Grabungen und Funde

Jean KRIER

Die Wasserburg der Herren von Kayl



Im Zuge der 1980 im Kern der Ortschaft Kayl durchgeführten Maßnahmen zur Sanierung der „Kaylbaach“ musste deren Bett im Ortsteil „an der Burg“ zeitweise verlegt werden. Zu diesem Zweck hob die mit der Durführung der Arbeiten betraute Baufirma im Februar 1980 im Wiesen- und Gartenbereich zwischen dem Bach und den Häusern der Rue de Noertzange einen rund zwei Meter tiefen und rund drei Meter breiten Graben aus, in den der Bach umgelegt wurde. Da sich im Aushub des Grabens hinter dem Treibhaus der Gärtnerei Welter auch verschiedene, bearbeitete Korallenkalksteinblöcke befanden, benachrichtigte der Gemeinetechniker, R. Thill umgehend den Grabungsdienst des Staatsmuseums von der Entdeckung.



Bei einer ersten, kurzen Untersuchung vor Ort, die dadurch erschwert wurde, dass das Wasser inzwischen durch den Graben floss, wurde festgestellt, dass die eingesetzte Baumaschine mindestens zwei unterschiedliche, massive Mauerzüge durchnitten hatte. Es lag nahe anzunehmen, dass es sich dabei um Überreste der in diesem Bereich des Ortsteils „an der Burg“ vermuteten mittelalterlichen Wasserburg des Herrn von Kayl handelte. (Abb.1.)

 

Abb. 1 - Lage der Burg im Ortsbild von Kayl (Foto Arbed)



Da über das Aussehen dieser Burganlage nichts bekannt war, entschloss sich der Grabungsdienst des Staatsmuseums im Einverständnis mit P. Welter, dem Besitzer der Parzelle, sowie der Gemeindeverwaltung Kayl zu einer Notgrabung deren Hauptziel es sein sollte, innerhalb kürzester Zeit ein Bild vom Aussehen und der Benutzungszeit der Wasserburg zu erhalten.

Mit der Grabung konnte allerdings erst im Sommer 1980 begonnen werden, als der Bach wieder in seinem inzwischen sanierten Bett floss. Die Arbeiten wurden teils von Kayler Gemeindearbeitern, teils von Notstandsarbeitern der DAC der Arbed unter der Regie von G. Hess durchgeführt. Zeitweise leisteten Baumaschinen, die großzügigerweise von der Gemeinde Kayl bzw. dem Bauunternehmer zur Verfügung gestellt wurden, wertvolle Dienste.



Der Archäologische Befund

1.1. Der Baubestand

Wenn es aus sachlichen Gründen auch nicht möglich war, die Anlage in ihrer Gesamtheit freizulegen, so geben uns die untersuchten Teile doch eine recht genaue Vorstellung vom Aussehen der Kayler Burg. (Abd. 2)

Abb. 2 - Grundriß der Kayler Wasserburg ( R. Bis )



Daß von Mauerwerk größtenteils nur noch die unteren Lagen der Fundamentierung erhalten waren, überraschte nicht und bestätigte im Grunde genommen die alte Kayler Tradition, daß verschidene Häuser des Dorfes teilweise aus Quadern der verfallenen Burg errichtet worden waren. Als Baumaterial war neben dem rötlichen Minettestein und dem Luxemburger Sandstein in erster Linie der örtliche Rümelinger Korallenkalkstein verwendet worden. Mit ihrem einfachen Grundriss dürfte die Kayler Anlage alles in allem dem klassischen Schema der hochmittelalterlichen Wasserburgen unserer Gegend entsprechen: Mehr oder weniger regelmäßiges Quadrad bzw. Rechteck mit vorspringenden Ecktürmen und mächtigem quadratischem Wohnzurm im Innern des Hofes.

