Genealogie Heraldik

Rene KLEIN

ZUR GENEALOGIE DER HERREN VON KAYL

Seit dem Erscheinen von M. Etringers Abhandlung über die Herren von Kayl sind einige Artikel geschrieben worden, welche ein anderes Licht auf die Kayler Dynasten werfen. Auch habe ich im Archiv von Namür einige Urkunden aufgestöbert, welche weitere dunkle Punkte der Kayler Genealogie aufklären und gleichzeitig die Verästelungen mit den Familien von Zolver und Chêne zeigen. Ein großer Dank richtet sich an den verst.
Herrn Staatsarchivar A. May, der mir bei der Beschaffung dieser Akten eine stete Hilfe war. Diese Untersuchung soll nun unsere Kenntnisse über die Kayler Herren zusammenfassen und dem Leser eine Übersicht der Familienzusammenhänge der damaligen Zeit vermitteln.

EGlDlUS UND WILHELM

Als erster wird Egidius von Kayl am 22. März 1272 erwähnt. Dies ist übrigens der einzige urkundliche Beweis seiner Existenz. Eine ausführliche Analyse dieser Akte hat gezeigt, dass Egidius nicht zum Kayler Herrengeschlecht gehörte. Er und der vor 1332 verstorbene Ritter Wilhelm von Kayl zählten zum Ministerialengeschlecht von Kayl. Diese Ministerialen oder Burgmänner leisteten Burgwache und Kriegsdienste für den Kayler Herrn. Sie erhielten Lehngüter als Bezahlung für ihre zu leistenden Dienste. Sie bildeten eine eigene Kaste, waren abgabenfrei und unterstanden einem eigenen Gericht. Oft waren sie besser situierte Bauern (siehe Zolver und Berwart), doch manchmal war ihnen der Aufstieg in die Ritterschaft gelungen (siehe Ritter Wilhelm von Kayl). Eine ausführliche Studie über die Burgmänner bleibt noch zu schreiben. Nach dem Aussterben der Kayler Ministerialenfamilie fielen die Lehngüter an die Kayler Herren zurück. Diese Güter bestanden u.a. aus der Besinger Scheuer unterhalb des Johannisberges und fünf Höfen mit allem Zubehör in Nyderhof, einem Ortsteil von Kayl. Die Kayler Herren verwalteten diesen Besitz wieder als Allodialgut, um ihn 1332 in ein Trierer Lehen zu verwandeln.

SIMON I.

Die Reihenfolge der Herren von Kayl beginnt mit Simon I. Urkundlich wird er von 1278 bis 1300 bezeugt. Im Wappen führte er einen Löwen mit Schrägrechtsstab und nicht einen Greif, wie einige irrtümlicherweise immer noch annehmen. Er war (höchstwahrscheinlich) der jüngere Sohn Theoderichs I., einer der Neffen und Erhen Alexanders von Zolver. In Simon I. kann man den Erbauer der Kayler Burg sehen. Er war ein Vertrauter des Luxemburger Grafenhauses und bekleidete 1286, 1287 sowie 1292-1296 das Amt des Seneschalls. Er war also in jenen Jahren der Vertreter des Grafen und stand an der Spitze der graflichen Beamten. Doch hatte Simon I. ebenfalls ein Lehnverhältnis mit andern Herren: So war er Vasall des Grafen von Bar und Gerards, Herrn von Durbuy, Bruder des Luxemburger Grafen.
Von seiner Frau Gertrud (erwähnt 1297) hatte er folgende Kinder:
- Johann: Er war der älteste Sohn und wird 1293 sowie 1297 erwähnt. Dann schweigen die Akten über ihn; er scheint früh unverheiratet gestorben zu sein (siehe weiter unten).
- Simon II., der folgt.
- Maria, Aleidis und Elisabeth: sie traten 1293 in das Kloster Differdingen ein. Ihr Vater schenkte darum der Abtei seinen Zehntanteil von Hussigny sowie das Patronat von Habergy.
- Hedwig: 1297 war sie mit einem Jakemin verheiratet.
- Colette: Sie wird 1297 erwähnt.

SIMON II.

