oder in der Stadt lebten, blieben ihr Leben lang daheim. Die Händler waren eine Ausnahme. Sie wagten es als einzige, die Handelsstraßen zu befahren. Auf Zweiradkarren, Plan- oder Leiterwagen transportierten sie alle Waren, die ihnen Gewinn versprachen. Die Straßen, zu denen wir heute Feldweg sagen würden, führten durch ganz Europa.

Bei Regen blieben die schweren Wagen oft im Schlamm stecken. Trotzdem kamen sie nach zwei Wochen Fahrt beispielsweise von Venedig nach Nürnberg. Günstig war es, wenn eine Stadt am Meer oder an einem Fluss lag.

Der Kaufmann bot der staunenden Kundschaft Waren an, die tatsächlich aus der ganzen,damals bekannten Welt stammten: Gewürze wie Pfeffer, Nelken und Zimt, aber auch Teppiche aus dem Orient. Aus Afrika waren Baumwolle und Farbstoffe sehr beliebt. Venezianische Seeleute befuhren mit ihren Schiffen das ganze Mittelmeer und so kamen von dort vor allem hochwertige Seide, und die Waren aus Asien aber auch Afrika und Indien nach Nordeuropa. Äußerst begehrt war auch das Salz aus dem Gebiet um Salzburg, das in den Städten mit Gold aufgewogen wurde, denn mit ihm wurden damals verderbliche Waren wie Fleisch und Fisch haltbar gemacht.

Die Händler betrieben auch in Osteuropa regen Handel. So hatten zum Beispiel die Runtinger, eine der bedeutendsten Handelsfamilien dieser Zeit, eine Filiale in Prag. Sie fuhren mit Gewürzen, Seide,Wein, Salz und Tuchen nach Osteuropa. Im Gegensatz dazu wurden von dortausvor allem Vieh, Metalle, also Kupfer, Silber und Erze in die deutschen Städte transportiert und dort weiterverarbeitet.

So waren zum Beispiel Messer, Scheren Nadeln und Rüstungen aus Nürnberg sogar in London, Lissabon und Konstantinopel hoch angesehen. Aus Spanien kamen vor allem Südfrüchte, Safran, Rohwolle und Leder nach dem übrigen Europa. Aus Nordeuropa kamen Fisch und Pelze zu den Verarbeitungsstätten im Süden. Aus Frankreich kamen natürlich Wein, aber auch Tuche, die von dort aus auch nach London geschifft wurden.

 

Die Hanse

Die geschichtlichen Ursprünge der Hanse liegen in Zusammenschlüssen von ost-, west- und norddeutschen Kaufleuten begründet. Diese Kaufleute taten sich zusammen, weil der Warenbedarf anstieg und Überschüsse produziert wurden. Insbesondere dem Ausland gegenüber traten die Reisegenossenschaften als mercantores teutonici entgegen, während deren Träger im Inneren oft politisch hohe Positionen in den Städten einnahmen. Seit Mitte des zwölften Jahrhunderts gründeten deutsche Kaufleute im Westen in London, etwas später in Brügge und bald darauf in Brabant, im Osten auf Gotland und, von Gotland ausgehend, in Nowgorod Niederlassungen und baten sich Zoll-, Handels- und Niederlassungsprivilegien aus. Auf Gotland konnte sich die Gotländische Genossenschaft etablieren.

Das von Heinrich dem Löwen 1159 neugegründete Lübeck bildete eine Konkurrenz zu den Genossenschaften, nicht nur weil es rein geographisch das Zentrum des Ost-West-Handels war. Wenn der Warenverkehr nicht den umständlichen Seeweg einschlagen sollte, so musste er über Lübeck verlaufen. Aber Lübeck unternahm auch aktive Anstrengungen zum Ausbau seiner Position. Lübeck schloss Bündnisse und verschaffte sich Privilegien in Norwegen, Schweden, England, Flandern, Dänemark, Utrecht und Holland. Lübeck erwuchs zur ernsten Konkurrenz zur Gotländischen Genossenschaft.