Von den kreisrunden Ecktürmen konnte leider nur ein einziger freigelegt werden (Abb. 2,3,4)

Abb. 2 - Grundriß der Kayler Wasserburg ( R. Bis )

Abb. 3 - Fundament des NO-Turmes (Foto R. Krantz)

Abb. 4 - Innenansicht des NO-Turmes (Foto R. Krantz)



Er hatte einen Gesamtdurchmesser von 5,50 m und eine Mauerstärke von 1,20 m. Das sorgfältig aus grossen Kalksteinblöcken gemauerte Innenrund wies demnach einen Durchmesser von 3 m auf. Im Turminnern lagen mehrere mächtige Quader, die wohl einst eine hölzerne Wendeltreppe trugen. Der noch bis in eine Höhe von 1,20 m erhaltene Turm war angefüllt mit einer dicken Zerstörungsschicht, die neben Asche, Steinen, Kalk, Schiefer, zahlreichen Holz- und Holzkohleresten auch eine ganze Reihe von interessanten Fundstücken enthielt, so u.a. verschiedene Eisenteile, die ohne Zweifel zu einer vom Hofinnern in den Turm führenden Holztür stammen.

Von diesem Turm gingen im rechten Winkel die zwei jeweils 1,50 m starken Aussenmauern aus, die von dem im Februar 1980 angelegten Gragen durchschnitten worden waren ( Abb. 2 u. 5)

Abb. 2 - Grundriß der Kayler Wasserburg ( R. Bis )

Abb. 5 - NO-Turm mit den beiden Aussenmauern (Foto R. Krantz)



Überraschend und aufschlussreich für den zeitlichen Ansatz der Erbauung der Burg war die Entdeckung zweier, an der Innenseite dieser Mauern stehender, 40 cm dicker Eichenstammenden ( Abb. 2 u. 6 )

Abb. 2 - Grundriß der Kayler Wasserburg ( R. Bis )

Abb. 6 - Eichenstamm an der Innenseite der NO-Wand (Foto G. Hess)

Es könnte sich dabei um die senkrechten Stützen eines Baugerüstes bzw. eines hölzernen Wehrganges handeln. Hinter der NO-Mauer wurden drei weitere, nebeneinander stehende 10 cm starke Pfähle gefunden, deren Zweck aber nicht klar ist (Abb. 2)



Abb. 2 - Grundriß der Kayler Wasserburg ( R. Bis )

 

In der NO-Mauer fanden sich auch die Reste der 4,40 m breiten und 3 m tiefen Toranlage. Die Kayler Wasserburg war also, genau wie diejenige von Pettingen, nach Nordosten hin orientiert. Welcher Art die Brückenkonstruktion war, die über den heute mit Sand, Schlamm und Schutt komplett verfüllten, ehemals vom Kaylerbach gespeisten Wassergraben (Abb. 7)



Abb. 7 - Auffüllung des Burggrabens an der NO-Aussenwand (Foto R. Krantz)

zum Tor hinführte, konnte nicht geklärt werden. Die Aussenmasse der gesamten Anlage dürften, wie in Pettingen, rund 30 x 30 m betragen haben.

Im Zentrum der Burg befand sich der bis auf die Fundamente abgetragene, quadratische Wohnturm von 10 x 10 m (Abb. 8).
 

Abb. 8 - Fundamente des Wohnturms (Foto R. Krantz)



Die Mauernstärke von 1,80 m lässt auf eine ursprüngliche Höhe von annähernd 20 m schliessen. Der 6,40 x 6,40 m messende Innenraum des Erdgeschossen war mit einem aus hochkantstehenden, flachen Steinen gebildeten Pflaster ausgelegt (Abb. 9)

 

Abb. 9 - Das Pflaster im Erdgeschoss des Wohnturms (Foto R. Krantz)



das noch fast vollständig erhalten war. An den Wohnturm war zu einem nicht mehr bestimmbaren Zeitpunkt ein Bau von 6,50 x 11 m und 1,20 m Mauerstärke angefügt worden (Abb. 2). Die nordwestliche Begrenzung dieses Anbaus wurde von einer etwa gleichstarken Mauer gebildet, die schräg von der Toranlage zu einem ebenfalls an den Wohnturm angebauten Mauerkranz führte (Abb. 2 u. 10).