Simon II. von Kayl, der jüngere Sohn Simons I., wird 1327 als Herr von Beles betitelt. Er war der Begründer der Herren von Beles aus dem Hause Kayl. Der 1272 bezeugte Pirrod von Beles gehörte nicht zur Herrenfamilie, sondern war ein Zolver Ministeriale. - Simon II. war Mundschenk des jungen Grafen Karl, späterer Kaiser Karl IV., Sohn Johanns des Blinden. Am 31. März 1331 erlag er in Pavia einem Giftanschlag, der eigentlich dem jungen Karl gegolten hatte. Mit ihm starben noch andere, von denen nur noch Joharin von Berg und Johann von Hüncheringen namentlich genannt wurden. Für die besondere Stellung Simons II. in der Gunst des Grafenhauses zeugt ebenfalls die Urkunde vom 28. Mai 1323. An diesem Tag schlichtete der französische König Karl IV. den Streit zwischen Johann dem Blinden und dem Grafen Eduard von Bar. Was nun den durch Feuer angerichteten Schaden betraf, so sollten beide Grafen sich mit ihren Vasallen einigen, mit Ausnahme der Entschädigung für Simon von Kayl und Johann von Falkenstein. Diese Bestimmung streicht die Importenz der beiden Männer hervor.
Simon II. hinterließ einen Sohn: Johann, Herr von Beles. Dessen Tochter heiratete Johann von Preisch den Älteren. Ihre Erbtochter Anna brachte die Herrschaft Beles an ihren Mann Jakob von Limpach.
Die Beleser Herren aus dem Hause Kayl führten im Wappen einen Löwen mit Schrägrechtsbalken, welcher mit drei Muscheln belegt war. Zur Herrschaft Beles gehörten damals ebenfalls Güter in Kayl, Tetingen und Morvingen.

SIMON III.

Nach Simon II. erscheint in den Urkunden Simon III. von Kayl. Etringer nahm an, dass er der Sohn Johanns von Kayl, des ältesten Sohnes Simons I., gewesen sein könnte. Die Urkunden aus dem Namürer Archiv haben dies widerlegt: Simon III. von Kayl war der Sohn Johanns von Bettemburg und der Schwester Simons von Kayl. Man muss sich nun fragen, welcher Simon gemeint ist.
Folgen wir den Namürer Urkunden:
- Am Mittwoch nach dem Feste der hl. Dreifaltigkeit 1298 übertrug Guido, Graf von Flandern und Markgraf von Namür, im Einverständnis seines Sohnes Johann, des späteren Grafen von Namür, dem Ritter Simon von Kayl ein Lehen im Werte von 40 Turnosen, auszahlbar jedes Jahr am St. Remigiustag.
- Nun aber war Streit entstanden zwischen dem Grafen Wilhelm von Namür, dem Sohn des Grafen Johann, und dem Edelknecht Simon von Kayl, Sohn des Ritters Johann von Bettemburg. Simon wollte die 40 Turnasen in Luxemburger Währung haben, der Graf jedoch nur mit Namürer Geld zahlen. Am 15. Januar 1340 erklärte Walter von Juppleu, Vertreter des Grafen und Vorsitzender des Namürer Lehnhofes, dass Simon von Kayl sich mit dem Grafen Wilhelm auf Bezahlung in Namürer Währung geeinigt habe. Simon gab dann am 2. April 1340 persönlich die Einigung bekannt.
- Am 6. Dezember 1353 verzichtete Simon vor dem Grafen Wilhelm von Namür und dessen Lehnhof auf sein Lehen von 40 Turnosen zugunsten seines Verwandten (cousin) Gillars, Sohn Johanns von Vivier, Schöffe zu Namür. Simon hatte dieses Lehen von seinem Onkel, dem Ritter Simon von Kayl, geerbt.