Der Übergang von dieser sog. Kaufmannshanse zur Städtehanse wurde von mehreren Faktoren bedingt. So sollte es sich zeigen, dass die autonomen Räte der Städte den Ältestengremien der Genossenschaften an Effizienz und Einfluss überlegen waren. Außerdem verschaffte im 13. Jahrhundert die nautische Entwicklung der Hanse Vorteile gegenüber ihren Konkurrenten, weil die Kogge nunmehr seetüchtiger als andere Schiffe war. Ein weiterer Faktor, der zur Überlegenheit der Städte gegenüber den Reise- oder Auslandsgenossenschaften führte, war der damalige Übergang der Händler von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit. Dies alles löste selbstverständlich die Handelsniederlassungen im Ausland nicht auf, aber es nahm ihnen zunehmend ihre Autonomie, weil von nun an die Hansestädte die Lenkung des gesamten Privilegien- und Fernhandelssystems übernahmen.

Die Handelsbeziehungeninnerhalb der Hanse beruhten auf einer Kombination von Land- und Seehandel. Von Süden und Westen her kamen wertvolle Fertigwaren (Wein, Tuche und Metallerzeugnisse) sowie Salz, von Osten und Norden dagegen Rohstoffe (Honig, Pelze, Teer, Pottasche, Holz, Getreide, Flachs, Pech und Wachs), Hering und Stockfisch. Luxusgüter - auf Bernsteinexport hatte der Deutsche Orden ein Monopol-, Gewürze und Südfrüchte standen an Quantität diesen Handelsobjekten nach. Der Landweg verlangte nach einer geeigneten Infrastruktur, und so trug die Hanse erheblich zum Ausbau des Wegenetzes bei.

Lübecks Rolle wurde etwas geschmälert, als die schifffahrenden Händler die "Umlandfahrt" einführten, die ihnen auf dem Weg von der Ostsee nach Holland das zweimalige Umladen ersparten. Lübeck nahm aber weiterhin eine aktive politische Rolle ein und sicherte sich damit seine Führungsposition. So konnte Lübeck die Abhängigkeit Nowgorods von der Gotländischen Genossenschaft zugunsten der von Lübeck selbst aufheben, und 1298 gelang es, die Bedeutung der Gotländischen Genossenschaft und Visbys de jure zur Bedeutungslosigkeit zu verkehren. Im Zuge der dynastischen Auseinandersetzungen zu Anfang des 14. Jahrhunderts unterwarf sich Lübeck dem dänischen Königshaus. 1341 konnte ein Seebündnis Lübecks, Wismars, Stralsunds, Greifswalds und Rostocks unter dänischem Schutz geschlossen werden.

Schon Mitte des 14. Jahrhunderts deutet sich ein Faktor an, der die Gesamtmacht der Hanse schmälern sollte. Im Innern herrschte keineswegs Einigkeit. Es gab zwar die Hansetage, die aber v. a. der Sicherung der Privilegien im Ausland dienen sollten. Größer war der gemeinsame Nenner der sehr wechselhaft beteiligten Städte nicht. Die "Kölner Konföderation" (1367-85) ist ein Kriegsbündnis gegen den Dänen Waldemar V. und nicht die Formierung eines Hansebündnisses, wie sich leicht an den Teilnehmern ablesen lässt. Nicht einmal aus den gemeinschaftlichen Verhandlungen mit dem Ausland konnten schließlich innere Interessenskonflikte herausgehalten werden, wie die Auseinandersetzungen zwischen preußischen und wendischen Kaufleuten während der Verhandlungen mit England gegen Ende des 14. Jahrhunderts zeigen. Als verstärkender Faktor für den inneren Zerfall der Hanse kommen die innerpreußischen Auseinandersetzungen hinzu, zu denen u. a. der Abfall wendischer Städte vom Deutschen Orden gehört.

