Wappen und Ursprung der Herren von Kayl

Blättert man die einzelnen Geschichtsquellen durch, so findet man oft Widersprüchliche Angaben zum Wappen von Kayl. Aufgabe dieses Artikels soll es sein, diese Widersprüche zu untersuchen und, wenn möglich, zu klären. Von P. Medinger und R. Matagne wird das Wappen der Kayler Herren folgendermaßen beschrieben:

In Gold ein schwarzer Greif mit roter Zunge und roten Krallen

 

       


Quellennachweis:

J. Bertolet: Histoire ecclésiastique et civile du Duché de Luxembourg et Comté de Chiny, tome VII, p. 365 - Blanchart: Armorial, manuscript, Arch. état - Munchen: Armorial du Pays de Luxembourg, manuscript, Bibl. Sect. Hist. Inst. Gr. D. Lux. - Neyen: Armorial, manuscript, Bibl. Nat. - Pierret - Manuscript, tome III, Arch. état.

Dagegend findet man bei de Raadt folgende Angaben über Kayl: Im Dezember 1295 siegelt Simon von Kayl, Seneschall der Grafschaft Luxemburg: im Schild ein Löwe mit Schrägrechtstab (un lion au bâton brochant), Umschrift: . . . KEILL. Simon von Kayl, Edelknappe, siegelt 1340: im Schild ein Löwe, Umschrift: S SIMON . . . N KEIL.

Medinger erwähnt ebenfalls diese Stelle bei de Raadt, glaubte jedoch, dieser habe einen Greif mit dem Löwen verwechselt. Nun beschrieb C. Wampach das Siegel Simons von Kayl in der Urkunde vom 25. Mai 1293 ebenfalls als einen im Schild nach rechts aufsteigenden Löwen.

Demnach kann man sich fragen, ob der Greif oder der Löwe als Kayler Wappentier anzusehen ist?

Nach Medingers Quellennachweis beschreibt Blanchart als erster das Wappen von Kayl. In seinem handgeschriebenen Wappenbuch lesen wir auf S.677: <<Khail préz de Rumelange et du Mont St-Jean Ancienne maison noble de nom et d'armes portant d'or a un griffon de sable armé, lampassé de gueule>>

P. Medinger: Armorial de l'ancienne Noblesse du G.-D. Lux éd. 1919, p. 53

R. Matagne et L. Wirion: Complément à l'armorial général de J.B. Rietstap, Pays de Lux. éd. 1957, p. 55 ss.

J.Th. de Raadt: Sceaux armoiriés des Pays-Bas et des pays avoisinants, t. II, p. 166 et t. IV, p. 406. (suppl.)

op. cit., p. 53: Rsc. s'est trompé en voyant un lion sur le sceau de Simon de Kayl, 1295, écu au lion brisé d'un bâton brochant.

C. Wampach: Urkunde- und Quellenbuch zur Geschichte der altlux. Territorien bis zur burgund. Zeit (UQB) Band V, Nr. 492.

Noch vor Blanchard wird das Kayler Greifwappen in einem Manuskript (16. Jh.) des Fonts Houwaert 6448 der Biebl. Royale de Bruxelle beschrieben (J. Cl. Loutsch: Armorial du Pays de Luxembourg. éd. 1974, p. 470).

Doch noch auf derselben Seite führt er folgende Notiz an: «En Xbre 1295 vivoit

noble Simon de Kayl mre d'hostel de la comté de Luxembg qui portoit pour

Armes un lion rampant et sur le tout une bande ou baton posé en bande}).



Dass Blanchart über diese zwei verschiedenen Wappenbeschreibungen nicht stutzig geworden ist, wundert mich eigentlich !



