
Der Name
Wie bei
so vielen
Ortsnamen unseres Landes herrscht über die Bedeutung des Namens
"Bettemburg" Unklarheit. Dabei fehlt es nicht an Deutungsversuchen. Da der Ort
in den
frühen Urkunden stets "Bettemburg" genannt wird, leitete J. Meyers die
Bezeichnung vom
Personennamen Batto oder Betto sowie von Berg ab. R. Klein hat unlängst auf die
Lage der
Ur-Ortschaft in der Ebene, am Zusammenfluss der Alzette und des Düdelinger
Baches
hingewiesen und die Deutung Berg = Anhöhe in Frage gestellt. Er denkt an berc =
Umschliessung, das auch mit Dorf übersetzt werden kann. Demnach wäre der
ursprüngliche
Ortsname Bettemburg gleichbedeutend mit "Dorf des Betto". Spätere Generationen
haben -
berg durch -burg ersetzt, wahrscheinlich aus Unkenntnis, vielleicht aber auch
weil im 12.
Jahrhundert in Bettemburg eine Burg erbaut wurde.
Da die Geschichte Abweilers, vor allem auf religiösem Gebiet, stets eng mit
derjenigen
Bettemburgs verknüpft war soll hier ebenfalls kurz auf die Bedeutung des Namens
Abweiler
eingegangen werden. Man ist sich einig darüber, dass der Name Abweiler vom
lateinischen
villa kommt. Meyers leitete die Vorsilbe jedoch vom Personennamen Abo ab. I. de
la
Fontaine dagegen dachte an Abt, einer Deutung, der sich auch Klein anschloss.
Tatsächlich
gehörte Abweiler über Jahrhunderte hinweg zum Besitz der Echternacher Äbte.
Die frühe Besiedlung
Nach unseren
heutigen Kenntnissen war das Gebiet der Gemeinde Bettemburg in der
vorgeschichtlichen, bzw. vorchristlichen Zeit nur sporadisch besiedelt. Bisher
gibt es aus
dieser Zeit nur wenige Funde wie z.B. die irdenen Töpfe aus einem Grab aus dem
7. Jahrh.
v. Chr., das unlängst bei Nörtzingen freigelegt wurde.
In der folgenden gallo-römischen Zeit hat sich die Besiedlung gründlich
verändert. So gibt es
in und um Bettemburg mehrere römische Trümmerstellen, die durch archäologische
Funde
belegt sind. Es handelt sich dabei hauptsächlich um die Überreste römischer
Landhäuser mit
den dazu gehörenden Wirtschaftsgebäuden. Dem damaligen Wirtschaftssystem
entsprechend lagen diese Gehöfte weit über das Land verstreut. Vor einigen
Jahren wurden
in Bettemburg selbst auch Gräber aus dem 1. und 2 Jahrh. n. Chr. entdeckt.
Die erste urkundliche Erwähnung von Bettemburg
Bettemburg wird
erstmals erwähnt in dem sog. "Liber Aureus Epternacensis", dem
"Goldenen Buch von Echternach", einer Abschrift älterer Dokumente, welche am
Ende des
13. Jahrhunderts erfolgte. Es handelt sich hierbei u.a. um eine Urkunde, in
denen freie
Franken dem Kloster Echternach einen Teil ihrer Güter schenkten.
So erfahren wir, dass im 2. Regierungsjahr des Königs Ludwig III (877-878) die
beiden
Damen Doda und Adelarde der Abtei Echternach u.a. 3 Ansingen (etwa einen halben
Hektar
Land) in Betheberch an der Simere (= Düdelinger Bach) schenkten.
Abweiler und
Hüncherigen werden ebenfalls bei Gelegenheit von Schenkungen, sogar noch
früher genannt. Bei Abweiler kann nur ungenau der Zeitraum 739-775 angegeben
werden.
Das Datum der Schenkungen in Hüncheringen jedoch ist genauer bekannt: in den
Jahren
867/868.
Weltliche und geistliche Herren
Der ursprüngliche
Grundherr von Bettemburg war der Graf von Luxemburg. Die Ortschaft,
oder besser gesagt, das Dorf Bettemburg dürfte für ihn insofern von besonderer
Bedeutung
gewesen sein, als es an einem strategisch wichtigen Punkt, und zwar in einem
offenen
Aufmarschgebiet nach Luxemburg lag. Zwischen 1182 und 1190 wird erstmals
urkundlich ein
Philipp von Bettemburg genannt, ein Dienstmann des Grafen Heinrich von Namür und
Luxemburg. Den Gepflogenheiten der Zeit entsprechend honorierte der Graf seinen
Dienstmann, indem er ihm seine Bettemburger Güter zum Lehen gab. Im 17.