Ein weiterer Faktor, der die Hanse gefährden sollte, war der Aufstieg der äußeren Mächte. Die Londoner Niederlassung deutscher Kaufleute, der Stahlhof, wurde 1598 von Elisabeth geschlossen, nachdem die dortigen Privilegien eine lange Zeit lang immer wieder hatten bestätigt werden können. Schon ein Jahrhundert früher ließ Ivan III. die Nowgoroder Niederlassung, den Petershof, schließen, nahm die verbleibenden Kaufleute gefangen und löste deren Autonomie durch seinen Herrschaftsanspruch ab.

Der entscheidende Faktor aber, demgegenüber sich die Hanse als zu unflexibel erwiesen hat, waren die Veränderungen in der Handelspolitik. Der niederländische Handel erstarkte und reichte bis in die Ostsee hinein, die Hanse hatte keine Kontrolle mehr über den Markt. Daran konnten auch Reformen in der Mitte des 15. Jahrhunderts wie z.B. die Reformacie des Stapels, den Aufrechterhalt des Brügger Stapelzwangs, nichts ändern. Die Rolle Hollands nahm durch die Entstehung des neuburgundischen Reiches, das sich Holland einverleibte, und durch die Politik Dänemarks, die Holland oftmals begünstigte.

Die Marktordnung

In jeder mittelalterlichen Stadt war das Zentrum der Markt. Ohne den Markt wären viele Städte nicht entstanden. Betrügerei, Wucher und andere Delikte wurden nach der Marktordnung hart bestraft. Der Rat der Stadt achtete darauf, dass der Handel ohne Zwischenfälle ablief (Sicherstellung des Marktfrieden). Beim Fischkauf war es verboten den Fisch zu berühren, tat man das doch und wurde dabei gesehen, drohte eine hohe Geldstrafe. Wenn ein Bäcker seine Brötchen zu klein backte, drohte ihm die Strafe von 5 Schilling. Für Betrug und Gaunerei gab die Höchststrafe, nämlich die Todesstrafe. Angezeigt von dem Fleischrat wurden Metzger die altes oder verfaultes Fleisch verkauften.

Die Marktregeln

- des kuniges strazen suln sehzehen schouhe wit sin.
(Die Strassen des Königs sollen sechzehn Fuss breit (weit) sein.)

- swelh wagen dez ersten an die brugge kumet, der soll ouch des ersten uber varen.
(Welcher Wagen zuerst an die Brücke kommt, der soll auch zuerst darüber fahren.)

- der rat hat gesetzet an erber lüte, die daz brot, win und fleisch besehen.
(Der Rat hat ehrbare Leute eingesetzt, die das Brot, den Wein und das Fleisch kontrollieren.)

- swele kramer oder suter sin kram uf richte an dem vischmarkte, der git 3 sol.
(Der Krämer (Händler) oder Schuhmacher, welcher am Fischmarkt seinen Stand aufstellt, der bezahlt drei Münzen.)

- diu lant straze sol alse breit sin, daz ein wagen dem andern mag gerumen.
(Die Landstrasse soll so breit sein, dass ein Wagen dem anderen ausweichen kann.)

- der lere wagen sol rumen den geladen.
(Der lehre Wagen soll dem geladenen ausweichen.)

- und der ringer wagen sol ie dem sweren wichen.
(Und der leichtere Wagen soll dem schwereren ausweichen.)

- swelher baz entwichen mag, der sol ouch entwichen.
(Wer besser ausweichen kann, der soll auch ausweichen.)

- der ritende entwiche dem wagene.
(Der reitende weiche dem Wagen aus.)

- der gende entwiche dem ritenden.
(Der Gehende weiche dem Reitenden aus.)