Pierret und Bertholet haben nur die erste Beschreibung Blancharts in Betracht gezogen. Die «Preuvcs», welche Pierret und Bertholet anführen, sind Urkunden, welche wohl die Existenz der Kayler Herren bezeugen. Sie können jedoch nicht als Beweise für das Greifwappen herangezogen werden. Dafür müssten beide Autoren Wappenrollen, Wappenbücher oder die an den Urkunden befestigten Siegel anführen. Leider tritt in den von Pierret und Bertholet aufgezählten Urkunden der Herr von Kayl nicht als Siegler auf, oder aber die Siegel sind nicht mehr erhalten (was jedoch zu Pierrets und Bertholets Zeiten nicht der Fall gewesen sein konnte). Die übrigen handgeschriebenen Wappenbücher haben das Greifwappen übernommen ohne jedoch beweiskräftiges Material zu liefern. Untersucht man dagegen zeitgenössische Dokumente (Originalurkunden mit erhalten gebliebenen Siegeln aus dem 13. und 14. Jahrhundert), so stellt man folgendes fest: Am 25. Mai 1293 vermacht Ritter Nikolaus von Seimerich den Klosterfrauen von Differdingen zur Ausstattung seiner Töchter Margareta und Ymena den großen und kleinen Zehnten nebst Patronatsrecht von Niederkerschen. Es siegeln Sogier von Burscheid, Ritterrichter, und Simon von Kayl, Seneschall der Grafschaft Luxemburg. Siegel Sogiers von Burscheid aus rotem Wachs: im Schild drei Seerosen. Siegel Simons von Kayl aus gelbem Wachs: im Schild ein Löwe mit Schrägrechtsstab, Umschrift: . . . KEILE. Wampach hat bei seiner Beschreibung des Siegels den Schrägstab übersehen. (siehe Anmerkung 4). Am 17. Oktober 1293 bekennt Ritter Simon, Herr von Kayl, daß er im Einverständnis mit seinem Sohn Johann und seinen anderen Erben den Klosterfrauen von Differdingen, wo seine Töchter Maria, Aleidis und Elisabeth Aufnahme gefunden haben, den großen und kleinen Zehnten von Hussigny mit dem Patronatsrecht der Kirche von Habery geschenkt hat. Es siegeln Sogier von Burscheid, Ritterrichter, und Simon von Kayl. Siegel von Burscheid aus rotem Wachs: nur noch Bruchstücke erhalten. Siegel Simons von Kayl aus gelbem Wachs: im Schilde ein Löwe mit Schrägrechtsstab, die Umschrift ist erloschen.



Am 25. Juni 1297 schenken Simon von Kayl, seine Frau Gertrude, seine Söhne

Johann und Simon, sein Schwiegersohn Jakemin, sowie seine Töchter Hedwig,

Frau des Jakemin, und Colette dem Kloster Differdingen ihren Teil des großen und kleinen Zehnten von Rümelingen. Es siegeln Johann genannt Walram. Das Siegel von Zolver ist abgefallen.



Siegel Simons von Kayla aus gelbem Wachs: im Schild ein Löwe mit Schrägrechtsstab; Umschrift: S.. SEIGN…….KEILES



Am 28. Juli 1345 bekennt Simon von Kayl, Edelknappe, dem Thilmann von Bettemburg, Ritter, die Summe von 130 Pfund Turnosen zu schulden. Dafür verpfändet er ihm alle seine Mobilien und Immobilien.

Siegel Simons aus braunem Wachs: im Schilde ein Löwe; Umschrift: …………IMON D… .

Diese vier Siegel bestätigen also die Angaben de Raadts ! Sie beweisen, daß das Greifwappen als Fantasiegebilde anzusehen ist. Der Greif muss durch den Löwen ersetzt werden!

Medinger und Mantagne beschreiben noch ein zweites Kayler Wappen:

<<Im Schild drei Jagdhunde>>

Die Farben sind unbekannt, da dieses Wappen nur durch Siegel belegt ist. Quellennachweis: de Raadt: Thielman, Herr von Kayl, Ritterrichter des Herzogtums Luxemburg, siegelt 1367: im Schild drei Jagdhunde; die Umschrift lautet: S THIELMAN DE BETEB.

