Der Viergötterstein von Fenningen

Der Viergötterstein der Kapelle von Fenningen



Im Frühjahr 1969 nahm die Luxemburger „Commission des Monuments Nationaux“ eine Restaurierung der Fenninger Kapelle vor, über welche Gérard Thill folgenden Bericht veröffentlichte: „Die Kapelle – so schrieb er – war ein letztes Mal 1785 renoviert worden, wie es die beiden Jahreszahlen auf dem Triumphbogen und dem Kirchenportal darunter. Der „Götzenaltar“, der sich im Hauptaltar an der rechten Hinterecke eingeschlossen befand, war 61,8 cm hoch, 41 cm breit und 24,2 cm dick und trug auf den beiden sichtbaren Seiten je eine Halbbogennische (27x29 cm), in denen ein Kopf zu erkennen war: der eine von ihnen trug lange Haare und war für den Rest verstümmelt, während der andere eine männliche Gottheit mit mürrischen Gesichtszügen, einen kreisförmigen Schopf über dem Haupthaar und einem Vollbart darstellte. Als man beiden Seitenaltäre abtrug, kamen noch andere Spuren der Römerzeit zutage, die auf eine alte, ziemlich bedeutende Gebäulichkeit an der Stelle selbst oder in unmittelbarer Nähe hinwiesen. Steinplatten, eckige Ziegelsteine eines Heizungskanals, Dachziegeln und Hohlziegeln fand man vor allem in den Altären, hauptsächlich im Hauptaltar. Fast alle Mauern des Heiligtums enthalten wiedergebrauchte Hausteine aus Other Muschelkalk, den die Römer so sehr bei uns schätzten: Der Triumphbogen, die Nischen rechts des Schiffes, das Weihwasserbecken, der Haupteingang, die Strebepfeiler usw.
 

 

1969, gelegentlich der Restaurierung der Fenninger Kapelle, fand man , daß der Hauptaltar, in dem der Viergötterstein eingemauert war, keinen antiken Unterbau hatten, doch, wie das ganze Heiligtum, viele römische Spuren aufwies, wie etwa Bruchstücke von wiedergebrauchtem Other Muschelkalkstein oder Ziegeln jeglicher Art.





Der Viergötterstein von Fenningen stellt die 4 Hauptgottheiten unserer Gegend dar.

1. Der Manneskopf mit dem kreisförmigen Schopf über dem Haupthaar mag kein anderer sein als der Radgott Taranis-Granus – der kreisförmige Schopf weist auf das Rad hin. In der römischen Zeit nahm er die Züge und Funktionen des „Jupiter“ an, um dann mit „Apollo“ assoziiert und mit dem vorkeltischen „Mars“ verschmolzen zu werden. Er ist sonder Zweifel der oberste Gott, der Herrscher des Himmels. Er schleudert den Blitz, um Regen und Fruchtbarkeit des Bodens zu erzeugen. Selbst das Leben im Jenseits und der Ahnenkult lagen in seiner Macht. So ist es nicht verwunderlich, daß gerade in unserer Gegend viele Bergzüge, Fluren und Bäche seinen Namen tragen und seine Verehrung noch immer im jährlichen „Burgbrennen“ weiterzuleben scheint.



2. Der zertrümmerte Kopf, an dem man jedoch noch das wallende Haupthaar erkennen kann und der auf eine schöne Gestalt schließen läßt, stellt eine Männliche Gottheit dar. Schon des Ausgleichs wegen: den beiden Göttinen stehen 2 Götter gegenüber (wie sich die 2 keltischen mit 2 römischen Gottheiten amalgieren). Und dann kann nur "Apollo" in Frage kommen, der ebensovielfach mit Grannus verbunden war; u.a. galt er auch als Leiter des Sonnenwagens und als Heiler der Kranken.

Der “kreiförmige” Schopf über dem Haupthaar stellt sehr warscheinlich ein “Rad” dar: wir hätten es also mit dem uralten Hauptgott unserer Gegend zu tun. D.h. mit Jupiter-Grannus, dem keltischen Taranis, der allmählich mit dem vorkeltischen “Mars” verschmolzen worden war. Da Jupiter-Grannus oft mit Apollo assoziiert wurde, könnte der zertrümmerte Kopf, an dem man die langen Haare erkennt, jener des leierspielenden und heilenden Gottes gewesen sein.

Von der anderen, versteckten Seite aus gesehen: Minerva mit dem Helm, die Göttin der Handwerker und Künstler; links die große gallische Göttin des Jupiter-Grannus und als Himmelsgöttin trägt sie das Diadem auf ihrem Haupt und am Oh rein Rad oder einen Ring. Bei uns mag sie “Sirona” geheißen haben.





3. Die Gottin mit dem Stirnband dürfte eine Gattin des Grannus sein: als gallische Himmelskönigin trägt sie auf der Stirne das Diadem ihrer hohen Stellung und am Ohr ihr Attribut, nämlich ein Rad oder einen Ring. Bei uns wurde sie "Sirona"genannt. Ihr oblag besonders der Schutz des Wassers, und ihr heiliger Hain war fur gewöhnlich an einer lauschigen Quelle zu finden.