 

Abb. 10 - Runder Anbau an den Wohnturm (Foto R. Krantz)



Da es sich bei diesem runden Anbau weder um einen Brunnen noch um ein Zisterne handelt, könnte man darin eventuell eine Fäkaliengrube sehen.





Das Fundmaterial ( Inv. Nr. 1980-97)

Im nachvolgenden Teil des Berichtes wird nun das wichtigste Fundmaterial vorgestellt. Obwohl von der Verfüllung des NO-Turmes abgesehen, keine ungestörten Fundkomplexe zu Tage kamen, es sich also größtenteils um isolierte Fundstücke aus dem Bereich der gesamten Anlage handelt, vermittelt das geborgene Material einen guten Einblick in die Geschichte der Kayler Burg.

Münze

Im Burginnern wurde ein stark abgegriffener, zwischen 1242 und 1259 in Trier geprägter Denar des Trierer Erzbischofs Arnold II. von Isenburg gefunden. (Abb. 11 Privatbesitz)

 

         

Abb. 11 - Vorder und Rückseite des Denars Arnold II von Isenburg (Foto A. Biwer)

Holz

Von bereits oben erwähnten Holzfnden wurde eines der beiden 40cm dicken Rundhölzer zur Bestimmung an das dendrochronologische Labor des Rheinischen Landesmuseums in Trier weitergeleitet. Die von E. Hollenstein durchgeführte Untersuchung (vgl Abb. 12 und 13) ergab für den verwendeten Eichenstamm ein Fälldatum um 1285.


 

Abb. 12 - Querschnitt des um 1285 gefällten Eichenstammes (Foto A. Biwer)

 

Abb. 13 - Ergebniss der dendrochronologischen Untersuchungen



Keramik

Bei der Ausgrabung wurden neben einer großen Zahl von isolierten Scherben auch verschiedene ganze bzw. nahezu komplette Gefäße gefunden. (Abb. 14, 15, 16)


 

Abb. 14

 

Abb. 15

 

Abb. 16

 

Neben den abgebildeten Stücken verdienen noch folgende Fragmente Erwähnung: Mehrere Bodenbruchstücke von blaugrauen Gefäßen mit Wellfuß
Bodenbruchstück eines blaugrauen Gefäßes mit Linsenboden
Mehrere Wandbruchstücke von Steinzeugkannen, rotbraun glasierte, von flachwelligen Riefen überzogene Oberfläche, meist gelbgrauer Scherben
Zahlreiche Fragmente von rottonigen, olivgrün, grasgrün und rotbraun glasierten Kacheln
Bei der geborgenen Keramik ist das älteste Material, d.h. die blaugraue Ware bei weitem am besten vertreten. Wenn auch die Datierung dieser Ware, besonders was die Feinchronologie angeht, noch Schwierigkeiten bereiteten, so scheint im vorliegenden Fall ein zeitlicher Ansatz im 13. Jh. angebracht, wobei z.B. die Becherkachel (Abb. 14/2) noch ins ausgehende 12. Jh. gehören könnte, der kugelige Becher (Abb. 14/1) jedoch erst in der zweiten Hälfte des 13. Jh. entstanden sein wird. Die Tatsache, daß die älteste Keramik mengenmäßig überwiegt, könnte darin ihre Erklärung finden, daß Kulturschichten aus der Benutzungszeit der Burganlage nicht mehr vorhanden waren, wir also in erster Linie Material aus der Erbauungszeit vorliegen hätten.
Aufschlussreich im Hinblick auf die Frage nach dem Zeitpunkt der Zerstörung der Kayler Wasserburg ist vor allem das Material, das in der Auffüllung des NO-Turmes zu Tage kam. Es ist sicher kein Zufall, wenn in dieser Zerstörungsschicht fast ausschließlich Salzglasierte Keramik gefunden wurde, so u.a. die beiden kugeligen Becher (Abb. 15/5, 6; 16) sowie Fragmente von zwei weiteren Exemplaren dieses Typs. Durch den interessanten Fund in der Tumba des Hauptaltars der Kirche von Waldbredimus (1965) ist dieser Gefäßtyp bei uns für das letzte Drittel des 15. Jh. bezeugt. Er scheint auch noch in der ersten Hälfte des 16. Jh. hergestellt worden zu sein.