Wer hatte nun als erster das Namürer Lehen empfangen? War es Simon I. von Kayl? Er war Vasall von Luxemburg, Bar und Durbuy gewesen. Das Namürer Lehen hätte in seine Personalpolitik hineingepasst. Doch ergeben sich zeitlich gesehen Schwierigkeiten. Simon III. behauptete 1353 das Lehen von seinem Onkel geerbt zu haben. Simon I. wird jedoch 1300 zum letztenmal erwähnt. Er muss kurz danach gestorben sein, denn eine solche Persönlichkeit würde nicht so einfach aus den Urkunden verschwinden! Simon III. aber wird erst 1332 zum erstenmal urkundlich genannt. Die Zeitspanne zwischen beiden scheint mir doch ein bisschen zu groß. Außerdem sind noch genealogische Bedenken einzuwenden: Simon I. hatte nachweislich zwei Söhne und fünf Töchter. Seine Schwester hätte gar keinen Grund gehabt, das Lehen vor den leiblichen Nachkommen Simons I zu erben.
Dies führt dazu, in dem Onkel Simons III. den Herrn von Beles, Simon II. von Kayl, zu sehen. Der Beleser starb 1331; zeitlich gesehen bestünden keine Schwierigkeiten. Genealogische Bedenken fielen ebenfalls weg. Als Schwestersohn Simons II. konnte sich Simon III. mit seinem Vetter Johann von Beles über den Familienbesitz geeinigt haben; ihm fiel dabei das Namürer Lehen zu. Vergessen wir nicht, dass zur Herrschaft Beles damals Güter im Kayltal gehörten!
Die Mutter Simons III. wäre demnach eine Tochter Simons I gewesen. Drei, nämlich Maria, Aleidis, Elisabeth, waren in das Kloster Differdingen eingetreten. Hedwig war mit einem Jakemin verheiratet; nur Colette war 1297 noch ledig. Man kann also mit gutem Gewissen annehmen, dass diese Colette nach 1297 den Ritter Johann von Bettemburg ehelichte und Mutter Simons III. wurde. Die folgende genealogische Skizze soll das Vorige veranschaulichen:

Ritter Johann von Bettemburg ist aus Luxemburger Urkunden nicht bekannt. Dass er mit der Bettemburger Familie, welche im Wappen einen Greif führte, verwandt war, ist wahrscheinlich. In der Tat gab am 25. Januar 1443 Margarete Vous von Bettemburg ihre Zustimmung zum Zolver Burgfrieden von 1442. Sie bemerkte, dass, sie Mitherrin von Zolver von Erbschafts wegen wäre. Da sie Zolver weder von ihrer Mutter, noch ihrer Stiefmutter, noch ihrer Großmutter väterlicherseits geerbt haben konnte, kommt also nur eine Erbschaft von der Familie Bettemburg in Frage. Dieses Zwischenglied scheint über Johann von Bettemburg zu laufen (siehe weiter unten). Johann hatte nämlich einen weiteren Sohn, Walram von Bettemburg, genannt von Chêne. 1340 besiegelte Walram die Einigung seines Bruders Simon III. von Kayl mit Graf Wilhelm von Namür.
Walram bemühte sich jedenfalls um die Erlangung des Namürer Lehen. Das beweist, dass Simon III., verheiratet mit einer Margarete, kinderlos gestorben sein musste. Aus Prozessurkunden erfahren wir, dass er sich in das Kloster Saint-Hubert zurückgezogen hatte. Er muss nach dem 6. Dezember 1353 (Schenkung des Namünir Lehen an Gillars von Vivier) und vor dem 18. Juni 1354 (erste Entscheidung im Prozess zwischen Walram von Chêne und Gillars von Vivier) gestorben sein. Zu Lebzeiten Simons III. hätte es sein Bruder Walram kaum gewagt, dem Gillars das Lehen streitig zu machen, da Simon ja gegen ihn hätte zeugen können!
Am 18. Juni 1354 wies der Namürer Lehnhof den Anspruch Walrams auf das Lehen seines Bruders Simon III. von Kayl ab. Als Begründung wurde angegeben, dass Walram zum festgesetzten Termin nicht erschienen und seine briefliche Entschuldigung ungenügend war. Doch damit gab sich Walram nicht zufrieden. Am 13. Januar 1355 kam dann, der Namürer Lehnhof unter Vorsitz Balduins von Blehain, Bailli der Grafschaft, abermals zusammen. Walram von Chêne trug folgende Argumente vor:
- Er, Walram, wäre der nächste Verwandte des Ritters Simon von Kayl, welcher 1298 das Leben empfangen hatte, nämlich der Brudersohn.
- Simon von Kayl, Mönch im Kloster Saint-Hubert alias Edelknappe, hätte nach Namürer Brauch als Mönch kein Recht auf ein Lehen; demnach könnte er auch kein Lehen durch Schenkung übertragen.
- Er, Walram, glaube nicht, dass Gillars von Vivier das Lehen als Schenkung unter Lebenden erhalten, sondern vielmehr durch Kauf erworben habe.
- Sollten diese Argumente nicht ausreichen, so wolle er das Lehen zurückkaufen. Als nächster Verwandter hätte er das Recht dazu, da er innerhalb Jahresfrist, nach Abschluss des Verkaufs, seinen Anspruch geltend gemacht habe. Desweiteren verlange er den Eid des Geschenkgebers und des Beschenkten oder besser des Verkäufers und des Käufers.