Gerd Weisgerberstellte 1975 eine Tafel auf, durch welche er die Verbreitung der Apollo- und Sirona Denkmaler veranschaulichen wollte. Nach ihm befinden sich Weihinschriften an Apollo und Sirona1. in Hochscheid,

2. Bitburg,

3.-4. Alzey (Hessen-Rhein),

5. Nierstein (Rhein),

6. GroBbottwar (Nekkar),

7. Hausen (Donau),

8. Kloster Baumburg,

9. Wien,

10. Augst (Rhein),

11. Luxeuil-Ies-Bains,

12. Groux (Vosges),

13. Falvigny,

14. Rom,

14a. Aquincum (Donau), Merlebach (Mosel-Lothringen). Weihinschriften an Sirona gibt es

15. in Trier,

16. Wiesbaden,

17. Mainz,

18. Museum Karlsruhe,

20. Alise-Ste-Reine (Cote-d'Or, Thermalquellen),

21. Corseul (Cotes-du-Nord, bei Dinan),

22. Bordeaux. Weihinschriften an Apollo Grannus entdeckte man

23. in Arnheim (Rhein),

24. Erp,

25. Bonn,

26. Trier,

27. Alzey (a.d-.Selz, Rheinland-Hessen),

28. Speyer,

29. Horbourg (Rhein),

30. Neuenstadt (a.d. Linde),

31. Ennetsch,

32. Brenz,

33. Faimingen,

34.-36. Lauingen,

37. Unterfinningen,

38. Granges,

39. Aachen,

40. Grand.


"Grand - sagt Roger Billoret - schrieb man im 13. Jh. "Gran ". Sein Kult war hauptsachlich im NO von Gallien verbreitet, doch hinterlieb er auch Spuren in Rom. Er war mit Apollo dem Heiler assoziiert, und der apollonische Kult zog von weit und breit hilfesuchende Pilger an, wie es die zahlreichen Exvotos beweisen. Grand selbst lag auf einer einsamen Waldeshöhe, ungefähr in der Mitte des Dreiecks, das die in Toul zusammenlaufenden Fernstraßen Reims-Toul und Langres-Metz bilden. Hier trafen sich einst die keltischen Stamme der Leuci und Lingones. "


4. Die Göttin mit dem Helm auf dem Kopf ist "Minerva", deren hehres Standbild ein Prunkstück von Dalheim-Ricciacus/Petzel darstellte und die bei den zahlreichen Erzbauern und Schmieden unserer Gegend eine große Verehrung genoß; übermittelte sie ihnen doch die Grundsätze des Handwerks

und der Kunste. Die Halskette, mit der man sie zu beschenken pflegte, scheint noch immer aus ihrem Halsdunkel hervorzuleuchten. Die Geometrische Figur mit dem zentralen Loch unter der "Sirona" stellt möglicherweise den kleinen

römischen Tempel dar, in dem der Viergötterstein, wohl für eine Zeit, untergebracht worden war. Welche Faden zwischen ihnen und der nahen, jenseits der Alzette gelegenen Römervilla bestanden haben mögen, kann nur mehr erraten werden.


Der Viergötterstein der Vierherrenmarke am Schnittpunkt der 4 Banne Düdelingen, Bettemburg, Peppingen und Soufftgen war auch dem Granus geweiht


Dieser Viergötterstein ist aus Sandstein; er ist 80 cm hoch und 53 cm breit. Er ist sehr schlecht erhalten, da er etwa 1200 Jahre lang Wind und Wetter ausgesetzt war. Um 1905 ließ Baron de Garganus Preisch den "Peppinger" Viergötterstein ins Metzer Museum schaffen, wo er als "Pierre a quatre divinites" in die Sammlungen der römischen Altertumer aufgenommen wurde. Ein Abguß davon kam 1989 ins Düdelinger Stadtmuseum; von dies entstammen die angeführten Fotos, ein Werk des Düdelinger Historikers Robert Krantz. "Bei dies em Viergötterstein, schreibt mir eben R. Krantz, handelt es sich um den Sockel einer Jupitergigantensäule. Diese Säulen wurden vorwiegend von der einheimischen, aber stark romanisierten Bevölkerung in der unmittelbaren Nahe von Gutshofen (villae) zum Schutz von Familie, Hof, Vieh und Leuten errichtet. Jupitergigantensäulen bestehen in der Regel aus einem Sockel, der mit Flachreliefs römischer Gottheiten geschmückt ist, einer Schuppensäule und einer Reitergruppe. Diese stellt den blitzschleudernden Jupiter zu Pferde dar. Die Götterreliefs des Sockels zeigen, kaum noch erkennbar, Jupiter, Juno, Herkules und Minerva. Stilistische Merkmale lassen auf eine Datierung urn 200 nach Christus schließen.

         

Die Vierherrenmarke

Links: Herkules und Juno

Rechts: Juno