 

Bergbau im Mittelalter

In der Wirtschaft des Mittelalters spielte der Bergbau eine zentrale Rolle. Die geförderten Erze, hauptsächlich Silber, Eisen, Kupfer und Blei, teilweise auch Gold waren in vielen Bereichen des täglichen Lebens und in der Politik unverzichtbar. So z.B. in der Waffe- und Rüstungsproduktion, in der Kunst, als auch im Handelswesen. Da die Erze jedoch nur an einzelnen Stellen und über das ganze Staatsgebiet verteilt gefördert wurden und sich deren Transport zur damaligen Zeit als sehr schwierig gestaltete, entstanden um die jeweiligen Förderstätten herum regelrechte Bergbaustädte, in denen die Erze verhüttet und weiterverarbeitet wurden. Die Zentren des Erzbergbaus, auf das Gebiet Deutschlands bezogen, befanden sich im Sauer- und Siegerland, im Harz und im Erzgebirge. Wie groß solche Bergbaustädte waren, zeigt das Beispiel von Schwaz in Tirol, wo zeitweise 10.000 Menschen allein im Bergbau beschäftigt waren. Diese stammten jedoch nur teilweise aus dieser Region. Der Rest ist aus anderen Gebieten angeworben worden oder aus freien Stücken dorthin gezogen.

Das Bankwesen

Für den geregelten Ablauf der Wirtschaft waren das Geld- und Kreditwesen sowie die Banken unentbehrlich. Das Bankwesen hatte sich zunächst vor allem aus dem Münzwechselgeschäft entwickelt. Bald bildete sich ein eigener Berufsstand der Geldwechsler heraus. Erst Leitwährungen wie der Florentiner "Goldflorin" brachten überschaubare Verhältnisse. Auch erhielten Städte, die Münzen anerkannter Qualität prägten, europaweite wirtschaftliche Bedeutung.

Erst durch das Gewähren von Krediten entfaltete sich die produktive Kraft der Geldwirtschaft. Ohne Kreditwürdigkeit konnte niemand erfolgreich kaufmännisch tätig sein. Da die Kirche ebenfalls selbst auf Geldgeschäfte angewiesen war, änderte sie ihr Verhältnis zu Geld und Zinsen, welche sie eigentlich strikt ablehnte.

 

Die Waldnutzung

Von zentraler Bedeutung für das Leben des mittelalterlichen Menschen war der Wald. Holz war einziger Brenn- und wichtigster Baustoff. Steinhäuser konnten sich nur Wohlhabende leisten. Die Masse der Bevölkerung lebte in Holz- bzw. Fachwerkhäusern, die nur teilweise über ein Fundament oder Untergeschoß aus Stein verfügten.

Der Landesausbau des Hochmittelalters vergrößerte den Anteil der landwirtschaftlich genutzten Flächen zu Ungunsten des Waldes. Besitz- oder Zugangsrechte zum Wald gewannen an Bedeutung, Auseinandersetzungen in diesem Bereich wurden häufiger. Aus dem 12. Jahrhundert stammen die ältesten grundherrlichen Regelungen zur Waldnutzung, zu der neben der Holzentnahme auch die Waldweide des Viehs, insbesondere die Eichel- und Bucheckermast der Schweine im Herbst, gehörte. Für die ärmeren Teile der Bevölkerung war auch das Sammeln von Waldfrüchten (Beeren, Pilze) von Bedeutung.

Mit der Entwicklung von Bergbau und Hüttenwesen wuchs die Nachfrage nach Gruben- und Brennholz; letzteres wurde vor Ort von Köhlern zu Holzkohle verarbeitet. Handwerker und Gewerbetreibende benötigten ebenfalls in großem Umfang Werkholz. Insbesondere in den Städten wurde der Bedarf immer größer. Der steigende Preis machte den Transport über größere Entfernungen rentabel, der vor allem während der Schneeschmelze im Frühjahr auf dem Wasserweg erfolgte (Flößerei).

Gleichzeitig kümmerte man sich intensiv um die Aufforstung abgeholzter Flächen. Erst durch die systematische Aussaat von Laub- und Nadelholzsamen gelang es, wenigstens den nötigsten Bedarf zu befriedigen. Die intensive Nutzung und die sich daraus ergebende teilweise Verwüstung des Waldes sind allerdings bis weit in die Neuzeit Probleme geblieben.