Metall
Neben einer Reihe von Nägeln verdienen folgende Fundstücke Erwähnung: Von der aus dem Burginnern in den NO-Turm führenden Tür wurden das Schloß und eine Verriegelung, beide aus Eisen, in der Zerstörungsschicht im Turminnern gefunden (Abb. 17).

 

Abb. 17

Interessant ist außerdem ein siebeneckiger Ausguß aus dünnem Bronzeblech (L. 8,4 cm; Abb. 18).
 

 

Abb. 18

 

Sonstige Funde
Bei der Grabung wurden mehrere sorgfältig bearbeitete Korallenkalksteinblöcke gefunden, die vom aufgehenden Mauerwerk der Burg stammen. Besonders hervorzuheben ist ein Block vom Aufbau eines Rundturmes, der als Steinmetzzeichen ein großes V trug (Abb. 19).
 

Abb. 19

 

Die zahlreichen Schieferplattenfragmente, z.T. mit Nagellöchern, zeigen an, daß die Dächer der Burg mit Schiefer gedeckt waren. Ein noch 8 cm langes und 1 cm breites Lederriemenstück könnte von Schuhwerk herrühren.

VgI. M. Rech, Ergebnisse der Ausgrabungen in Burg Brüggen, Kr. Viersen, Bonner Jahrb. 179, 1979, 565 H., hier: 584 H.
H. Bernhard, Neue Grabungen im römischen und mittelalterlichen Speyer, Arch. Korr. Bl. 9, 1979, 101 ff., hier: 110.
Lobbedey, Kunstgeschichte a.O. 8. ,
G. Thill, Rapport du Conservateur, PSH 82, 1967, 357 f., 380.
VgI. Töpferei-Museum Langerwehe, Die Langerweher Keramik, Essen 1971.



Die Geschichte der Kayler Wasserburg

Das älteste erhaltene Schriftstück, in dem die Kayler Wasserburg ausdrücklich erwähnt wird, ist der Heiratsvertrag zwischen Schiltz von Elter und Elisabeth von Malberg vom 26 August 1458. In diesem Dokument ist bezeugt, daß der Herr von Koerich seiner Frau seinen eigenen Anteil am Schloß zu Kayl beim St. Johannisberg mitsamt Depenzien schenkt.

In einem Schriftstück vom 21. Mai 1537 erzählt Françoise de Boulant aus dem elterlichen Nachlass die hälfte des Hauses Kayl mit den Dependenzien.

Im Kayler Scheffenweistum vom 29. Mai 1589 ist dann die Rede von den "seigneurs du château", wärend das Gegenweistum vom 7. November 1607 den Hinweis enthält, "dass von alterß zue Keill eine bourgh oder adliche behausungh gewesen, darzue auch adliche gütter, nunmehr die bourghgütter genendt, gehöricht " mit eigenen "bourghscheffen".

Am 31. August 1682, rund ein halbes Jahr nach dem Tode ihres Gatten, ist die Gräfin Madeleine Isabelle de Schoenberg-de Cronberg im Besitz der "moitié de la place dite le Burg avec ses aisements outre le Seigneur de Sassenheim et Ottange pour l'autre moitié"