Dem entgegnete Gillars von Vivier:

- Walram wäre nicht der Brudersohn, sondern der Schwagersohn Ritters Simon von Kayl. Der nächste Verwandte dieses Ritters jedoch wäre der Edelknappe Simon von Kayl, Sohn Johanns von Bettemburg und der Schwester dieses Ritters Simon.
- Der Edelknappe Simon hätte nach dem Tode seines Onkels das Lehen vom Grafen von Namür rechtmäßig empfangen und ihm, Gillars, rechtmäßig durch Schenkung übertragen, wie es aus einer Urkunde hervorginge, welche er dem Gericht vorlegte (siehe Urkunde vom 6. Dezember 1353). Ob Simon ins Kloster eingetreten wäre, wüsste er nicht. Doch bestünde kein Zweifel, dass Simon zur Zeit seiner Belehnung und der Schenkung nur Laienkleidung getragen hätte.
- Er könnte Walram versichern, dass er das Lehen nicht gekauft hätte, wie es ja ebenfalls aus der vorgezeigten Urkunde hervorginge. Auch wüsste er nicht, ob Walram der nächste Verwandte wäre, um einen eventuellen Verkauf anfechten zu können.
Daraufhin beauftragte der Lehnhof Johann von Haneche das Urteil zu finden. Dieser erkannte die Echtheit der von Gillars vorgezeigten Urkunde an und bat Walram, seine Verwandtschaft zu beweisen. Dies tat Walram. Dann forderte er Gillars auf, bei allen Heiligen zu schwören, dass er das Lehen als Schenkung erhalten habe. Dieser schwor. Somit erkannte Johann von Haneche dem Gillars von Vivier das Lehen Simons von Kayl zu und wies die .Ansprüche Walrams von Chêne ab.
Was uns bei diesem Prozess stutzig macht, ist die Tatsache, dass Gillars Simon III. als nächsten Verwandten des Ritters Simon von Kayl hinstellte und nicht Walram. Dabei musste er die Kayler Familienverhältnisse gut kennen, wird er doch selbst cousin Simons betitelt. Es kommt daher der Verdacht auf, dass Simon III. von Kayl und Walram von Chêne wohl denselben Vater, nämlich Ritter Johann von Bettemburg, hatten, jedoch nicht dieselbe Mutter! Beide wären also Stiefbrüder gewesen! Die Erklärung Gillars wäre dann verständlich: Die Mutter Simons III. stammte aus dem Hause Kayl; Simons Ansprüche auf das Lehen waren also berechtigt. Walram dagegen, obschon Bruder Simons, hatte eine andere Mutter; seine Ansprüche waren demnach kaum gerechtfertigt. Im Prozess musste dies klar hervorgetreten sein, da bei der Urteilsfindung der Verwandtschaftsgrad nicht berücksichtigt wurde. Interessant ist ebenfalls die Tatsache, dass Gillars sich nur als cousin Simons ausgibt und Walram ausschließt.
Diese unsere Vermutung wird noch durch eine Prozessakte vom 28. Juni 1463 bestärkt. Dernach waren Walram von Chêne und Simon von Zolver frères germains. Beide hatten eine Zeitlang die Herrschaft Chêne in gemeinsamem Besitz gehabt. Bei der späteren Teilung erhielt Walram Chêne, Simon dagegen Teile von Zolver. Leider werden die Eltern der beiden Brüder nicht genannt.
Fest steht, dass Simon III. von Kayl und Simon I. von Zolver nicht identisch waren. Demnach ergibt sich aus den Namürer Urkunden und der Prozessakte von 1463 folgende Verwandtschaft: Walram von Chêne ist sowohl Bruder Simons III. von Kayl wie Bruder Simons I. von Zolver gewesen!
Am 22. März 1365 n. St. nennt sich der Zolver Herr Simond von me chaine here zu zoluer. Das bedeutet, dass Simon aus dem Hause Chêne stammte. Die Herrschaft Zolver (nur Teile davon) musste er dann von seiner Mutter geerbt haben. Da jedoch Walrams
Vater aus dem Hause Bettemburg stammte, beide aber Brüder genannt wurden, so mussten Walram von Chêne und Simon von Zolver dieselbe Mutter gehabt haben! Beide waren also Stiefbrüder und nicht frères germains, wie die Prozessurkunde vermerkt.