 

Große Ravensburger Handelsgesellschaft

Die Große Ravensburger Handelsgesellschaft wurde um 1380 durch Kaufleute aus den Familien Humpis (aus Ravensburg), Mötteli (aus Buchhorn) und Muntprat (aus Konstanz) gegründet. Sie war eines der bedeutendsten europäischen Handelsunternehmen des Spätmittelalters.

Anfangs diente die Gesellschaft wohl vor allem der Vermarktung des heimischen Tuchs (vor allem Leinen und Barchent). Als 1402 in Ravensburg eine der ersten Papiermühlen nördlich der Alpen errichtet wurde, kam ein weiteres Eigenprodukt dazu; ebenso handelte man aber mit Gewürzen aus dem Orient, Wein und Öl aus dem Mittelmeerraum, Erzen aus Osteuropa und anderem mehr. Die Große Handelsgesellschaft ist vermutlich auch der Grund, dass Heimatforscher in Ravensburg keine historische Tracht ausfindig machen konnten; wer es sich leisten konnte, trug schon damals italienische Mode, und wer sich das Original nicht leisten konnte, schneiderte sich Kopien.

Durch die Errichtung von Niederlassungen (so genannten Geliegern) in Spanien, Frankreich, Italien und Osteuropa gewann die Handelsgesellschaft bald an gesamteuropäischer Bedeutung. Neben der in Ravensburg angesiedelten zentralen Leitung und der Niederlassung in Konstanz bestanden Verbindungen zu Memmingen, Biberach, Lindau, St. Gallen, Kempten, Ulm und anderen Städten der Umgebung. Niederlassungen, Kontore und Faktoreien hatte die Gesellschaft in der Blütezeit unter anderem in Antwerpen, Brügge, Lyon, Avignon, Genf, Wien, Venedig, Mailand, Genua, Barcelona, Saragossa und Valencia. Auch in den wichtigen Messestädten Frankfurt am Main und Nürnberg war sie präsent.

Über 100 Familien aus etwa 10 Städten des Bodenseegebietes waren an der Gesellschaft beteiligt. Die bedeutendsten waren die Humpis (die auch die meisten Regenten der Gesellschaft stellten), Mötteli, Muntprat, Ankenreute und Holbein.

Es gibt Hinweise darauf, dass sich auch die Fugger auf ihren ersten Italienfahrten Handelszügen der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft anschlossen.

Ab Ende des 15. Jahrhunderts machten Familienstreitigkeiten innerhalb der führenden Familien und Abspaltungen von Handelsfamilien, die Konkurrenz der St. Galler Diesbach-Watt-Gesellschaft, der Memminger Vöhlin-Welser-Gesellschaft sowie vor allem der Augsburger Fugger und Welser der Ravensburger Handelsgesellschaft zunehmend zu schaffen.

Beschleunigt wurde der Niedergang sicher auch durch eine ungenügende Anpassung an die von der "Entdeckung" des amerikanischen Kontinents veränderten Wirtschaftsbedingungen und durch die von hohen Goldimporten hervorgerufene Inflation.

Die Schwerfälligkeit der Ravensburger Organisationen einerseits und das Fehlen qualifizierten und risikofreudigen Nachwuchses andererseits verhinderten ein Gegensteuern. So scheuten die Ravensburger auch die Aufnahme von Bankgeschäften, die entscheidend zum späteren Reichtum der Konkurrenz etwa aus den Häusern der Fugger und Welser beitrugen. Stattdessen nutzten sie den erworbenen Reichtum, um die Stadt zu verlassen und nach dem Vorbild des Adels auf Landsitzen zu wohnen und selbst Adelstitel zu erwerben.

1530 erlosch die Handelsgesellschaft sang- und klanglos, als nicht mehr genügend Gesellschafter zur Erneuerung der jeweils nur auf Zeit geschlossenen Gesellschaftsverträge bereit waren.