Jahrhundert
gehörten zur Bettemburger Schlossherrschaft nachweislich nicht weniger als 241
Hektar!
Im Verlauf der Zeit wurden die Eigentumsverhältnisse in Bettemburg, in Folge von
Verlehnung, Teilung und Verpfändung immer komplizierter. So gab es im 15. Jahrh.
in
Bettemburg sogar drei adelige Häuser: das bereits erwähnte Schlossgut, ein
Lehngut, das im
14. Jahrhundert vom Schlossgut abgespalten worden war, sowie die sog. Motte, ein
grösseres Bürgergut. Erst der aus der Eifel stammenden Familie von Zievel, die
am Anfang
des 18. Jahrhundert in Bettemburg ein neues Schloss - das heutige sog. Schloss
Collart -
erbaute, gelang es, durch Erbschaft und Kauf alleiniger Ortsherr zu werden.
Die Situation im kirchlichen Bereich war nicht weniger kompliziert. Wie wir oben
gesehen
haben, kam Abweiler bereits mehr als hundert Jahre vor der ersten Erwähnung
Bettemburgs
durch Schenkung an die Abtei Echternach. Abweiler wurde Pfarrsitz. So blieb es
bis ins Jahr
1767, obschon Bettemburg bereits lange Zeit vorher wesentlich grösser als der
Pfarrsitz
geworden war und die Pfarrkirche in Abweiler sich nicht selten in einem
desolaten Zustand
befand.
Während der Feudalzeit oblag die Pflicht zum Unterhalt der Kirchen den
Zehntherren. Der
Zehnt, eine ursprünglich zum Unterhalt der Geistlichen und der von ihnen
betreuten
Gotteshäuser von den Einwohnern geforderte Abgabe, war nicht selten in Folge von
Verpfändung, Verschenkung oder Usurpation ganz oder teilweise in den Händen
weltlicher
Herren. Dies führte oftmals zu Streitigkeiten, nicht zuletzt, wenn es galt, für
den Unterhalt
der Kirchen bzw. der Kapellen zu sorgen.
In Abweiler war der Abt von Echternach alleiniger Kirchenherr, er sollte es bis
ans Ende des
"Ancien Regime" bleiben. Anders in Bettemburg, wo die Kapelle - grösser als die
Mutterkirche in Abweiler - nicht von Zehntherren, sonder von den Einwohnern
unterhalten
wurde. Halten wir noch fest, dass die Verlegung des Pfarrsitzes von Abweiler
nach
Bettemburg am 16. Februar 1767 erfolgte. Abweiler zählte damals 6 Häuser,
Bettemburg
deren 60. Zur selben Zeit wurde in Bettemburg durch den Echternacher Baumeister
Paul
Mungenast ein neues Kirchenschiff errichtet, das bereits 1884, da es wiederum zu
klein
geworden war abgerissen wurde. Wie ihre Vorgängerinnen, stand diese Kirche in
dem alten
Ortskern, auf dem
heutigen Freiheitsplatz. 1889 erfolgte die Konsekration der heutigen
Dekanatskirche. Bereits 1803 war Bettemburg Dekanatsitz geworden. 1951 wurde das
Dekanat aufgeteilt in die Dekanate Esch/Alzette und Bettemburg.
Die Landmeierei Bettemburg
Die Bettemburger
Bürger erhielten bereits vor dem 26. Juni 1294 das sog. Böhmerrecht
(droit de Beaumont). Dadurch waren sie von der Leibeigenschaft befreit. Auch
wurde ihnen
eine gewisse kommunale Freiheit gewährleistet, die eine begrenzte
Selbstverwaltung
ermöglichte. Die Einwohner besassen das Grundgericht, das jedoch jedes Jahr
erneuert
werden musste. Die Hochgerichtsbarkeit, d.h. das Recht über schwere Verbrechen
zu
urteilen, bzw. über Leben und Tod zu entscheiden, gehörte allein dem
Landesfürsten. Er
liess sie durch einen Vertreter, den Propst von Luxemburg, ausüben, dem das
Gericht der
Landmeierei Bettemburg zur Seite stand.
Die Landmeiereien gehen auf eine grundlegende Neuordnung der gräflichen
Verwaltungsorganisation zurück, welche im 13. Jahrhundert nach französischem
Vorbilde
durchgeführt wurde. Diese Verwaltungsreform führte das Luxemburger Land "vom
feudalen
Personenverband, zum landefürstlichen Territorialstaat und weiter zum modernen
Staat", mit
einer zunehmenden einheitlichen politischen und rechtlichen Ordnung. So teilte
Gräfin
Ermesinde ihren Domanalbesitz in einzelne Verwaltungsbezirke ein, den Propsteien.