Diese verworrenen Familienverhältnisse lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Johann von Bettemburg hatte in erster Ehe Colette von Kayl geheiratet. Beider Sohn war Simon von Bettemburg, Herr von Kayl. Der Herr von Chêne hatte die Erbin von Zolver geehelicht. Ihr Sohn war Simon von Chêne, Herr von Zolver. In zweiter Ehe heiratete dann Johann von Bettemburg die Erbin von Zolver, Witwe von Chêne. Aus dieser Verbindung stammte Walram von Bettemburg, Herr von Chêne.
Einige Urkunden erhalten durch diese unsere Schlussfolgerung eine zufriedenstellende Erklärung:
Am 7. Januar 1307 machte Johann genannt Walram von Zolver sein Testament. Von Krankheit geplagt bezeichnete er seine Brüder Herbrand und Wilhe1m als Testament­vollstrecker. Aus der Urkunde erfahren wir, dass Töchter von ihm und seiner Frau Isabella in die Klöster Differdingen und Oeren eingetreten waren. Da weder Herbrand noch Wilhelm Zolver erbten, musste Johann Walram noch andere Nach­kommen gehabt haben. Ein männlicher Erbe war es sicherlich nicht, sonst wäre er bestimmt als Testamentvollstrecker eingesetzt worden". Kommt also nur eine Erb­tochter in Frage. Dann aber müßte ihr Mann im Testament erwähnt werden. Ein Nichterwähnen konnte zwei Ursachen haben: Johann Walram hatte kein Vertrauen zu seinem Schwiegersohn, darum das Einsetzen seiner Brüder als Testamentvollstrecker. Oder aber, was viel wahrscheinlicher war, sein Schwiegersohn war bereits tot. Johann Walrams Tochter war als Frau und Witwe minderjährig vor dem Gesetz, so dass sie als Testamentvollstreckerin nicht in Frage kam. Dieselbe Bemerkung gilt für ihren Sohn, der damals noch minderjährig gewesen sein musste. Da Simon von Zolver, der Nachfolger Johann Walrams, aus dem Hause Chêne stammte, musste seine Mutter eben die Erbtochter Johann Walrams gewesen sein! Sein Vater, der Herr von Chêne, kann am 7.1.1307 als verstorben gelten!
Am 26. August 1310 nennt eine Urkunde Jehan de Keele chevalier mambour de Kaine. Die Akte handelt um Ebly, welches zur Herrschaft Chêne gehörte. Sie ist nur als Abschrift erhalten. Kaine ist eine andere Schreibweise für Chaine = Chêne. Jobann von Kayl, Momper von Chene, aber bedeutet, dass 1310 Johann die Herrschaft Chêne für minderjährige Kinder oder eine Frau verwaltete. Das aber bedeutet, dass der Herr von Chêne 1310 nicht mehr am Lehen war!
Beide Urkunden kommen zum selben Schluß: früher Tod des Herrn von Chêne. Wer war nun dieser früh verstorbene Herr? Urkundlich und zeitlich kommt nur Philipp von Chêne in Frage, welcher ein einziges Mal am 28. März 1304 erwähnt wird, Dieser Philipp kann demnach vor dem 7.1.1307 gestorben sein. Er wäre als der Vater Simons von Zolver anzusehen.
Wer war schließlich dieser Johann von Kayl, Momper von Chêne? War er der älteste Sohn Simons I. von Kayl? Wenn ja, wieso kam er zur Verwaltung der Herrschaft Chêne? Als Momper hätte sich eher ein naher Verwandter der Erbtochter von Zolver aufgedrängt, Eine einfache Lösung findet sich, wenn wir Johann von Kayl mit Johann von Bettemburg identifizieren. Vergessen wir nicht, dass sich Simon, der Sohn Johanns, nach Kayl benannte! Man kann also annehmen, dass Johann nach dem Tode seiner Frau Colette Teile der Herrschaft Kayl als Verwalter seines minderjährigen Sohnes Simon besaß. Kein Wunder, dass er dann nach Kayl benannt, später, bei Großjährigkeit seines Sohnes, jedoch nur mehr nach Bettemburg betitelt wurde.
Eine letzte Urkunde sei hier noch erwähnt. Am 22. März .1365 n. St. wird Walram, der Sohn Walrams von Chêne und Enkel Johanns von Bettemburg, mit Walram von me
chaine here zu zoluer angeredet. Wieso wäre der Enkel des Bettemburgers in den Besitz von Zolver Anteilen gekommen (seine Frau war nämlich Juliane von Welchenhausen), wenn nicht Johann mit einer Tochter aus dem Hause Zolver verheiratet gewesen ware.
Zusammenfassend kann man also die Verbindungen zwischen den Familien von Kay!, Bettemburg, Zolver und Chêne in folgender Skizze festhalten:

Simon III. von Kayl hatte also von seiner Frau Margarete offensichtlich keine Kinder. Seine letzten Tage verbrachte er als Mönch im Kloster Saint-Hubert, wo er 1354 starb (siehe oben). Zu seinen Lebzeiten hatte er große Schulden gemacht. Am 28. Juli 1345 hatte er nämlich von Ritter Thielmann von Beuemburg 130 Pfund Turnosen geliehen und dafür seine sämtlichen beweglichen und unbeweglichen Güter verpfändet. Ob er die Summe zurückzahlen konnte, ist nicht mehr überliefert.


THIELMANN

Als Nachfolger Simons III. wird am 1. September 1356 Thielmann erwähnt, In den Urkunden wird er entweder 'Thielmann von Kayl oder Thielmann von Bettemburg, Herr von Kayl genannt. Auch die Umschrift seines Siegels lautet gleichermaßen: S. THIEL­MAN DE BETEB. Im Wappenschild führte er drei Jagdhunde. Dieses Wappen stimmt nicht mit dem Greif der Bettemburger und dem Löwen der Kayler überein! Es widerspricht ebenfalls der Vermutung Etringers, Thielmann wäre der Sohn Simons III. gewesen. Die Benennung nach Kay] und nach Bettemburg macht dann auch Etringer Schwierigkeiten. Er glaubt schließlich, Thielmann Vous von Bettemburg wäre durch Pfändung in den Besitz von Kayl gekommen. Dazu ist folgendes zu bemerken: Thielmann von Bettemburg, Herr von Kayl, ist nicht identisch mit Thielmann Vous von Bettemburg! Beide führten nämlich verschiedene Wappen und traten miteinander in denselben Urkunden auf! Thielmann Vous hatte Kayl nie in Besitz. Dieser Thielmann von Bettemburg, Herr von Kayl, ist kein anderer als Thielmann von Bettemburg, dem Simon III. 1345 die Herrschaft Kayl verpfändete. Thielmann wird von 1345-48 nach Bettemburg betitelt; von 1356 datiert seine erste Benennung nach Kayl. Nun haben wir gesehen, dass Simon III. 1354 gestorben sein musste. Aus all dem kann man schließen, dass Simon Kayl nicht einlösen konnte, und Thielmann nach dessen Tode Herr auf der Kayler Burg wurde.
Am 13. Februar 1362 wird Thielmann zum ersten Male als Ritterrichter des Herzogtums Luxemburg erwähnt. Er war der Nachfolger Wirichs von Berburg. In dieser Funktion finden wir Thielmann bis zum 30. März 1367". Am 10. Juni desselben Jahres ist bereits
Theoderich von Hüncheringen Ritterrichter. Thielmann muss also zwischen beiden Daten gestorben sein, da der Träger dieses Amt bis zu seinem Tode bekleidete.
Wer war dieser Thielmann? Nach dem Wappen zu schließen, gehörte er nicht zur Familie derer von Bettemburg. Drei Jagdhunde im Wappen führten ebenfalls die beiden Bürgerfamilien ,Bouchard und Madenard aus Luxemburg sowie das Burgmannenge­ schlecht Poisgin von der Neuerburg. War er mit einer dieser Familien verwandt? Thielmann besaß jedenfalls ein Haus in der Stadt Luxemburg. Im Januar 1379 n. St. nämlich legten Jerdain der vladenbecker und Johan der duchscherer, beide Bürger von Luxemburg, ihren Streit wegen hern thielmans huze selich von keil das da steit in wasteler gassen bei. Beide hatten eyn deil ainkaufft. Das WOrt Herr deutet hier auf einen Adeligen hin, da in der Urkunde die Bürger nur mit dem Namen angeredet werden. Da bis in die Zeit Johanns des Blinden hinein nur sehr wenige Adelige (und darunter war noch ein geadelter Bürger, nämlich Wilhelm von Aspelt) in der Stadt ein Haus besaßen, könnte der Hausbesitz auf einen bürgerlichen Ursprung Thielmanns hinweisen! Da Thielmann bereits 1345 Ritter genannt wird, müßte er dann unter Johann dem Blinden geadelt worden sein. Von Wenzel I. protegiert wäre er dann zum Ritterrichter gewählt worden.