Demnach kann man sagen, daß die Herren von Kayl nach zeitgenössischen Dokumenten, den Siegel, folgende Wappen geführt haben:

Im Schild ein Löwe mit Schrägrechtsstab

Im Schilde ein Löwe

Im Schilde drei Jagdhunde

Diese drei Wappen gehörten drei, vielleicht auch nur zwei verschiedenen Familien an, denn von der Mitte des 13. Jahrhunderts an, bildet das Wappen ein erbliches Familienemblem.

Thielman, der letzte Herr von Kayl, hat das Hundewappen geführt. Er wird von 1359-1367 in den Urkunden als Thielman von Kayl oder als Thielman von Bettemburg, Herr von Kayl, erwähnt. Er wird zum leztenmal am 30. März 1367 genannt und muss vor dem 16. Juni desselben Jahres gestorben sein, da an diesem Tage Dietrich von Hüncheringen zum ersten Mal als Ritterrichter erwähnt wird.

Thielmans Vorgänger, der Edelknappe Simon, war Träger des Löwenwappens gewesen. In Namurer, wird er Sohn des Ritters Johann von Bettemburg und Neffe des Ritters Simon von Kayl genannt. Demnach stammt dieser Kayler Herr, genau wie Thielman, von Bettemburg ab. Doch haben beide verschiedene Wappen geführt ! Nun ist aber der Greif das Wappentier der Bettemburger Herren gewesen! Es blieben also noch Zusammenhänge zwischen den einzelnen Familien von Bettemburg und der Familie von Kayl zu klären. Nach Medinger stammen die ersten Kayler Herren von den Bettemburgern ab, da sie ebenfalls den Greif im Wappen führen, jedoch mit veränderten Farben. Da ich vorher nachgewiesen habe, daß der Löwe und der Greif das Kayler Wappentier ist, muss die Theorie aufgegeben werden. Wir haben zwar gesehen, daß die Kayler Herren des 14. Jahrhunderts von den Bettemburgern abstammen, jedoch kein Greifwappen geführt haben. Leider fehlen uns bis heute direckte urkundliche Beweise über den Ursprung der Kayler Herren des 13. Jahrhunderts, doch liefern Löwe und Schrägrechtsstab wertvolle Hinweise.

Der Schrägrechtsstab ist eine Wappenminderung und Zeichen einer jüngeren Linie. Jedoch müssen Brisüren nicht immer ein Zeichen von Verwandschaft sein, sondern können ebenfalls auf ein Lehnsverhältnis hindeuten.

Der Löwe bietet einen weiteren Anhaltspunkt. Nach Medinger wird der Löwe von den Herren von Ansemburg, Differdingen, Sassenheim, Schönfels und Zolver geführt.

Ansemburg und Schönfels sind Nebenlinien von Sassenheim. Am 16. März 1365 teilen sich die Söhne des verstorbenen Ansem, Herrn von Sassenheim, seine Hinterlassenschaften. Joffrid erhält Ansemburg, Godart Sassenheim und Dietrich Scönfels. Der erste Herr von Differdingen, Wilhelm, tritt am 5. Juli 1310 zum erstenmal in den Urkunden auf. Er ist höchstwarscheinlich identisch mit Wilhelm von Zolver, Bruder des Johann Walram, Herrn von Zolver, und des Herbrand, Domscholasters zu Trier. Ansemburg, Schönfels und Differdingen erscheinen zeitlich spatter als Kayl, scheiden als Ausgangspunkt der Kayler Herren aus.

Die ersten Herren von Zolver werden bereits 1123 und 1135 erwähnt. Am 30. Januar 1274 erscheinen in den Urkunden die Brüder Wilhelm und Johann von Sassenheim. Zeitlich gesehen können die Kayler von den Herren von Zolver oder Sassenheim abstammen. Gegen Sassenheim spricht die Tatsache, daß die ersten Herren von Sasenheim nur Lehnsleute der Zolver Herrschaft gewesen sind, und daß sie anfangs kein Siegel besessen haben, keine rechtsgültigen Urkunden auszustellen konnten. Simon von Kayl dagegen bekleidet zur selben Zeit das höchste Amt der Grafschaft und gebraucht die vorher beschriebenen Siegel. Für eine Abstammung der Kayler Herren von Zolver spricht eine Reihe (indirekter) Beweise:

1.) Das Löwenwappen mit Schrägrechtsstab würde die Kayler Herren als jüngere Linie von Zolver kennzeichnen.