Diese
wurden wiederum in Unterbezirke aufgeteilt, den sog. Landmeiereien. Bettemburg
wurde
Sitz einer solchen Landmeierei. An ihrer Spitze stand der Landmeier, und ihm zur
Seite ein
Unterlandmeier, 8 Schöffen und 1 Gerichtsbote. Zu Gericht sass man vor dem sog.
Gerichtskreuz. Ein solches Kreuz aus dem Jahre 1620 befindet sich noch heute am
"Delfeldseck".
Als Stellvertreter des Propstes übernahm der Landmeier in seinem Bezirk
zahlreiche
Aufgaben. Er war Verwalter, Gerichts- und Finanzbeamter und hatte auch
militärische
Gewalt.
Im 16. Jahrhundert gehörten zur Landmeierei Bettemburg die Ortschaften:
Bettemburg, Schifflingen mit dem Hedinger Bann, Reckingen/Mess, Ehlingen,
Wickringen,
Steinbrücken, Bergem, Hüncheringen, Fenningen, Nörtzingen, Livingen, Berchem,
Bivingen,
Röser, Peppingen und Hellingen.
Die Bevölkerung
Während der
Feudalzeit bestand die Bevölkerung in Bettemburg, wie auch in den heute
eingemeindeten Ortschaften Abweiler, Hüncheringen, Nörtzingen und Fenningen fast
ausschliesslich aus Bauern und Tagelöhnern. Diese konnten meistens nur mit Mühe
die
eigene Ernährung sicherstellen und die fälligen Steuern bzw. Abgaben
erwirtschaften. Über
die Hälfte der Bauern besass weniger als einen Hektar Land, oftmals zersplittert
in eine
Vielzahl von
kleinen Parzellen, die nach den Methoden der Dreifelderwirtschaft bestellt
wurden. Hinzu kamen allerlei Frondienste für den Schlossherrn. Nur die
bestehenden
Gemeinschaftsrechte (Nutzen des offenen Bannes, des "Glannen" und Holzeinsammeln
usw.)
retteten so manche Familien vor dem Hungertod.
Andere äussere Lebensbedingungen machten den Bauern das Leben zusätzlich schwer:
Missernten, gefolgt von Hungersnöten (im 17. und 18. Jahrhundert allein 8),
Epidemien und
nicht zuletzt eine Vielzahl von Kriegen. In der genannten Zeitspanne wurde der
Bettemburger Bann wiederholt geplündert und gebrandschatzt. Nach dem
unheilvollen "30-
jährigen Krieg" bestand die Bevölkerung von Bettemburg nur noch aus 10
Haushalten,
gegenüber 40 vorher. Diejenige von Abweiler ging von 7 auf 2 zurück, die Zahl
der
Haushalte in Hüncheringen von 10 auf 5, während Fenningen und Nörtzingen im
Jahre 1656
als verlassen genannt werden.
Die fast ausschliesslich bäuerliche Bevölkerungsstruktur überwog bis in die
Mitte des vorigen
Jahrhunderts, auch wenn einige neue Berufe in der kurzen Zeit hinzukamen, in der
Bettemburg Kantonalhauptort und Sitz eines Friedensgerichtes war (1802-1841).
Der um
1824 erstellte erste Kataster nennt für Bettemburg folgende Berufe: cultivateur,
journalier,
charron, tailleur, tisserand, charpentier, cordonnier, maçon, maréchal ferrand,
menuisier,
médecin, notaire.
Mit dem Einmarsch der französischen Revolutionsarmee im Jahre 1794 und dem
Anschluss
unseres Landes an das Wälderdepartement ging die Feudalzeit zu Ende. Mit ihnen
verschwanden auch die alten Privilegien, Rechte und Gebräuche. Freiheit,
Gleichheit und
Brüderlichkeit wurden allen Bürgern zugestanden. Neue Verwaltungsformen
entstanden.
Unter den Franzosen wurde die Gemeinde Bettemburg geschaffen, in der Form wie
sie auch
noch heute besteht. Die Unabhängigkeit Luxemburgs im Jahre 1839 und die
Ausarbeitung
der ersten demokratischen Verfassung im Jahre 1848 gehören zu den markantesten
Ereignissen unserer Nationalgeschichte im 19. Jahrhundert.