Thielmann war mit einer Johanna verheiratet. Am 16. Juni 1370 wird Johanna von Hollenfels, Herrin zu Hüncheringen und Kayl, als Frau Theoderichs von Hüncheringen erwähnt. Wieso kam eine Tochter von Hollenfels in den Besitz von Kayl? Eine einfache Erklärung läßt sich finden, wenn wir annehmen, dass Johanna von Hollenfels mit Johanna, der Frau Thielmanns, identisch sei. Da Thielmann 1367 starb, konnte Johanna in zweiter Ehe 1370 Theoderich geheiratet haben. Sie hätte dann Kayl als Witwengut besessen, daher die doppelte Benennung nach Hüncheringen und Kayl.


Thielmann von Kayl hatte wohl keine Nachkommen. So finden wir dann gegen Ende des 14. Jhts. die Herren von Limpach, als Erben der Herren von Beles-Kayl, im Besitz von Kayl. Erben der Limpacher aber waren die Sassenheimer und Oettinger. Beide Familien besaßen bis zum Ende der Feudalzeit die Hälfte der Burg Kayl. Aber auch die Herren von Chêne waren im Besitz von Kayl. Erben derer von Chêne aber waren die von Zolver-Lagrange, Nachkommen Simons von Zolver. Die Behauptung Etringers’ Thiel­mann Vous von Bettemburg, oder seine Söhne, hätten den Herren von Zolver Kayl abgetreten, damit diese ihren Besitz abrunden konnten, ist nicht mehr haltbar!
Zum Abschluß des Artikels sei noch einmal der Stammbaum der Herren von Kayl aufgezeichnet:

M. Etringer: Grandeur et decadence de la maison seigneuriale de Kayl in Kayler Jubiläumsbroschüre 1947, S. 17-23.
R. Klein: Wappen und Ursprung der Herren von Kayl, Hemecht 1975, Heft I S. 95-102.
idem: Die ersten Herren von Beles, Festbroschüre Bieles, seng Poar, seng Leit, seng Kiirch 1975, S.53-63.
idem: Pirrod von ßeles und Egidius von Kay!. Ein Nachtrag zum Ursprun.g der Herren von Kayl und Beles; Festbroschüre Eis ne i Uergel Bieles 1977, S. 40-46.
J N. van Verweke: Cartulaire de Marienthai (CM), PSH 38/39, No 29.
Falsch ist die Behauptung J. Dupongs (Kayl in der Geschichte S. 12), dass Egidius die Urkunde
unterschrieben und besiegelt habe. Die Akte ist nur in einer Abschribt erhalten, doch wird erwähnt, dass nur der Graf von Luxembur~ siegelre. Unterschrieben wurden übrigens damals kein,' Urkunden!
Table de Würth-Paquet PSH 19 No 901; Etringer op. cit. geht nicht weiter auf diesen Wilhe1m von Kaylein,
Solche Burgmänner sind ebenfalls für Zolver (Hardt: Luxemburger Weismümer S. 755), Berwart
(N. Majerus: Die Luxemburger Gemeinden, Band III S. 474) und Johannisberg (Majerus op. cit.
Bd, III S, 52) bezeugt.
R. Klein: Pirrod von Beb und Egidius von Kayl (siehe Anm. 2).
C. Wampach: Urkunden- und Quellenbuch (UQB), Band IV No 452, Band V Nos 47, 48, 181,IH,nl,D2.456,4",m,49~~5M,541,5D,B~~~5n,~,~612,~~rn,n~ 737,738,809, Band VII No 1279; CM 217.
R. Klein: Wappen und Ursprung der Herren von Kayl (siehe Anm. 2).
UQB V 181, 198,466,492,553; VI 576,612,620; CM 217.
UQB IV 452; V 456; VI 620, 737.
UQB V 508; VI 682.
IJ UQBV 508.
UQB VI 682; Nach Blanchan: Manuscrit genealogique (Archives Etat Lux.) ware Hedwig oder
Colette mit einem Herrn von Limpach verheiratet gewesen. Ihr Sohn wäre Heinrich von Limpach gewesen. Blanchan hat diese Verbindung sicherlich angenommen (denn er bringe keine urkundlichen Beweise), um die Verwandtschaft der Limpacher mit den Kayler zu erklären. Die Verbindung der beiden Familien ging jedoch über die Beber Linie der Herren von Kayl (siehe R. Klein: Die ersten Herren von Beles).
PSH 19 No 855.
A. Verkooren: Inventaire des Chanes.et Canulaires du Luxembourg, Tome II No 619.
Die ersten Herren von BeJes (siehe Anm. 2)
6.12.1353: ... Symons dis de keyle escuwiers fils monsingneur Jehan de bettebergh chevalier...
(Archives Namur; Ch. Piot: Inventaire des Chanes des Comtes de Namur No 780).
13.1.1355: ... est li plus presmes douJadit monseigneur Symon Symon de keile se neveurs qui astoit et est de la serour germaine filz monseigneur Jehan de bettenbergh chevalier. . . (Arch. Namur; Piot No 789).
Abschrift in der Urkunde vom 2.4.1340 (Areh. Namur; Piot No 621).
Archives Namur; Piot No 614, 621
Symons dis de keyle escuwiers fils monsingneur fehan de bettebergh chevalier par le succetion de
natre amei et feiaubk monsingneur Symon de keyle fadis chevalier sen onde fuist paT'f)enus et succedeis alle possetian et ayeretanche dun fief. . . de quarante lievrees de teTTe a tournais. . . (Arch. Namur; Piot No 780).
11 23.3.1332 (PSH 19 No 901).
Am 30.3.1325 verleiht Papst Johannes XXII. dem Johann, Sohn des Edlen Johann von Bettemburg,
ein Kanonikat am Dom zu Speyer mit Expekunz einer Präbende (H. Sauerland: Urkunden und Regesten zur Geschichte der Rheinlande aus dem Vatik. Archiv, Bd. I No 771). Dieser Kleriker Johann von Bettemburg ist weiter nicht bekannt. Ob nun dieser Edle Johann von Bettemburg
identisch mit Johann, dem Vater Simons III. von Kayl war, ist in Ermangelung anderer Urkunden schwer zu sagen.
Von Johann ist kein Siegel erhalten. Sein Sohn Simon Ill. fühne im Wappen einen Löwen, sein Sohn Walram drei gestümmelte Amseln (Th. de Raadt: Sceaux armoiries des Pays-Bas et des pays avoisinants, tomI' I p. 360, tOme Ir p. 166). Beide scheinen die Wappen der Herrschaften Kay] und Chene angenommen zu haben, so dass aus der Heraldik kein Rückschluß auf die Familie Johanns von Beuemburg gezogen werden kann.
Fonds Culembourg (Arch. Etat A 4h) No 852.
18.6.1354: ... honoreit Escujer Walleramt dit de Betheberchg filz monseigneur fehan de betheberchg chevalier... (Areh. Namur, Piot No 784).
7 . . . naus Simons de kelle. . . avons piet et requis pions et requerons . . . a wallerant do chaine mon
chier frere quilh pendent leurs saiaus aces presentes lettres avoic le notre... (Arch. Namur, Piot
No 621).
13.1.1355: ... que li dis Symons de keile astait et est dan Symon hons religieuz et mones profes enlabbie de saint huben en ardenne. . . (Areh. Namur, Piot No 789).
Et li dis Wallerams nastoit venus comparus ne luy Escuseis suffisamment mais que por vune lettre
saielee de son see! tant seulemem qui nastoit niet suffissans escusanche ale usuge dele dite court. . .
(Arch. Namur, Piot No 784).