2.) Die bedeutende Stellung als Seneschall, die Simon bekleidete, deutet eher auf eine jüngere Linie von Zolver als auf ein Miniseriale der Zolver Herrschaft.

3.) Vor dem Auftreten der Kayler Herren war Zolver in Kayl begütert gewesen:

-- Im Mai 1235 gründet Alexander von Zolver die Abtei Differdingen und schenkt ihr u.a. einen Karren Wein jährlich aus seinen Einkünften von Kayl, sowie sein Allod in Kayl, das er von den Kanonikern von St. Paulin zur Trier gekauft hat.

-- Im Mai 1245 macht Alexander von Zolver sein Testament und erwähnt dabei seine Höfe Kayl und Tetingen.

-- Im Jahre 1247 schenkt derselbe mit Genehmigung seines Lehnsherrn, des Grafen von Luxemburg, der Abtei Differdingen das Patronatsrecht der Kirche von Kayl.

4.) Im Jahre 1254 ist der Zolver Herr im Besitz der Ortschaft Udingen (ausgestorbenener Ort bei Schifflingen, später Dumontshof genannt); 1296 ist Simon vo Kayl Besitzer daselbst.

5.) Nach dem Aussterben der Herren von Kayl bildete die Herrschaft Kayl ein Grund-und Mittelgericht der Hoheit Zolver (genau wie die Herrschaft Differdingen).

Demnach wären diese Herren von Kayl eine Nebenlinie der Zolver Dynasten! Erst ihre Nachfolger

im 14. Jahrhundert stammen aus dem Hause Bettemburg!

Zeitlich gesehen könnte also Simon von Kayl, Seneschall, ein Sohn Anselms oder Theoderichs I.

von Zolver sein. Beide sind die Neffen und Erben des kinderlos verstorbenen Alexanders von

Zolver gewesen. Sie haben je einen urkundlich namentlich (!) bekannten Sohn gehabt, nämlich

Herbrand resp. Theoderich II. Doch im Testament Theoderichs I. vom 7. August 1262, zu dessen

Vollstrecker Theoderich II. und sein Vetter Herbrand bestimmt werden, geht Rede von mehreren

Söhnen Theoderichs I. «Item ad Auream vellem XX. solidos et census in Tornich redimensos a

pueris meis si volucrint pro XX. solidis eiusdem monete».

Demnach hatte Theoderich I. von Zolver ausser Theoderich II. noch wenigstens einen Sohn

gehabt; also kann man mit grosser Wahrscheinlichkeit den Seneschall Simon von Kayl als sein Sohn

Theoderichs I. von Zolver ansehen!

Das Wappen Simons von Kayl, als jüngster Sohn von Zolver, trägt dann in Gold einen schwarzen

Löwen (Wappen von Zolver); die Farbe des Schrägstabs bleibt unbekannt. Ich schlage ROT vor

(was den heraldischen Regeln entspricht); es unterscheidet sich von Blau der Differdinger und vom

Silber des Sassenheimer, Ansemburger und Schönfelser Herrn.

Zusammenfassend kann man sagen:

Der Greif ist nicht das Kayler Wappentier.

Die Kayler Herren des 13. Jahrhunderts, Träger des Löwenwappens mit Schrägstab, entstammen dem Zolver Herrengeschlecht.

UQB II, 277.
UQB II, 471.
UQB III, 14.
UQB VIII, 8; VI, 620.
Hardt: Luxemburger Weisthümer (siehe Kayl undZolver).
UQB III, 316, 396.
UQB III, 396.