 

Die Vitalienbrüder, Klaus Störtebeker

Klaus Störtebeker (* um 1360; † möglicherweise 21. Oktober 1401 in Hamburg) war Anführer der Likedeeler ("Gleichteiler") und der wohl bekannteste Seeräuber, der aus den Reihen der Vitalienbrüder hervorging. Diese schreckten nicht vor grausamen Morden zurück.Doch Sie kämpften auch lange Zeit erfolgreich gegen die hanseatischen "Pfeffersäcke". Bundesgenossen Störtebekers und ebenfalls berüchtigte Likedeeler waren die Kapitäne Gödeke Michels, Hennig Wichmann und Magister Wigbold.

Manche nehmen an, Störtebeker sei aus der Gegend von Rotenburg (Wümme)/Verden, andere meinen, er stamme aus Wismar. Im Liber proscriptorum, dem "Verfestungsbuch" der Stadt Wismar, ist im Jahre 1380 ein Vorfall festgehalten, wonach zwei Wismarer Bürger aus der Stadt gewiesen wurden, weil sie einem anderen in einer Schlägerei verschiedene Knochenbrüche zugefügt hatten. Der Betroffene der Auseinandersetzung wird als "nicolao stortebeker" bezeichnet. Es spricht viel dafür, dass dieser Nikolaus Störtebeker später als Klaus Störtebeker in die Geschichte einging.

Angeblich hat sich der Freibeuterkapitän den Namen Störtebeker (aus dem Niederdeutschen von „Stürz den Becher“) wegen seiner Trinkfestigkeit als Spitznamen verdient. So soll er der Sage nach einen 4-Liter-Humpen (einen ellenhohen Becher) Bier ohne abzusetzen in einem Zug leergetrunken haben.

 

Ins öffentliche Bewusstsein trat Störtebeker erst nach der Vertreibung der Vitalienbrüder von der Insel Gotland als Kapitän der Likedeeler, nachdem diese sich Mitte der 90er Jahre des 14. Jahrhunderts als Freibeuter selbstständig gemacht hatten. Die Vitalienbrüder unterstützten ursprünglich König Albrecht von Schweden im Kampf gegen die dänische Königin Margarethe I. und betrieben dazu auch Seeräuberei in Nord- und Ostsee. Den Übergriffen auf die Schiffe der Dänen und Lübecker, die auf dänischer Seite standen, folgten bald Überfälle auf andere Schiffe der Hanse. Hierfür hatten die Vitalienbrüder Kaperbriefe erhalten. Damit ausgestattet konnten sie die erbeuteten Waren in Wismar frei auf dem Markt verkaufen.

Ab 1396 hatte Störtebeker auch Unterstützung in Marienhafe, Ostfriesland, wo er eine Tochter des friesischen Häuptlings Keno ten Broke geheiratet haben soll. Diplomatischer Druck seitens der Hansestädte führte zum Verlust dieser Operationsbasis. Am 15. August 1400 beurkundete Herzog Albrecht von Holland einen mit den Vitalienbrüdern geschlossenen Vertrag. Diesem zufolge nahm er 114 Vitalienbrüder auf und stellte sie unter seinen Schutz. Dabei werden acht Hauptleute namentlich genannt, darunter ein Johan Stortebeker. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass sich ein weiterer Anführer mit dem Namen Störtebeker in den Vordergrund gedrängt hat. Darum muss angenommen werden, dass Klaus Störtebeker nicht wie Gödeke Michels nach Norwegen geflohen ist, sondern sich weiterhin nahe der Nordsee aufgehalten hat.

Die Hanse und insbesondere die Hansestadt Hamburg versuchten selbstverständlich, den Seehandel mit England und Holland vor Piratenangriffen zu schützen. Sie verstärkten insbesondere die Anstrengungen zur Verfolgung und Bekämpfung Störtebekers und Gödeke Michels. Störtebeker soll den überlegenen Hamburger Kriegskoggen mit seinen Schiffen aber immer wieder auf die hohe See entkommen sein.