Das wichtigste Dokument zur Kayler Burg und den dazugehörenden Ländereien ist ohne Zweifel das zwischen dem 29. und 31. Mai 1702 vom Notar W.H. Ordt aufgenommene Beleid" der in dem dorff Keile nechst des Joannes Bergh gelegene und verfallene bourgh samt davon dependierenden garten, eisementen, wiesen, feldern und buschen." Die Zusammenstellung erzählt nicht nur ein vollständiges Verzeichnis der Burg gehörenden Güter, sondern liefert darüber hinaus interessante Angaben zum Schloß selbst. Es ist die Rede von einem "stock mauwer in der mitten . . . gleich wie man zur (p)forten inkompt". Es werden dann noch "die pfortt, puz und bruck", "ein park ienseit der bach zu dem dorff zu alwo ein laubhaus gestanden", "ein park ienseitt der dorff straßen", "ei kirchenpfad . . . von funf schouwen hinter dem schlos heraus uber alle gartten", "ein park oder gartt genannt bourg gartten", "ein eisementen und pesch oben der bourgh rund umb und umb die gemeinen straß und wieder gemelte bourgh haltend", usw. erwähnt. Unklar bleibt folgender Abschnitt: "Item ieder (p)fäden (?) wanehr der wacht thorrn erwawt, ist Wiesenhoff zu Norzingen schuldighdie wacht zu thun dargegen hat er ein durchwegh."

Im Güterverzeichnis der Herrschaft Berwart vom 1. September 1759 erklärt A.J. von Schauwenburg, daß ihm "la moitié du vieux château de Kayle" gehört " avec les jardins et aisances à droite en entrant, contre les seigneurs de Sanem et Ottange l'autre moitié".

Bei der Besitz- und Einkommenserklärung unter Maria Theresia (1766-1771) finden wir Louise Salomé de Schauwenburg als Besitzerin der "verfallenen Burg". Der Graf Philippe Charles de Hunolstein hat dagegen 1/4 der Jagd- und Fischereirechte "dans les ruines du vieu chateau". Anton Joseph von Schauwenburg gehören "les 5/8 des terres labourables du Chateau de Kail", "75 verges aujourd'hui en prairie. ... dans les anciens jardins et vergers du chateau de Kayl pour le présent en ruine".
Kurze Zeit später scheint die Burgruine ganz abgetragen worden zu sein, da sie bei Anlage des Ur-Katasters zu Beginn des 19. Jh. nicht mehr bestanden hat.

2.2. Die Herren von Kayl und ihre Wasserburg
Im folgenden soll nunmehr der Versuch unternommen werden, die Ergebnisse der Ausgrabung und die schriftlichen Dokumente in Einklang zu bringen und in den historischen Kontext einzuordnen. Während das Dorf Kayl 1235 erstmals urkundlich erwähnt wird, tritt uns in einer Schenkungsurkunde des Jahres 1272 unter den Zeugen ein Egidius de Keile entgegen. Es ist das Verdienst R. Kleins gezeigt zu haben.daß es sich bei Egidius von Kaylnicht um den ersten Herrn der Herrschaft Kayl', sondern nur um einen Ministerialen desselben handelt. Als erster Herr von Kayl gilt Simon 1., der dem Zolver Herrengeschlecht entstamrnte~~ und in den Urkunden zwischen 1278 und 1300 erwähnt wird~~. Ab 1286 ist er mehrfach als Seneschall des Grafen von Luxemburg bezeugt3O.
Schon R. Klein war der Ansicht, daß man "in Simon I . . . den Erbauer der Kayler Burg sehen" kann. Diese Vermutung wird drch das archäologische Fundmaterial in willkommener Weise bestätigt: Die Münze. die Keramik und vor allem der von E. Hollstein in Unkenntnis des historischen Kontextes dendrochronologisch auf 1285 +/- 8 Jahre) datierte Eichenstamm sprechen für eine Erbauungszeit in der zweiten Hälfte des 13. Jh. Da die genaue Funktion des Eichenstammes nicht bekannt ist (Teil eines Baugerüstes?, des Wehrganges?), darf nicht angeschlossen werden, daß mit dem Bau der nach dem klassischen Schema der hochmittelalterlichen Wasserburgen errichteten Anlage schon um 1270 begonnen wurde.