Der Aufschwung
Ihren Aufschwung
verdankt die Ortschaft Bettemburg zweifellos dem Bau der ersten
Eisenbahnlinie Luxemburg-Thionville im Jahre 1859. Am 8. Oktober 1859 wurde
diese erste
luxemburger Eisenbahnstrecke feierlich eingeweiht trotz mancher Schwierigkeiten,
hervorgerufen durch den Unwillen einiger Einwohner.
Der ersten Linie folgten weitere: Bettemburg-Esch am 23. April 1860. In den
Jahren 1874
und 1875 wurde die Strecke Luxemburg-Thionville zweigleisig ausgebaut, und
nachdem
1882 in Düdelingen eine grosse Eisenhütte entstanden war wurde zwei Jahre später
am 1.
Dezember 1884, die Strecke Bettemburg/Düdelingen/Werk eingeweiht. Schlussendlich
wurde
am 1. September 1899 die Vizinalbahn nach Aspelt, der berühmte "Jangli" in
Betrieb
genommen.
Bettemburg war somit zu einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt geworden. Viele
Menschen fanden bei der damals noch personalintensiv betriebenen Eisenbahn einen
Arbeitsplatz. So
arbeiteten z.B. 1921 nicht weniger als 746 Leute bei der Eisenbahn in
Bettemburg.
Tatsächlich verdankt das kleine mittelalterliche Dorf einem Zufall seinen
Aufschwung, und
man darf sich die berechtigte Frage stellen, wie es wohl geworden wäre, hätte
man den
ursprünglich gefassten Plan einer Streckenführung über Frisingen beibehalten.
Die zentrale Lage der Ortschaft, halbwegs zwischen Luxemburg und Esch, und nur
wenige
Kilometer von Düdelingen entfernt, gab den Einwohnern die Möglichkeit schnell
und bequem
ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Die aufstrebende Eisenindustrie und die rasch
wachsende
Hauptstadt verlangten in verstärktem Masse nach weiteren Arbeitskräften. Die
Einwohnerzahl der Gemeinde Bettemburg vergrösserte sich rasch, von 1148 im Jahre
1851
auf 2203 im Jahre 1900, das entspricht einem Wachstum von 91,9%. 1988 hatte die
Gemeinde Bettemburg insgesamt 7876 Einwohner, das ist im Vergleich zu 1900 eine
weitere
Steigerung von 257,5%.
Das Anwachsen der Bevölkerung liess Bettemburg schnell zu einer grösseren
Ortschaft
aufsteigen: die Gemeindeverantwortlichen standen vor neuen Aufgaben und
Problemen:
1859 wurde die Post von Frisingen nach Bettemburg verlegt. 1866 bekommt die
Ortschaft
eine Apotheke, wohl unter dem zusätzlichen Eindruck der Cholera, die in
demselben Jahr
innerhalb von 70 Tagen 26 Opfer in Bettemburg forderte, 1868 entsteht an der
Luxemburger
Strasse das Gemeindeschulhaus, in dem sich heute das "Haus fir Grouss a Kleng"
befindet,
1869 baut der Orden der hl. Elisabeth ein Altersheim und nicht weit davon
entfernt entsteht
1881 eine Gerberei. Im Jahre 1889 erhält die Ortschaft eine neue, der Grösse der
Bevölkerung angepasste Kirche. 1904 wird auf dem Kirchplatz eine Schule gebaut,
die
bereits 1924 vergrössert werden muss. Schliesslich wird 1929 die Gasbeleuchtung
durch
elektrisches Licht ersetzt.
Nach dem 2. Weltkrieg jedoch haben sich die Dinge im Gefolge der allgemeinen
nationalen
Wirtschaft nicht immer zum Besten der Ortschaft verändert. Manche Betriebe haben
ganz
aufgehört, so z.B. die Ziegelei, andere sind abgewandert. Besonders schmerzlich
für die
Ortschaft war der kontinuierliche Abbau bei der Eisenbahn. Nicht zuletzt dank
der
Anstrengung der Gemeindeverantwortlichen kamen neue Betriebe, so die Para Press
SA, die
sich 1959 in Bettemburg niederliess, oder die FAN, heute Trefil-Arbed, ein
Tochtergesellschaft der Arbed. Auch die CFL hat in den letzten Jahren bedeutende
Anstrengungen gemacht. So entstand ein moderner Verschiebebahnhof, der sog.
"triage
unique", mit einem Container-Terminal. Beide Anlagen sind heute jedoch kaum
ausgelastet.
Berechtigte Hoffnungen geben schliesslich die durch staatliche und kommunale
Initiativen
zwischen Bettemburg und Düdelingen entstandenen Industriezonen. An Aufgaben für
die
Verantwortlichen dürfte es nicht fehlen.