Am 22. April 1401 wurde er von einer hamburgischen Flotte unter Simon von Utrecht vor Helgoland gestellt, in der Seeschlacht nach erbittertem Kampf gefangen genommen und auf der Bunten Kuh nach Hamburg gebracht. Angeblich soll dieser Erfolg erst durch die Hilfe eines Verräters ermöglicht worden sein, der unbemerkt flüssiges Blei in die Steueranlage goss und damit Störtebekers Schiff manövrierunfähig machte – alternativ wird dies mit der Zerstörung des Hauptmastes durch Geschosse der Bunten Kuh erklärt.

Klaus Störtebeker wurde am 20. Oktober 1401 mit rund 30 Gefährten, unter ihnen sein Steuermann Humbert Grobherz, auf dem Grasbrook bei Hamburg durch einen Scharfrichter namens Meister Rosenfeld enthauptet.

 

Der Legende nach soll Störtebeker vom Bürgermeister der Hansestadt Kersten Miles gestattet worden sein, dass all jene Männer überleben durften, an denen er nach seiner Enthauptung noch vorbeizugehen vermochte. An elf Männern schritt der Geköpfte vorbei, bevor ihm der Henker den Richtblock vor die Füße warf (lt. einigen Quellen ihm ein Bein stellte). Nach dem Sturz des Piraten brach der Bürgermeister allerdings sein gegebenes Versprechen und alle Seeräuber wurden enthauptet. Andere Quellen sprechen davon, dass dies lediglich eine letzte List von Störtebeker war, um als erster hingerichtet zu werden. Denn während das Beil am Anfang noch am schärfsten ist, wird es mit jeder Hinrichtung zunehmend stumpfer und die Hinrichtung qualvoller, denn es kam häufig vor, dass nicht der erste Schlag zum Abtrennen des Kopfes führte. Allerdings wurden in jener Zeit in Deutschland Enthauptungen meist mit dem Schwert durchgeführt.

Das von Daniel Hopfer geschaffene und oftmals verwendete angebliche Portrait Störtebekers stellt in Wirklichkeit Kunz von der Rosen, den Schalknarren und Berater Kaiser Maximilians dar, der 100 Jahre nach Störtebeker lebte.

Der Artikel Klaus Störtebeker stammt aus dem Nachschlagewerk Wikipedia, der freien Enzyklopädie. Dort findet sich neben einer Übersicht der Autoren die Möglichkeit, den Original-Text des Artikels zu editieren. Die Texte von Wikipedia und dieses Artikels stehen unter der GNU Free Documentation License. [Lokale Kopie der GFDL]

 

Alte Masseinheiten

Im Mittelalter gab es unsere Masse, wie Meter, Liter oder Kilogramm noch nicht. Zwar gab es Masseinheiten, die aber von Gegend zu Gegend verschieden sein konnten. Es lag am Herrscher eines Gebietes die Masse festzulegen. So kam es auch vor, dass ein Fürst eigene Masse einführte, zum Beispiel seine eigene Nasenlänge oder der Abstand seiner Augen als Längenmass.

4 Gerstenkörner

=

1 Querfinger

1 Querfinger

=

1 Zoll

5 Zoll

=

1 Handbreit

2 Handbreit

=

1 Spanne

20 Zoll

=

1 Elle

4 Vierling

=

1 Pfund

100 Pfund

=

1 Zentner

2 Zentner

=

1 Doppelzentner

2 Fuss

=

1 Elle

4 Fuss

=

1 Aune

5 Fuss

=

1 Klafter

2 Klafter

=

1 Rute

400 Aunen

=

1 Wegstunde

4 Schoppen

=

1 Mass

10 Becher

=

1 Mass

160 Mass

=

1 Eimer

4 Eimer

=

1 Saum