Archives de l'Etat, Luxembourg: A XIV Farde 85; vgl. M. Etringer, Kayl und die Theresianische Katastertabelle 1766-1771, in: Festbroschüre 1963 a.O. 75 ff.
C. Wampach, Urkunden- und Quellenbuch zur Geschichte der alduxemburgischen Territorien bis zur burgundischen Zeit, Bd. 11. Luxemburg 1938, 298.
Cart. Marienthal 129 (PSH 38, 1885, 105 f.). 2, R. Klein, Pirrod von Beles und Egidius von Kayl, in: Eis nei Uergel, Bieles 30. Januar 1977, Esch-Alzette 1977, 40 ff.; vgl. ders., Zur Genealogie der Herren von Kayl, Hémecht 30, 1978,273 ff.
R. Klein, Wappen und Ursprung der Herren von Kayl, Hémecht 27, 1975, 95 ff.
Klein, Genealogie a.O. 273 ff.
Klein, Wappen a.0..95 ff.; ders.. Genealogie a.O. 273 ff
Klein, Genealogie a.O. 273.
Da der NO-Turm im Verbund mit den beiden Außenmauern errichtet wurde, dürfte die Ansicht Nothumbs a.O. 288, daß die Wasserburgen ursprünglich keine EcktÜrme hatten und diese erst später, im 15. oder im 16. Jh., hinzugefügt wurden, nicht zutreffen.

Bis zum Erlöschen des Kayler Geschlechtes in der Mitte des 14 Jh. wurde die Burg mit Sicherheit von der Familie der Herren von Kayl bewohnt. J. Dupong u.a. nahmen an, daß die Burg ab dem Jahre 1400 in Trümmer sank. Der archäologische Befund spricht eindeutig für eine Weiterbenutzung der Anlage bis ins 16. Jh. hinein. Die oben erwähnten schriftlichen Dokumente vom 26. August 1458 und von 21. Juli 1537 scheinen dies zu bestätigen, ohne aber Auskunft darüber zu gebe, wer das Gebäude bewohnte.

Was die Besitzverhältnisse angeht, so ist zu sagen, daß nach dem Aussterben des Kayler Herrengeschlechtes die eine Hälfte des Kayler Besitzes an die Herren von Limpach, die andere Hälfte an die Herren von Zolver fiel. Die Limpacher Hälfte wurde spatter unter die Herren von Sassenheim und diejenigen von Oettingen aufgeteilt. Die Zolver Hälfte kam an die Herren von Fischbach, ging dann in den Besitz der Familie von Schoenberg und anschließend in denjenigen der Familie von Schoenberg und anschließend in denjenigen der Familie von Schauwenburg über.

Während M. Etringer vermutete, daß “ die Burg warscheinlich ein Opfer des dreißigjährigen Krieges geworden” sei, legt das Fundament aus der Auffüllung des NO-Turmes nahe, daß die Zerstörung der Anlage bereits im 16. Jh. Erfolgt sein muß. Als Zeitpunkt bietet sich in der ersten Linie das Jahr 1552 an, als während der Auseinandersetzungen zwischen Karl V. und dem französischen König Henri II. Ende Mai nicht nur die Burgen auf dem Johannisberg und Zolver zerstört, sondern auch die umliegenden Dörfer gebrandschatzt wurden: “Zu keyl sint die arme inwonner zinder anfanck des krieges, in ansehung sie uff der frontiern sitzen, in iren huszeren nit sicher gewesen, zwey oder dry male beraupt unnd zum lestenn durch die franzosenn im LII (=1552) jair in bodenn verbrannt, . . . “

Nach der Zerstörung blieb die Burgruine noch mehr als 200 Jahre bestehen. Das Dokument von 1702 bietet zahlreiche interessante Hinweise in bezug auf das Aussehen der gesamten Burganlage (Pforte, Brücke, Brunnen, Wachturm, Gärten, Kirchenpfad, usw.) und enthält außerdem ein vollständiges Verzeichnis der dazugehörigen Besiztümer. Um die Wende vom 18./ 19. wurde die Ruine bis auf die Fundamente abgetragen und verschwand aus dem Ortsbild von Kayl.








Bericht aus dem Buch: Heemecht 1981, 33 Nr.2 / Jahrgang 1981